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Rosenbild

Tapetenrose (Rosa turbinata): Umschlagbild des Bandes "Rose" von Johann Wilhelm David Korth (Neu herausgegeben von Hagen Reinstein und Hans-Ulrich Seifert. Trier: Universitätsbibliothek und Universitätsdruckerei, 2004).

Klaus Gottheiner: Rosencrême, o reiner Widerspruch (Unijournal 2 / 2004)

Zur Landesgartenschau ediert die Bibliothek eine rhodologische Kostbarkeit

Die Rose ist vergänglich, aber ihr Name bekanntlich der Gesprächsstoff der Jahrhunderte. Kein Gang zwischen den Zuchterfolgen der Landesgartenschau sollte unternommen werden ohne eine dazugehörige Lektüre, die daran erinnert, daß ihre Wurzeln nicht nur in die Erde, sondern auch weit in die Vergangenheit reichen. Eines der interessantesten Fundstücke aus der Archäologie der Botanik hat jetzt die Universitätsbibliothek Trier dem Vergessen entrissen und aus aktuellem Anlaß neu herausgebracht: den 1819 erschienenen, im Original 150 Seiten starken Artikel "Rose" der Krünitzschen Enzyklopädie, eine Trouvaille, die viel von der historischen Dimension dieses faszinierenden Gegenstands wieder bewußt macht.

Seit wann, zum Beispiel, essen wir eigentlich keine Blumen mehr? Zu den überraschenden Einsichten der Lektüre gehört, welche essentiellen Bestandteile des Küchenzettels uns seit der Romantik nahezu völlig weggebrochen sind. Im gleichen Jahr, als John Keats dichtete: "Then glut thy sorrow on a morning rose", empfahl der "Rosen"-Artikel etwa eine Mehlspeise von Rosenblättern la Crme ("die gut nachgesehen worden, daß keine Würmer dazwischen sind"), etliche Arten von Roseneis, -gelee und -marmelade oder auch ein warmes Rosenmus, wahlweise mit Wein oder Hühnerbrühe gekocht.

Die anregenden Rezeptvorschläge finden sich in Band 127 der von Johann Georg Krünitz begründeten Oeconomisch-technologischen Enzyklopädie, die 1773 bis 1858 in 242 Bänden erschienen ist und zur Zeit im Rahmen eines DFG-Projekts der Bibliothek digitalisiert und sachlich erschlossen wird (siehe Unijournal 4/2001 und 3/2003). Verfasser des Bandes ist der Philologe Johann Wilhelm David Korth (1783-1861), der sich auch mit Technologie, Tauben- und Blumenzucht befaßte. Für den buchstarken Artikel "Rose" wertete er praktisch die gesamte ihm erreichbare Literatur aus und näherte sich seinem Thema denn auch mit wahrhaft enzyklopädischem Anspruch.

Nicht nur beschreibt Korth detailliert die - je nach Einteilung - 55 bis 141 seinerzeit bekannten Rosenarten (zahllose Unterarten nicht eingerechnet) ebenso wie die intrikaten Geheimnisse der Rosenzucht und -veredelung, er fügt auch Exkurse zur Geschichte, Nomenklatur und Etymologie ein und widmet sich ausführlich der praktischen Nutzung dieser Ressource auch über die Gastronomie hinaus: so lesen wir etwa das Rezept eines lindernden Augenwassers aus "1 frischen Ey, 1 Scrupel Vitriol und 4 Unzen Rosenwasser".

"Korth mußte sich mehrfach gegen den Vorwurf der Weitschweifigkeit wehren", weiß Dr. Hagen Reinstein, einer der beiden Herausgeber der UB-Ver¨ffentlichung. Heute sehen wir das allerdings dezidiert anders: Heute lesen wir seine Rhodologie als eine unerschöpfliche und äußerst kurzweilige Quelle zur Kulturgeschichte der Rose und eine Fundgrube detaillierter Information, die auch dem heutigen Blumenfreund noch von Nutzen sein könnte.

Und das ist exakt der Grund, weshalb sich die Herausgeber entschlossen haben, zur Landesgartenschau in Trier den bislang nur schwer zugänglichen Text, der in Umfang und innerer Geschlossenheit durchaus den Charakter einer veritablen Monographie besitzt, in einer behutsam modernisierten Fassung allgemein verfügbar zu machen. Die Frakturschrift der Vorlage wurde darin durch eine flüssiger lesbare Antiqua-Schrift ersetzt, die abgekürzten bibliographischen Hinweise ermittelt und aufgelöst, entlegene Begriffe prägnant erläutert.

"Die Schreibweise des Originals jedoch, die nicht den geringsten Reiz von Korths Kompilation ausmacht, wurde beibehalten", betont Projektleiter Dr. Hans-Ulrich Seifert.

Sub rosa, möchte man sagen, sind zudem auf rund 50 Seiten weitere Artikel abgedruckt, die mit "Rose" zusammengesetzte Begriffe erläutern, von "Rosenapfel" bis "Rosenzwieback". Eine instruktive Einleitung der beiden Herausgeber ergänzt die Publikation. Der Band "Rose" erscheint in einer Auflage von 1000 Stück (broschiert mit farbigem Schutzumschlag) und ist zum Preis von 9,80 sowohl auf der Landesgartenschau als auch in der Universitätsbibliothek und der Stadtbibliothek Trier erhältlich - ein inspirierender Begleiter für jeden Besucher der Schau, ein Muß für den Rosenfreund und nicht zuletzt ein originelles Geschenk für alle Anlässe.