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Leinwandbleiche Klassifizierung: 648.1 Waschen und verwandte TätigkeitenDDC-Icon Klassifizierung: 667 Reinigungs-, Färbe-, Beschichtungstechniken, verwandte TechnologienDDC-Icon , oder das Bleichen der Leinwand ist das Geschäfte, vermöge welches man durch Gähren, Beitzen in alkalischen Laugen, Ausbreiten an der Luft und Sonne, und vielfältiges Begießen mit reinem weichem Wasser, nach und nach alles, welches die natürliche weiße Farbe unterdrückte, aus der Leinwand wegbringt, und also schneeweiß macht. Es ist hier die Rede von einer jeden Sorte Leinwand, sie sey von Hanf oder von Flachs verfertiget worden. Der Bast des Flachses und des Hanfes ist mit einem unreinen harzigen Wesen angefüllt, welches seine natürliche weiße Farbe in eine unansehnliche graue verwandelt. Da nun aber die Mode sowohl, als die Reinlichkeit, und besonders auch das Färben die schönste weiße Farbe erfordert, so ist das Bleichen ein unentbehrliches Geschäfte bey den Leinwandmanufacturen.

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Im Artikel Pfeil-IconLeingarnbleiche findet man schon einen Theil des Bleichwesens abgehandelt, allein da man dort nicht von der Leinwand reden konnte, so wie hier nicht von dem Garne, so mußte diese nahe verwandte Materie in zwey von einander abgesonderten Artikeln abgehandelt werden.

Die harzigen Substanzen im Flachse können durch die Alkalien aufgelöset werden; zu dem Ende aber ist es nöthig, daß diese Salze bis ins Innerste der Fasern dringen. Da nun der natürliche Bau derselben, und hernach auch noch das Spinnen und Weben die Dichtigkeit vermehren, so muß man sich solcher Handgriffe bedienen, die jene Körper auflockern, den Alkalien also bis ins Innerste der Zusammensetzung den Weg bahnen, und das Aufdünsten der flüchtig gewordenen Theilchen auf der Bleiche erleichtern können.

Das Wasser erweicht das Gewebe der Gewächse, die Wärme dehnt die Luft in den Zwischenräumchen, und also auch diese aus, macht sie größer, und erleichtert das Zudringen der alkalischen Theilchen; und die Gährung befördert die Auflösung der ungleichartigen Bestandtheile durch die Laugensalze, und macht sie flüchtig, so daß sie hernach durch Sonne, Luft und Wärme, völlig aufgelöset, verdünsten können. Alle diese Hülfsmittel gehörig zu gebrauchen, und kunstmäßig mit einander abwechseln zu lassen, macht die ganze Kunst des Bleichens aus.

Man hat viele verschiedene Methoden beym Bleichen, die theils zweckmäßiger, theils unvollkommen, theils aber auch überflüssig sind, indessen ist so viel gewiß, daß die grobe Leinwand nicht so viele Behutsamkeit und Umstände erfordert, als die feine. Wenn daher in der Lausitz, Schlesien, zu Chemnitz, Altona, Braunschweig, Ritt<76, 476>berg, Mannheim, im Herzogthum Berg, in Westphalen u. s. w. kostbare Leinwand gebleicht wird, so scheint es manches Mahl doch, als ob diese Bleichen das Schöne nicht ertheilen können, wie es in Frankreich, Flandern, Brabant, Holland und St. Gallen geschieht. Unsere Hausbleichen in der Mark Brandenburg und verschiedenen angränzenden Ländern, sind gegen eben hier genannte Bleichen aber nicht zu rechnen. Man macht wenig Umstände mit der Leinwand. Die Bauerfrauen büken, oder bauchen nur ihre Leinwand in der Asche die sie haben, obwol sie keine andere als Holzasche nehmen, und legen sie alsdann in ihren Garten, oder wo sie können auf einen Grasplatz, wo sie in der Nähe eine Pfütze, einen Graben, oder einen kleinen Born haben, der nur klares Wasser giebt. Durch ordentliches Abwechseln der Büke und des Bleichens, erhalten sie endlich auch eine weiße Leinwand, wiewohl nicht in dem Grade, wie die Bleicher solche weiß machen.

Diejenigen Hausmütter hingegen, welche schon mehr auf feine weiße Leinwand geben, als vorhin gedachte Bauerfrauen, machen schon etwas mehrere Umstände. An der groben Leinwand, so wie sie vom Weber kommt, nähen sie Strippen oder Schleifen entweder von Bindfaden, oder von dem sogenannten Drähmt nachdem beyde Enden umgesäumet worden, damit sie nicht ausreißen, welches an den Seiten nicht nöthig ist. Nach Maßgabe der Breite der Leinwand werden an beyden Enden, (die beyden Eckschleifen mit gerechnet,) vier oder fünf solcher Schleifen angenähet. In Hinsicht der Länge ist die Zahl der Schleifen unbestimmt, und richtet sich nach der Länge des Stücks; gewöhnlich befestigt man aber <76, 477> alle 2 oder 3 Ellen auf jeder Seite eine Schleife, und beobachtet vorzüglich dieses, daß sich die Schleifen alle gerade gegen einander über befinden. Mit feinerer Leinwand, sie sey von welcher Art sie wolle, kann man des Reißens wegen so nicht verfahren; es werden daher sowohl an die Enden, als die Seiten handbreite Säume von gröberer Leinwand genähet, an welchen man die Schleifen befestiget. Durch diese Schleifen werden hernach auf der Bleiche die Stücke mit in die Erde gesteckten Pflöcken (Bleichstöcken) wider die Windstöße gesichert, gerade, und feste gehalten. Solches zeigt die PfeiliconFigur 4487.

Die Wahl der Bleichstellen setzt unsere Hausmütter oft in Verlegenheit, indem sie manches Mahl gar keine schicklichen Plätze dazu haben, manches Mahl aber auch schlechtes Wasser, und wiederum findet sichs, daß sie wohl einen Bleichplatz hätten, der aber entweder wegen Entfernung vom Wohnhause, zu viele Umstände in Hinsicht des Wachens macht, oder nur mit großen Kosten sicher bewacht werden kann, woher viele des Abends ihre Leinwand von der Bleicheauch nach Hause nehmen, und sie des Morgens wieder auf den Bleichplatz bringen. Können sie es aber haben, (ich rede hier nur bloß von unserer ländlichen Hausbleiche,) und es wollen sich verschiedene dazu dienende Umstände günstig zeigen, so sieht man auf die Nähe eines fließenden, oder auch stehenden, aber auch klaren, welchen Wassers, und man zieht zum Lager der Leinwand oft dürre Sandflächen den stark grasigen Plätzen vor; hat man letztere aber, so mähet man zum öftern das Gras ab, weil das lange Gras, wenn es auf irgend eine Art gequetscht wird, abfärbt, und die Leinwand leicht fleckigt werden könnte. Wer das Gras aber nicht mähet, pflegt längere Pflöcke <76, 478> zu haben, damit man die Leinwand über dem Grase ausspannen könne, damit die Stücke das Gras nicht unmittelbar berühren. Doch dies thun sehr wenige. Indessen ist nicht zu läugnen, daß man, wenn die Leinwand höher und zwar etwas schief, gegen die Sonne mit ihrer Fläche gerichtet, gespannt würde, wozu denn die Pflöcke der einen Seite länger seyn müssen, als die auf der andern, ungleich vortheilhafter bleichen könnte, indem diese Richtung gegen die Sonne das Begießen und wechselnde Abtrocknen ungemein erleichtern müßte. Flußwasser ist in unsern Gegenden hierzu das beste, stehendes Wasser nicht so gut, so wie auch nicht gesammeltes Regenwasser, und am schlechtesten ist das Brunnen= oder Sumpfwasser zur Bleiche.

Den Anfang macht man in diesen Gegenden mit dem Auslegen der Leinwand der Bleiche, gewöhnlich mit dem Anfange des Mayes; ist das Wetter aber gut, so fängt man etwas früher an. Die Personen, welche die Bleiche bedienen, müssen dabey mit bloßen Füßen gehen, damit mit den Schuhen keine Löcher in die Leinwand getreten werden, oder die Lohe vom Leder nicht Flecken mache, oder auch die Schuhpinnen, womit häufig der Landleute Schuhe beschlagen sind, keine Eisenflecke geben. Sind Lauflecke oder Bükflecke in die Leinwand gekommen, so ist das Frauenzimmer, welches einen Vorrath von Urin zu haben glaubt, bereit, solchen auf den Fleck zu lassen, worauf alsobald ausgerauftes Gras gestreut wird. Dieses hält man fast allgemein für das schnellste und wirksamste Mittel, solche Flecke aus der Leinewand zu bringen.

Die Frühlingsbleiche hält man für die schönste und kürzeste von allen übrigen, und der Landmann <76, 479> richtet sich damit, nicht ganz zweckwidrig, nach der Zeit der Baumblüthe.

Man fängt aber auf zweyerley Art die Bleiche an, und eine Haushaltung hält die eine Methode besser, eine andere hingegen die andere Weise. Die erste Art die Bleiche anzufangen ist diese: daß die Leinwand sogleich, ehe sie in die Luft kommt, gebüket wird, womit man alle acht Tage fortfährt, und zu welchem Ende die Leinwand alle Sonnabend nach Hause genommen, und des Montags wieder heraus gebracht wird, womit man so lange fortfährt, bis die Leinwand weiß ist. In den kleinen Städten, wo man vor den Stadtthoren Bleichplätze hat, und wo sehr oft nur Arbeitsleute das Bleichen und die Wache bey dem Leinen übernommen haben, also nicht so eingerichtet sind, daß sie die ganze Procedur besorgen können, bringen diese auf Schiebkarren des Sonnabends den Eigenthümern die Leinwand zur Büke ins Haus, und holen sie am Montage wieder ab. Wenn die Leinwand weiß ist, und der Bleicher oder die Bleichfrau bringt solche, so erhält z. B. in Kyritz in der Prignitz der Bleicher für alle seine Mühe, 2 Groschen für jedes Stück Leinwand, welches dort 12 Ellen gerechnet wird. Ist das Stück länger, so bezahlt man nach dieser Richtschnur mehr. Für Garn, es sey fein oder grob, wird für das Pfund 3 Groschen bezahlt. Bey der vielen Mühe, welche die Bleicher hier haben, scheint es nur eine geringe Bezahlung zu seyn, allein, da die Leute die Menge zu bleichen haben, so merkt man, daß sie, wenn sie nur gute Wirthe sind, sich dabey dennoch sehr wohl stehen. Von dem Büken selbst, welches bey der Bleiche nothwendig ist, findet man schon in der Encyklopädie Th. IV. Pfeil-IconS. 153 fgg. im Artikel Pfeil-IconBleichfaß etwas abgehandelt. Wer aber ein solches Bükfaß, oder wie man <76, 480> auch sagt, eine Büktine, nicht kennt, wie es der Fall in großen Städten wohl seyn kann, der sehe die PfeiliconFigur 4488, und ich merke dabey an, daß nicht alle Bükfässer Tragestäbe haben, wie diese Figur zeigt, nähmlich solche Stäbe, die oben hoch über die andern hervorragen, und durch welchen jeden oben ein so großes Loch ist, daß man mit einem Tragebaum hindurch fahren kann, auf welchen zwey Leute ein solches angefülltes Faß an einen beliebigen Ort auf den Schultern hintragen. Diese Art pflegt man sonst auch Zuber oder Zober, plattdeutsch Täwer zu nennen; und da ich jetzt nur noch von kleinen Bleichen für einzelne Hauswirthschaften handele, so bedient man sich solcher häufig, wenn man nur wenig Leinwand hat. Für mehrere Leinwand hat man größere Bükfässer, die auch bey großen Wäschen gebraucht werden. Diese sind höher in den Stäben, haben einen viel weitern Umfang, und keine Tragstäbe, weil sie mit vollem Zeuge doch nicht getragen werden können. Solche Bükfässer, wer es haben kann, braucht man nie anders, als zu solchen Dingen, die mit Lauge, Asche und dergleichen verarbeitet werden müssen, wohin vorzüglich die Wäsche und das ländliche Seifenkochen gehört, indem man beym letztern Fall die Asche und den Kalk darein bringt, um die Seifenlauge zu verfertigen. Dies geschieht aber nur im Nothfall, denn wer eine vollständige Wirthschaftsequipage hat, hält auch für das Seifekochen ein besonderes Aescherfaß. Die Asche bleibr darin, nachdem man die Lauge zur Seife davon genommen, und wenn man wieder Lauge gebraucht, so gießt man, einen, oder ein Paar Eimer voll Wasser des Abends darein, und zapft am andern Morgen die Lauge wieder ab.

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Gewöhnlich stellet man die Bükfässer auf einen großen hölzernen Dreyfuß; es ist unten in dem Boden des Fasses ein Loch, worin sich ein über die Stäbe des Fasses hervorragender Stock befindet, mittelst dessen man die Lauge, indem man ihn in die Höhe zieht, ablassen, oder zurück halten kann.

Die andere Art die Bleiche anzufangen, besteht darin, daß man nicht zuvor büket, sondern die Leinwand nur zuvor eine Nacht in Wasser einweicht, und dies nennet man hier zu Lande, aus der Schlichte bleichen. Man weicht nähmlich die Leinwand eine Nacht oder zwölf Stunden in kaltes Wasser ein, und dieses anfängliche Einweichen der rohen Leinwand ist, der oft sehr fetten Schlichte wegen, nothwendig. Nach Verlauf erwähnter Zeit zapfet man das Wasser ab, da man findet, daß es unrein und schmutzig ist. Hierauf gießet man noch einige Mahl auf solche Weise frisches Wasser darauf. Einige Hausmütter binden sich aber so genau nicht an diese Regel, denn sie weichen ihre Leinewand etwa 8 Tage vor dem Auslegen in kaltes Wasser ein, und geben ihr nur ohngefähr alle zwey Tage frisches Wasser. Ist dieses geschehen, so spannen sie (gemeiniglich) vom Montage bis zum Sonnabend die Leinwand auf der Bleiche aus, wobey das beobachtet wird, daß, so lange das Stück sich auf der Bleiche befindet, man es nach Verlauf einer halben Woche umwendet, damit die andere Seite auch von der Sonne und Luft eben so viel erhält, als die erste, und dieses Verfahren behält man die ganze Bleichzeit hindurch bey. Nun wird die Leinwand also bis zum Sonnabend fleißig begossen, und alsdann nimmt man sie zur ersten Büke nach Hause.

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Der Herr Professor Halle sagt in seiner Abhandlung von der Leinenmanufaktur S. 161. daß man bey der Leinwandbüke sogleich heißes Wasser auf die Asche, welche sich auf dem Aescherlaken befindet, gieße, und scheint voraus zu setzen, daß die Leinwand eben so, wie die Hauswäsche in das Bükfaß eingelegt werde, wie solches auch an andern Orten gebräuchlich ist, wo vorzüglich feine Leinwand gewebt wird, wovon ich weiterhin handeln werde. Dieses wollen unsere bleichverständigen Hausmütter aber nicht wagen; sie nehmen vielmehr den auseinander gewickelten Leinwandballen mit den Händen von einem Ende an, so zusammen, als wollten sie das ganze Stück die Quere hindurch in lauter Falten legen, und so stauchen sie das ganze Stück nach und nach in das Bükfaß hinein, oben darüber wieder mehrere Stücke, so viel sie haben, oder wollen, und dieses deshalb, damit die Lauge desto eher und besser in die Leinwand dringe. Darauf verfahren sie so, wie ich das Büken im Art. Pfeil-IconLeinengarnbleiche, Pfeil-IconS. 296. deutlich beschrieben habe, weil sie aus Erfahrung behaupten, daß sogleich aufgegossene heiße Lauge den Schmutz der Leinwand mehr einbrenne, als herausbringe. Vieleicht könnten sie aber besser mit warmen Wasser anfangen.

Wer es haben kann, nimmt zu dieser Bükasche gerne Büchenasche, in Ermangelung deren aber muß man andere Asche (nur keine Torf= oder Kohlenasche) nehmen, oder zukaufen. Von dieser aber gehört mehr dazu, eine ordentliche Lauge zu machen. Zwischen der zugekauften Asche ist sehr häufig Sand. Dieser läßt sich mittelst des Siebens nicht heraus bringen; aber er verursacht wenigstens zuerst die Unannehmlichkeit, <76, 483> daß er sich sogleich auf das Aescherlaken setzt, die Zwischenräume verstopft, und also den Durchgang der Lauge verhindert. Um also solches zu verhüten, schüttet man die Asche in ein großes Faß oder einen Zober, gießet Wasser darüber, rühret sie stark mit einem Besen durch, worauf sich der gegen die Asche schwere Sand bald zu Boden setzt, und darauf gießt man die reine Asche ab.

Viele Hausmütter aber nehmen gar keine Asche, sondern büken bloß mit der sogenannten schwarzen, oder grünen Seife, womit sie die Leinwand einschmieren, und dann, wie oben beschrieben worden, das Wasser darüber gießen. Feine Leinwand bedarf weniger Büken als die grobe, und man kann hier keine bestimmte Vorschrift über die Zahl des Bükens geben, weil solches jede Hausmutter selbst sehen muß, ob, und wenn ihre Leinwand weiß genug ist. Es kann daher eine feine Leinwand mit drey Büken genug haben, da hingegen die grobe vier bis fünf derselben haben muß, und wenns ein nasser trüber Frühling ist, muß man noch öfter büken.

Zu der Aschbüke in der Priegnitz, wo man nach sogenannten Reken rechnet, deren jede ein Stück von zwölf Ellen ist, rechnet man in jeder Büke auf die Reke eine Metze Asche, und auf das Pfund Garn eine halbe Metze. Beym Ausnehmen der Leinwand aus dem Bükfasse sehen die Bleicherinnen sogleich, ob die Asche gut gewesen, und ob die Leinwand gut werden wolle; denn, wenn die Asche gewirkt hat, zeigt sich die Leinwand wolkigt, indem sie alsdann gelb und grau aussieht, welches man Blumen nennet.

Eben in der Priegnitz sowohl als andern Gegenden giebt es Hausmütter, die das Büken der Leinwand zur Bleiche gänzlich verwerfen, und <76, 484> sagen; sie wollen ihre Leinwand nicht verbrennen. Daher kochen sie, wenn sie die Leinwand auf das Bükfaß gebracht haben, zuvor starke Lauge von Asche, und gießen solche kalt auf die Leinwand, welche damit stets etwa zwey Tage stehen muß. Es soll dieses eben so gut seyn, als die Büke, aber man bemerkt dabey, daß sie wohl 14 und mehrere Tage länger als andere bleichen müssen.

In einigen Gegenden, wo die Asche sehr theuer ist, und wo der gute Boden Wermuth giebt, sucht man die Asche zu ersparen, und nimmt statt deren Wermuth. Dieser wird aber nicht, wie die Asche auf das Bük= oder Aescherlaken gelegt, sondern man legt denselben schichtweise mit der Leinwand auf das Faß, nähmlich unten auf den Boden erst eine Lage Wermuth, dann kommt die darauf gestauchte Leinwand, wie ich das Stauchen oben beschrieben, dann wieder wechselsweise Wermuth und Leinwand, bis oben im Fasse, wo auch eine Lage Wermuth kommt. Ein Aescherlaken wird aber doch darüber gelegt, weil man sonst den obersten Wermuth auseinander spühlt. Man gießt hier auch zuerst kaltes, allmählig heißes, und zuletzt kochendes Wasser darauf, aber keine Lauge, und man hat sehr viele Vortheile, vor der sonstigen Büke. Wenn man aber das letzte Mahl bükt, nimmt man doch gerne statt des Wermuths Asche.

In andern Gegenden, und besonders die ganz holzarm sind, und auch keinen Wermuth haben, bedient man sich statt der Asche oder des Wermuths, des Kuhmistes, und auch dieser wird, wie der Wermuth schichtweise zwischen die Leinwand gebracht. Er thut auch seine Dienste, und hievon soll weiter unten, wo ich von den Bleichereyen im Kedingschen reden werde, gehandelt werden.

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Diese drey letzten Arten von Büken erfordern, daß die Leinwand, ehe sie auf den Bleichplatz gebracht wird, zuvor gut ausgeklopft werde; bey den vorher beschriebenen Methoden aber wird die Leinwand nur durchs Wasser gezogen. Was das durchs Wasser ziehen heiße, ist auch schon im Art. Pfeil-IconLeinengarnbleiche Pfeil-IconS. 296. beschrieben worden.

Das Bleichen selbst besteht in dem fleißigen Begießen, und da man nicht allenthalben die Gelegenheit hat, daß man mit Schaufeln das Wasser aus den in der Länge der Bleichen gezogenen Gräben über die Leinwand schütten kann, so bedienet man sich solcher Gießkannen (auch Brausen genannt,) wie die Gärtner zum begießen der Gewächse haben; und wovon man im XVIIIten Th der Encyklopädie Pfeil-IconS. 418. fgg. im Art. Pfeil-IconGießkanne nachlesen kann.

In denjenigen Gegenden aber, wo man mehr Leinwand verfertigt, und besonders mit der Bearbeitung der feinen Leinwand beschäftigt ist, hat man zwar nicht überall einerley Methode zu bleichen, allein in der Hauptsache stimmen sie doch überein, und sie nähern oder entfernen sich von der holländischen Methode, theils aus Mangel an nutzbarem Wassers, oder Mangel an Raum, oder auch theils wegen weniger Mühsamkeit. Indessen stimmen die mehresten großen Bleicher dahin überein, daß das Einweichen oder Gähren der Leinwand, die erste Arbeit seyn müsse. Man schichtet zu dem Ende die Leinwand in einen großen dazu gehörenden Bottich ganz eben und gleich auf einander,. *

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Wenn bey uns in dieser Gegend auch so feine Leinwand als die holländische, schlesische oder westphälische gemacht würde, so glaube ich, würde man hier auch die Leinwandstücken eben in den Bottich legen, und nicht hinein stauchen müssen, weil die feine Leinwand in allem Betracht nicht so stark angeg iffen werden darf, als die grobe.

schüttet als<76, 486>denn entweder bloß warmes Wasser, oder halb Aschenlauge und halb Wasser, oder am allerbesten, warmes, mit Rockenmehl vermischtes Wasser darauf, so daß alles recht wohl damit bedeckt sey: sechs bis zwölf Stunden nachher fängt dieses an zu gähren, und zu schäumen, die Leinwand schwillt auf, weßhalb sie mit einem Deckel niedergehalten werden muß. Nach 36 bis 48 Stunden sinkt der Schaum zu Boden, allein, noch ehe dies geschieht, muß man die Leinwand heraus nehmen.

Durch die Gährung sind schon viele unreine Theile, sowohl von der Lauge, als auch aus der Substanz der Leinwand selbst, in einem Schleim verwandelt worden, der die Zwischenräumchen anfüllt, und daher heraus gebracht werden muß. Dies geschieht durchs Ausklopfen und Stampfen; bey großen Werken aber auf einer Walkmühle, wo immer frisches Wasser zufließt. Durch die Stöße der Stampfen wird nun alles ausgepreßt, und das Wasser spühlt die Unreinigkeiten mit sich fort. Jetzt ist die Leinwand geschickt zum Büken, da die Laugensalze nun durch die geöffneten Zwischenräumchen hindurch dringen können.

Aus der Walkmühle, oder nach dem Ausklopfen, wird die Leinwand auf die Bleiche gebracht, wo sie trocknet; ist dieses geschehen, so erfolgt die Büke. Zu dem Ende macht man eine Lauge aus Weinsteinasche oder Pottasche, (letztere wollen einige aber nicht gerne nehmen,) und Sodesalz; man nimmt von beyden gleich viel, und löset es in kochendem Wasser auf. Wenn sich alles gesetzt hat, so ist die oben stehende klare Lauge gut. Zu gleicher Zeit kocht man eine hinlängliche Menge Wasser in einem andern Kessel, löset schwarze, oder Schmierfeife darin auf, und setzt ohngefähr so viel von diesem Seifenbade zu der Lauge, als der zwanzigste <76, 487> Theil der Lauge beträgt. Dies wird durch ein Paar Aufwallungen zusammen gekocht.

Die Leinwand wird nun eben und schichtweise wieder auf das Bükfaß gebracht, und immer handwarme Lauge dazu geschüttet, während daß ein Arbeiter mit reinen Holzschuhen an den Füßen in dem Bottich steht, und alles fest auf einander tritt. Hat die Leinwand hier einige Zeit geweicht, so läßt man die Lauge durch den Zapfen ab, wärmt sie, schüttet sie wieder auf, und fähret damit sechs bis sieben Stunden fort; alsdann läßt man alles drey bis vier Stunden ruhig stehen und weichen; darauf läßt man die Lauge wieder ab, welche aufgehoben, und hernach zur ersten Gährung anderer Leinwand wieder gebraucht werden kann.

Durch diese beyden Arbeiten, die Gährung und das Büken wird die Leinwand bequem zur Bleiche; daher bringt man sie nach vollbrachter Büke des Morgens früh auf die Wiese. Wenn nun die Sonne scheint, so muß man sie sechs Stunden lang unaufhörlich begießen, damit das Wasser bis ins Innerste der Zwischenräumchen eindringen, und sich mit dem alkalischen und aufgelöseten Schmutztheilchen vermischen könne. Alsdann läßt man Sonne und Luft wirken; die Wassertheilchen verdünsten, und führen die Schmutztheilchen allmählich mit sich fort. So oft die Leinwand anfängt trocken zu werden, begießt man, Abends nach sieben Uhr aber nicht mehr, es sey denn, daß die Nacht sehr heiß und trocken wäre. Wenn es regnet, so begießt man auch nicht.

Den folgenden Morgen begießt man noch ein Paar Mahl, und bringt nun die Leinwand wieder in die Büke; so fährt man wechselsweise fort, indem man den einen Tag bükt, und den <76, 488> andern bleicht, bis die Leinwand weiß ist. Wenn es viel regnet, so geht dies Geschäfte langsamer von Statten, als wenn die Sonne scheint, oft wird es im ersten Falle nicht einmahl ordentlich weiß. Bey gewöhnlicher Witterung kann man in 4 bis 5 Wochen fertig werden, so daß die Leinwand 14 bis 16 Mahl in der Büke und auf der Bleiche gewesen ist. Die erste Hälfte der Zeit macht man bey dem Büken die Lauge immer etwas stärker, und die andere Hälfte allmählig wieder schwächer am Salzen.

Auf den gewöhnlichen Bleichen beschließt man die Arbeit mit Waschen, Ausringen in reinem Wasser, oder in Seifenlauge, und läßt sie alsdann auf der Bleiche trocknen, -- oder man thut auch wohl gar nichts mehr. Da aber viele feste Laugensalztheilchen durch die Wirkung der Sonne und Luft, nicht flüchtig geworden, sondern in den Zwischenräumchen der Leinwand zurück geblieben sind, und noch immer einige Schmutztheilchen enthalten; besonders auch, weil sie der Festigkeit der Leinwand schaden können, so müssen sie noch durch eine anderweitige Verrichtung heraus gebracht werden, um der Leinwand die schönste Weiße zu geben.

Solche Zurichtungen scheinen die Holländer am besten zu verstehen, und wenn ich gleich von der holländischen Garnbleiche gehandelt habe, so muß hier auch von der Leinwandbleiche gehandelt werden, weil diese in Hinsicht der Einrichtung und Behandlung von jener abweicht. Die rohe Leinwand wird in Holland, weil vom Weben noch viele Fettigkeit in derselben sitzt, die erst zum Theil heraus muß, ehe die starke Lauge ihre Wirkung thun kann, in großen 6 Fuß hohen Botti<76, 489>chen, zu 180 Stücken, eingelegt, und mit einer heißen, nicht kochenden Lauge von 4 Theilen Waidasche und einem Theil Pottasche getaucht; das heißt: sie muß unter dieser Infusion, zugedeckt, und mit Gewichten beschwert, eine Zeitlang stehen bleiben. Diese Lauge wird dazu in einem großen kupfernen Kessel heiß gemacht, ist nicht sehr stark, und läßt sich etwas fett anfühlen. Das im Kessel zurückbleibende wird ebenfalls, wie ichs im Art. Pfeil-IconLeinengarnbleiche beschrieben, noch drey Mahl abgelassen, und die Kraft herausgezogen.

Die Lauge welche aus dem großen Bottich abgezapft wird, und schon ein Mahl gedient hat, wird in einem besondern Gefäße aufgehoben, und unter andere Infusionen wieder mit gemischt, weil bey jeder frischen Lauge wieder ein Theil der alten hinzu gethan werden muß, der den Angriff der Salze auf die in der Leinwand aufzulösenden Theile befördert. Die Leinwand kommt aus dieser Lauge, oder Büke aufs Feld, wird platt auf die Bleiche niedergelegt, und mit Pfählen, die ohngefähr zwey bis drey Fuß auseinander gesteckt werden, befestigt. Ausgespannt wird sie gar nicht, denn der Holländer sagt: was er beym Ausdehnen an der Breite gewönne, verlöre er an der Länge, und an der Dauerhaftigkeit des Guts.

Wenn das Wetter gut ist, bleibt die Leinwand nach dieser Büke zwey Tage auf dem Felde. Das Anpfählen geschieht nur bey der ersten Auslage; in den folgenden wird es bloß niedergelegt, wobey jedoch beobachtet wird, daß da, wo der Wind herkommt, die Selfkanten (Vorstöße) über einander gelegt werden, damit er nicht untergreifen, und die Leinwand in die Höhe heben könne.

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Wenn die Leinwand sechs Mahl auf diese Weise gelaugt, oder gebükt worden, übergiebt man sie den Molken, um alle Schmutz= und Laugensalztheilchen völlig heraus zu bringen. Diese Verfahrungsart können wir im Allgemeinen aber auch selbst auf unsern größten Landgütern nicht nachahmen, weil, wenn man eine große Bleiche anlegte, entweder die Milch mangeln, oder, nähme man sie dazu, man an der Holländerey verlieren würde, und, hätten wir das holländische Dünenwasser, oder ein anderes ganz leichtes Springwasser nicht, wir doch nicht so weit als die Holländer, mit der Weiße der Leinwand, kommen würden. Wäre aber auch alles bey uns dazu geschickt, so müßten unsere Gutsbesitzer, die solches anfangen wollten, ihre ganze Wirthschaft umwerfen, mit den Holländereyen und dem Ackerbaue ganz andere Einrichtungen treffen, und dann müsten sie auch ganz holländisch denken, welches der Fall wohl nicht seyn kann. Indessen kann man bey einzelnen Stücken Leinwand zum Hausgebrauche, immer sich mit Vortheil der holländischen Methode bedienen. Man legt daher nach der letzten Büke die Leinwand in die Molken, so wie man es mit dem Garne macht, und so wie es im Art. Pfeil-IconLeinengarnbleiche beschrieben worden.

Man verfährt aber vielleicht nicht in allen holländischen Bleichen auf einerley Art; denn einige Bleicher nehmen nicht die Molken allein, sondern sie schütten Buttermilch, oder saure Milch in einen Bottich, so viel genug ist, die erste Lage Leinwand einzuweichen, und treten alsdann die Leinwand mit bloßen Füßen, bis die Milch recht durchgedrungen ist. Alsdann bringen sie neue saure Milch dazu, so viel die zweite Lage Zeug erfordert, schichten alsdenn wieder Leinwand darauf, und fahren mit dem Eintreten fort. So wird wechselsweise unter be<76, 491>ständigem Treten der Bottich mit Milch und Leinwand angefüllet, wobey man der Milch ohngefähr ein Drittel Wasser beymischen kann. Hierauf beschweret man die Leinwand mit einem saubern Deckel, der durchlöchert ist, damit sie unter dieser Brühe erhalten werde.

Nach einigen Stunden entsteht hiedurch eine Gährung, oder vielmehr Aufbrausung, denn die Milchsäure verbindet sich mit den alkalischen Theilchen zum mittelsalzigen Wesen. Dadurch werden abermahl die Zwischenräumchen ausgedehnt, und der Säure wird der Zutritt zu den innersten Salztheilchen erleichtert. Diese Gährung dauert unter beständigem Schäumen fünf bis sechs Tage. Die Milch ist zu diesem Zwecke besonders geschickt, denn ihre Säure bindet das Alkali, ihre fetten Theilchen können mit denselben ein seifichtes, reinigendes Wesen werden, und die käsichten Theile befördern durch ihre faulichte Gährung die gänzliche Auflösung aller Schmütztheilchen, und bessere Ausdehnung der kleinen Zwischenräumchen. Um nun nach Verlauf dieser Gährung auch die Mich wieder herauszubringen, spühlt man die Leinwand erst ab, und walkt sie hernach wieder in fließendem Wasser.

Zuletzt pflegt man die Leinwand noch in Seife zu waschen, auf die Bleiche zu legen, einige Mahl zu begießen, alsdann zu trocknen, und durch gebläuete Stärke zu ziehen. Wenn aber einige Bleicher, um das Bleichen zu beschleunigen, den alkalischen Salzen, Kalk zusetzen, welches häufig in der Bergischen Bleichart geschieht, um die Arbeit zu befördern, und die Leinwand schneller, und schön weiß zu machen, so ist dieses wider die Gesetze mancher Provinzen, welches im Art. Pfeil-IconLein auch schon angeführt worden, wo ich von der schlesischen <76, 492> Leinwandbleiche handelte, und es wird die Leinwand dadurch faul und zerbrechlich.

Hat die Leinwand nun ihre gehörige Zeit in der Gährung von der Milch gelegen, so wird sie heraus genommen, in langen, von Holz abgeschlagenen Behältern ausgewaschen, und zum Ablaufen des übrigen Wassers, auf lange Lattenbänke geworfen, von denen sie unter die Hände der Wäscherinnen kommt. Deren sind nach Eversmann in den holländischen Leinwandbleichen, die er gesehen hat, 40, die unter dem Commando ihrer Frau, der Ehegenossin des Bleichherrn, ihr Wesen treiben, diese sitzt nach der Beschreibung auf einem erhabenen Katheder, mit einer Sanduhr versehen, an einem Orte, wo sie alle Wäscherinnen am besten übersehen, in einem langen, ein Stockwerk hohen Hause, durch welches mitten hin eine Bank geht, auf der für jede Wäscherinn ein Waschzober, oder Waschtubben, steht. Eigentlich sind es nur 20 Wäscherinnen, deren jede eine ihr gegenüber stehende Assistentin hat, welche letztere nicht als Wäscherinn gerechnet wird; indessen ist doch die Zahl der Personen vorhanden.

Das Haus ist durch eine lange Reihe von Fenstern erleuchtet, und hinter jeder Wäscherinn befindet sich ein Buchstab, zur Anciennität, wornach sie rangiren. Alle Morgen werden die 180 Stück, die am Tage gewaschen werden müssen, auf einen Haufen geworfen, und darüber geloset, weil sonst jede nach dem Feinsten greifen würde.

Die erste Arbeit ist, daß das Stück auf der Selfkante, nachdem es vierdoppelt zusammen gelegt ist, mit Seife bestrichen, und gegen einander gerieben wird; dadurch werden die beyden äußern Streifen zuerst gewaschen, und die mittlere bleibt <76, 493> zuletzt. Die Leinwand muß aber wenigstens 14 Tage erst gebleicht seyn, ehe sie gewaschen wird. Auch hier bleicht bey guten Umständen ein Stück Leinwand vier bis fünf Wochen. Gewöhnlich müssen die Leinwandbleicher mit dem Ende des August aufhören, weil sie später keine Leinwand gut machen, und versenden können.

Zu einer solchen Leinwandbleiche, wie es bey Harlem giebt, werden 16 bis 28 Knechte, und 30 bis 45 Mädchen erfordert. Eine Garnbleiche hingegen braucht etwa 25 bis 30 Knechte, und nur drey oder vier Mädchen. Gewöhnlich haben die holländischen Bleicher in einer gewissen Gegend eine Convention geschlossen, vermöge welcher sie alle für einen Preis bleichen.

Der Herr Fabriken=Commissarius Evers= mann hat sich viele Mühe gegeben, die holländischen Bleichanstalten näher kennen zu lernen, allein, es ist ihm nicht immer nach Wunsch geglückt. Er sagt daher in seinen technologischen Anmerkungen auf einer Reise durch Holland etc. S. 122 fgg. „Den Tag darauf, als ich die Bleichen in Bloemendael gesehen hatte, machte ich mich ganz frühe auf, und gieng nach Ober=Veen, in der Absicht, noch eins und das andere von Bleichereyen zu entdecken; allein hier merkte ich erst, wie wenig ein Reisender in Holland, durch das bloße Prädicat: wißbegieriger Reisender, ohne weitere Empfehlung ausrichten kann. Ich gieng zu einem Bleicher, Hr. Malefyt, der mich zwar ganz artig empfieng, allein in Absicht der Hauptsache äußerst geheimnißvoll war; kaum daß er mir erlaubte in das Bleichhaus zu gehen. Die Bleiche war eben so eingerichtet, wie die, so ich gestern sah, nur daß die Gräben breiter waren; ich sah das Wasser sehr <76, 494> stark wie Ouellen aus dem Sande, der wie ein Spiegel klar unten lag, hervordringen.”

„Der Leinwandbleicher muß so gut, wie der Garnbleicher seine Waare kennen, und zu beurtheilen wissen, ob sie wenig oder viel Molken vertragen kann; denn kommt sie zu oft in die Milch, so wird sie zu stark angegriffen, fängt an zu faulen, und der Faden wird mürbe. Gemeiniglich kommt die Leinwand zwey bis drey Mahl hinein.”

Die Bleichplätze selbst sind so wie ich sie im Art. Pfeil-IconLeinengarnbleiche schon beschrieben habe.

Das Zusammenlegen der Leinwand, und das Präpariren derselben nach der Bleiche bey Haarlem, geschieht in der Stadt selbst. Es wird zu dem Ende die Leinwand über einer langen Tafel, an deren Enden zwey Weibspersonen stehen, in die Länge ausgereckt, indem die eine das Laken zwischen zwey Hölzer legt, sie auf einander paßt, und damit anstrammt. An einem andern Tische recken zwey andere Frauenspersonen die Leinwand mit bloßen Händen in die Breite; an einem dritten wird sie ellenlang zusammengefaltet, und darauf geglättet. Dazu stehen um einen viereckigen, mit einer glatten, dicken, schwarzen marmornen Tafel belegten gemauerten Tisch, vier Arbeiter, die auf jede Fläche der zusammengelegten Leinwand, mit hölzernen Schlägeln so lange schlagen, bis ein Glanz entsteht, und dieses ist die Appretur der berühmten Haarlemer Leinwand.

Hierauf kommt sie unter die Presse, und wird in der viereckigen Form von derselben Breite der Leinwand, und einer Elle lang in gewöhnlichen Pressen zwischen Preßspänen gepresset, ohne warm gemacht zu werden. Aus der Presse kommt sie unter die Hände eines Frauenzimmers, welches die <76, 495> Leinwand zusammen legt; hierauf preßt man sie abermahls zwischen zwey hölzernen Brettern; das Frauenzimmer erhält sie wieder und legt sie nochmahls zusammen, und auch hierauf erfolgt eine Presse. Da man nun zuletzt mit den Händen so viel Kraft nicht mehr besitzt dem Stücke Leinwand die letzte Form zu geben, so wird dieses Stück mittelst einer Maschine einwärts so zusammen gebogen, wodurch die cylindrische Gestalt der holländischen Leinwandstücke entsteht, in welcher wir sie erhalten.

Da ich beym Leinengarnbleichen die Verfahrungsart im Bergischen zugleich mit gezeigt habe, so glaube ich, es wird einem Theil meiner Leser nicht unangenehm seyn, wenn ich hier kürzlich auch die Bergische Methode beym Leinwandbleichen zur Gegeneinanderhaltung mit der Haarlemer, anführe.

Die zu bükende Leinwand wird dort in einem Einweichzober 24 Stunden lang in kaltes Wasser eingeweicht, und solches in dieser Zeit zwey bis drey Mahl frisch wieder aufgegossen, um den Schmutz und die Schlichte heraus zu bringen, die während des Spulens und Webens sich hinein gesetzt hat; darauf walket man die Leinwand und trocknet sie zur Büke. Das Büken geschieht auf folgende Art: Man nimmt, um die dazu erforderliche Lauge zuzubereiten, einen großen Zober, spannt darüber ein Laken, oder sogenanntes Aeschertuch dergestalt, daß zu 100 Stück Leinwand, jedes von 50 Ellen, 6 Berliner Scheffel gute Büchenasche, und 16 Pfund lebendiger Kalk Platz darin haben, worauf denn so viel Wasser gegossen wird, als zu der zu bükenden Quantität Leinwand erforderlich ist.

<76, 496>

Das Uebergießen und Durchseihen muß zwey Mahl wiederhohlt werden, um die aufzulösenden Theile genugsam auszuziehen. Noch besser bereiten einige die Lauge also: Wenn man die Asche über dem Aschtuche, wie gesagt, ablaugt, den Kalk besonders ablöscht, und das Wasser über demselben stehen läßt; wenn er sich zu Boden gesetzt hat, ihn wieder aufrühret, und, wenn er dann zum andern Mahle gesunken, das klare Kalkwasser abgießt, und zur Aschenlauge hinüber schüttet. Ob diese Lauge stark genug sey, erkennt man daran, wenn man etwas Baumöl ihr zumischt, und daß sie dadurch milchicht weiß wird; alsdann ist die Lauge stark genug: wo nicht, so gießt man sie noch einmahl über die Asche und den Kalk; und ist sie alsdann noch nicht stark genug, so muß noch etwa ein halber Scheffel Asche hinzu gesetzt werden.

Da der einmahl abgelöschte Kalk noch viele Theile enthält, die unaufgelöset geblieben sind, so darf er nicht weggegossen werden, sondern ist zur folgenden Lauge noch tauglich, so lange sich noch ein schwimmendes Häutchen oben auf der Auflösung zeigt.

Mit dieser fertigen klaren Lauge bükt man nun den folgenden Tag, anfänglich nur so heiß, daß man eine Hand darin halten kann; hernach immer einen Kessel mit Lauge um den andern, heißer, bis die Lauge ihre Salze verloren, und die Leinwand solche an sich gezogen hat. Die Lauge darf nicht lange vorher, ehe die Leinwand aus der Büke genommen worden ist, abgelassen werden, um das Zeug nicht in trockner Hitze liegen zu lassen, welches sehr nachtheilige Folgen hat. Am besten ist es, wenn man die Leinwand nach der ersten Büke mit der Lauge eine Handbreit hoch <76, 497> überdeckt, bis des andern Tages stehen läßt, und alsdann solche heraus nimmt, walkt, und an der Bleiche niederlegt, bis sie sich einseitig gemacht hat. Alsdann nimmt man sie auf, und bükt sie zum zweyten Mahl mit einer Lauge von 9 Scheffel Asche, zu der kein Kalk genommen wird. Zum dritten Büken nimmt man wieder 6 Scheffel Asche, und verstärkt solche mit 8 Pfund lebendigem Kalk; zur vierten Büke wird wieder Lauge von bloßer Asche gemacht; zur fünften aber wird die Lauge mit acht Pfund schwarzer Seife statt des Kalkes vermischt. Die sechste Büke geschieht wieder mit bloßer Lauge von Asche, und bey nicht gar zu schwarzer Leinwand sind sechs Büken hinreichend, wozu niemahls mehr als 6 Wochen erfordert werden. Sollte aber sieben Mahl gebükt werden müssen, so ist es gut, wenn die siebente Lauge wieder mit schwarzer Seife verstärkt wird. Kalklaugen sind zuletzt nicht mehr nöthig. Hanfene, graue und schwarzgraue flächsene Leinwand erfordert wohl acht bis zehn Bükwäschen, dagegen ganz feine Waare mit fünfen in eben so viel Wochen fertig ist.

Auf die berühmten holländischen Bleichen will ich jetzt eine kürzlich berühmt gewordene Bleichart folgen lassen, die in allen Gegenden und an allen Orten Statt finden kann: Es ist das Bleichen der Leinwand vermittelst dephlogistisirter Salzsäure.

Das Wesentliche im Verfahren hierbey besteht in Folgendem: Man nimmt 12 Loth gepülverten krystallisirten Braunstein, ein Pfund gepülvertes Küchensalz, und 24 Loth Vitriolöl, welches mit eben so viel Wasser verdünnet wird. Mit dieser Mischung wird ein Kolben auf 2/3tel seines Gehalts gefüllt, und dieser durch eine Röhre mit einem Gefäß verbunden, aus welchem eine andere Röhre <76, 498> die aus dem Kolben aufsteigende, mit Lebensluft verbundene Küchensalzsäure, in Form einer Luft in einen gewissen Behälter mit Wasser führt. Damit sich aber diese Luft leichter mit dem Wasser verbinde, ist in der großen Wanne ein Querl angebracht, welcher das Wasser in Bewegung zu setzen dient. Im Anfange liefert nun jene Mischung, ohne angebrachte Wärme, diese luftförmige Küchensalzsäure; fängt sie aber an, schwach überzutreten, so befördert man den Uebergang durch gelinde Wärme, welche man bis zum Sieden verstärkt. Das mit dieser Säure nun getränkte Wasser dient alsdann zum Bleichen.

Um aber das Zeug hiezu besser vorzubereiten, weicht man es in Lauge ein, und bükt oder kocht es in solcher, worauf es, statt in die Luft, in jenes Wasser, und zwar so oft mit Abwechselung des Gebrauches der Lauge getaucht wird, bis das Zeug die gehörige Weiße erlangt hat. Außer den gewöhnlichen flächsenen, hänfenen und baumwollenen Zeugen, können auch gefärbte ihrer Farben beraubt werden, wenn man, wie bey schwarzen Zeugen, verdünnende Vitriolsäure zu Hülfe nimmt. Die Anwendung dieses Verfahrens bey großen Bleichereyen wie in England und Frankreich bürgen schon für ihren wahren Nutzen, und ihren Vorzug vor den gewöhnlichen Bleichereyen. Auch hier in Berlin macht man schon recht gute Versuche damit.

Damit man aber die Vortheile dieser Behandlungsart desto eher einsehe, so wird nöthig seyn, daß man diese Art zu bleichen mit der gewöhnlichen vergleiche, und deren Vorzüge betrachte:

1) Man erspart bey dieser neuen Bleicherey die sehr beträchtlichen Bleichplätze.

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2) Es ist bey dem gemeinen, so vielfältig und schädlich erkünsteltem Verfahren, das zu bleichende Zeug mancherley Mißhandlungen ausgesetzt, es fault nicht selten während der Bleiche, oder es wird mit Kalk so eingetränkt, daß es entweder mürbe wird, oder seine weiße Farbe hernach verlieret, und gelb wird.

Die gemeine Bleiche hängt von der Witterung, und besonders dem Sonnenschein so wesentlich ab, daß keine gewisse Zeit in ihrer Beendigung zu bestimmen ist. Im Jahr 1793 konnten bey Herrn Hausmann in Colmar ganze Tafelzeuge in einigen Stunden gebleicht werden; und diese Behandlung hängt gar nicht von der Witterung ab, da das Trocknen im Zimmer geschehen kann. Wir sind in Berlin schon eben so weit gekommen, indem Herr Johann Christian Fischer, und Herr Christian Gottlieb Arlt eine solche chemische Kunstbleiche schon hieselbst errichtet, und sie mit Ruhm vollführet haben. Die kränklichen Umstände des Herrn Fischer aber erlaubten es nicht, daß er sich länger diesem Geschäfte unterzog, und so übernahm Herr Arlt seit dem 1ten Januar dieses Jahres diese Kunstbleiche allein. *

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Man sehe die Berliner Zeitungen, 1stes Stück, vom 1sten Januar 1799, im Verlage der Vossischen Buchhandlung.

Diese Bleiche ist empfehlenswerth und auch sicher.

4) Es sind die gemeinen Bleichen nur für ungefärbte Zeuge anwendbar, da die Bleicherey mit dephlogistisirter Salzsäure sich auch auf gefärbte Zeuge erstreckt, welche dadurch zur Annahme einer neuen Farbe geschickt werden. Der Einwurf, daß die Küchensalzsäure die Zeuge durchfressen möchte, findet hier nicht Statt, da die Säure in diesem <76, 500> Zustande vorzüglich auf die färbenden Theile wirkt, auch die Zeuge nur sehr kurze Zeit in der Säure gelassen, und folglich in der Lauge abgewaschen werden. Beschwerlich ist der Umstand, daß die Zeuge zuweilen (nähmlich die gefärbten,) eine etwas ins Gelbliche fallende Farbe erhalten, welches aber wahrscheinlich von zufälligen Bestandtheilen der Küchensalzsäure herrühret. Man muß also in dieser Hinsicht mit der dem Zeuge wieder zu gebenden Farbe, sich darnach etwas richten. Indessen ist es doch allemahl ein großer Vortheil, wenn ich eine verblaßte Farbe, aus einem Zeuge bringen, und demselben eine andere beliebige wieder geben kann.

Ein gewisser Herr Bertholet versuchte übrigens auch Wachs mit jenem salzsauren Wasser zu bleichen. Ohnerachtet er es dadurch sehr entfärbte, wobey öftere Zerlassungen desselben nöthig waren, so behielt es doch eine gelbliche Farbe. Viel kräftiger soll hingegen die luftförmige dephlogistisirte auf das Wachs wirken, und nach Herrn Landriani dies das Verfahren seyn, dessen sich der Herr von Born bey der Anlage der neuen Wachsbleiche bedient hat, welche ebenfalls jene Vortheile der Ersparung des Bleichplatzes, der Tücher, nebst andern Vorzügen vor der genannten Art besitzt. Man sehe hiervon übrigens den künftigen Artikel Pfeil-IconWachsbleiche.

Von der schlesischen Leinwandbleiche ist schon im Art. Pfeil-IconLein vorgekommen; ich will daher nur noch einiger anderer Methoden gedenken; denn es sind sowol die Bleicher, als auch die Schriftsteller sich darin nicht einig, indem einige etwas für schädlich halten, welches andere wieder als vortheilhaft ansehen. Es folgt daher aus dem Bremischen Magazin, 1 B. S. 571 fgg. eine An<76, 501>weisung Leinengarn und Leinwand zu bleichen, welche die gangbarste Methode im Herzogthum Bremen zu seyn scheint.

Die bequemsten Sachen zum Bleichen sind Holzaschen, die aus Moskau und Deutschland kommen, und noch eine andere Art Asche, die man von Danzig erhält, und Cassupische genennet wird. Inzwischen sind die gemeinen Aschen, welche in diesem Königreiche von Holz und Kraut gebrannt werden, hinlänglich dazu; wenn nur die Leinewand nicht gar zu fein ist.

Es ist nothwendig, damit das Bleichen wohl von Statten gehe, daß man ein gutes Bleichhaus und Bleichplatz habe, auch mit dem rechten Zubehör und Geräthe wohl versehen sey. Der Bleichplatz muß beides im Winter und Sommer keinen Mangel an weichem Wasser haben. Im Bleichhause muß ein Vorrath seyn von guten Pfannen und Kesseln, guten Kübeln, Zobern oder Wannen verschiedener Art zum Beuchen, auch Gestellen und Tonnen, deren einige zu Aufbewahrung der unterschiedlichen Laugen, andere zur Milch, und die Leinewand darin einzumilchen, dienen.

Beym Garnbleichen muß man zuförderst jedes Bund öfnen, und in den Beuchkübel legen. Hiernächst gießt man kaltes Wasser darauf, bis es damit bedecket wird, läßt es ungefähr neun Stunden lang weichen; nach welcher Zeit das Wasser, vermittelst eines unten am Kübel befindlichen Hahnen abgezapfet, und frisches darauf gegossen wird. Mit dieser Art das Garn einzuweichen, und es von seinem Schmutze zu säubern, fähret man so lange fort, bis man merke, daß das abgezapfte Wasser gar nicht mehr unrein ist. Alsdann nimmt man das Garn aus dem Kübel, spühlet es in klarem Wasser, windet es trocken aus, und legt es auf dem Bleichplatze in die Sonne; doch muß man sich wohl in acht nehmen, dasselbe niemals zu schlagen oder auszuklopfen. Wenn das Garn vollkommen trocken geworden, muß man eine zum Beuchen taugliche Lauge zubereiten. Die erste Beuche, so dem Garn gegeben wird, muß mit der stren sten Lauge geschehen. In diese tunket man zur Zeit drei oder vier Bund des ganz trockenen Garns ein, und leget sie in den Beuchkübel, so <76, 502> ordentlich und eben, als es möglich ist, doch ohne daß man sie zu sehr eindrücke, damit die Lauge jeden Faden desto besser durchdringen möge. Wenn alles Garn auf diese Weise in dem Kübel ist, thut man die übergebliebene Lauge, worin dasselbe eingeweichet worden, in eine Pfanne, giebt ein schwaches Feuer darunter, und trägt Sorge, daß dieselbe in den ersten fünf Stunden nicht heißer werde, als daß man die Hand darin leiden kann. Während dieser Zeit nimmt man öfters etwas von dieser Lauge, und gießet sie über das im Kübel befindliche Garn. Nachher vermehret man das Feuer nach und nach, aber so unvermerkt, daß die Lauge wenigstens innerhalb vier Stunden nicht koche; unter der Zeit man fortfähret von dieser Lauge, jedoch nur wenig auf einmahl, aus dem Kessel auf das Garn zu gießen. Fängt die Lauge an zu kochen, so muß sie drei Stunden lang im Kochen gehalten werden, und davon beständig ausgeschöpfet und zu dem Garne im Beuchkübel gethan werden. Ist die Lauge streng und gut, und der Flachs wohl bereitet gewesen, so wird das Garn eine gelbe Farbe bekommen. Sollte dieses aber gar nicht, oder auch zum Theil nicht geschehen, muß man die Beuche so lange wiederholen, bis das Garn die gelbe Farbe bekommt.

Ist das Garn also genugsam gebeuchet, nimmt man dasselbe aus dem Kübel, spühlet es im kalten Wasser, und windet es wohl aus, wobey man nur drey oder vier Bunde zu gleicher Zeit nimmt; auch sich hütet, es nicht auszuklopfen. Hierauf wird es auf dem Bleichplatze ausgebreitet, woselbst man es drei oder vier Tage an der Luft liegen lässet; alsdann wendet man dasselbe um, und lässet es liegen wie zuvor, bis die Seite, die zuerst unten gelegen, eben so gut von Farbe geworden, als die andere. So lange das Garn auf dem Bleichplatze lieget, muß es oftmals begossen werden, durch welche Vorsorge solches desto eher bleichen wird. Dieses Bleichen geschiehet nicht deswegen, damit das Garn ganz weiß werde, sondern hauptsächlich, daß der Schmutz, den es gewöhnlich hat, heraus gebracht, und die Leinewand desto dicker und fester werde, auch geschwinder eine gute Farbe, wenn es recht gebleichet werden soll, bekommen möge. Billig sollten also alle Arten von Garn, bevor man sie webet gebleicht werden, ausgenommen diejenigen. wovon man Kammer= oder Nesseltuch machen will.

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Das Bleichen der Leinwand betreffend, so muß man es damit eben wie mit dem Garne anfangen, indem man solche neun Stunden in kaltes Wasser einweichet, darauf, wie vorhin bei dem Garn gezeiget worden, das Wasser so lange verändert, bis es gänzlich klar wird, sie nachher spühlet, auswindet und zum Bleichen ausleget, auch öfters begießet, damit sie nie zu trocken werde. Wenn sie solchergestalt drey oder vier Tage auf dem Grase gelegen, und man sie trocken werden lassen, fasset man jedes Stück besonders bey seinen Ränden an, und ziehet es, da man es beständig so eben als möglich fasset, zu sich, bis man das vordere Ende desselben erreichet. Man bindet alsdann mit den Zipfeln desselben die Leinwand in der Mitte der Falten stark zusammen, und leget sie, mit den beiden Ränden aufwärts gekehret, in den Beuchkübel. Solchergestalt leget man so viele Leinewand ein, bis der Boden des Kübels bedecket ist. Man hüte sich aber sie zu feste zusammen zu packen, damit die Lauge überall in gleicher Maße durchdringen könne. Noch eine Sorgfalt ist dabey nothwendig, daß man nähmlich die Leinwand niemals anders, als wenn sie gänzlich trocken geworden, beuche. Ist die erste Lage Leinwand in den Kübel geleget, so gießt man darauf so viele Lauge milchwarm, als hinlänglich ist sie überall zu benetzen. Alsdann macht man eine neue Lage, und macht es wie zuvor; fährt auch auf diese Art fort bis der Kübel voll ist. Wenn dieses geschehen, fängt man die Beuche an, und fährt damit zwölf Stunden lang fort, wobei man sich in Ansehung des Feuers eben so wie oben beym Garn gezeiget worden, verhält. Die zwey ersten Beuchen müssen mit sehr strenger Lauge geschehen, nachher aber, und wie die Leinwand immer weißer wird, darf man sich nur einer schwachen bedienen, indem man Gefahr läuft, daß sie in einer gar zu starken verderbe. Nach jeder Beuche wird sie gleich auf den Bleichplatz gebracht, woselbst sie acht und vierzig Stunden liegen bleibt. Dieses muß man ohngefähr zehn Mahl, nach Beschaffenheit der Leinwand, wiederholen, ehe man anfängt, sie mit Milch zu behandeln. Nach den beyden ersten Beuchen macht man die Lauge nach und nach schwächer, und vergißt nicht die Leinwand auf dem Grase zu begießen, so daß sie während dieses <76, 504> Bleichens nie zu trocken werde. Es ist aber unmöglich, hierin eine gewisse Regel vorzuschreiben, oder die Anzahl der Beuchen genau zu bestimmen, als welche von der Verschiedenheit der zu bleichenden Leinewand abhängt; darin sich denn hierin der Bleicher auf sein Urtheil und Erfahrung verlassen muß. Feine dünne Leinewand bleichet viel früher, als feste und steife; aber beyde Arten müssen, ehe sie in die Milch kommen, ganz trocken seyn.

Das Behandeln der Leinewand mit Milch ist zwar eine sehr späte Erfindung; allein die Erfahrung hat gelehret, daß es viel beitrage, der Leinewand eine gute Farbe zu geben Es ist oben schon erinnert worden, daß man große Wannen und Tonnen zur Aufbewahrung der Milch in Bereitschaft halten müsse. Diese Wannen, deren jede das Maaß einer Tonne und darüber halten soll, müssen mit Buttermilch, saurer Milch, Molken und dergleichen gefüllet werden, welche darin durch einander gemenget, gähren, bis man Gelegenheit bekommt, sie zu gebrauchen. Es trägt sich selten zu, daß die Milch gar zu sauer werde, sollte es aber dennoch zu Zeiten seyn, kann man deren Säure mit Zugießung kalten Wassers dämpfen. Ist die Leinewand nun trocken und und zum Einweichen bereit, so setzet man eine weite Wanne halb in die Erde, und gießt eine gehörige Menge Milch hinein. In diese thut man die Leinewand, und wenn solche wohl durchgeweichet ist, drücket man sie mit schweren Brettern oder Gewichte nieder, damit nicht die Gährung, die in der Milch bald nach dem Einlegen der Leinwand entstehen wird, dieselbe in die Höhe treibe. Man muß ja nicht zu leichtes Gewicht nehmen, indem die Gewalt, welche die Gährung hervorbringet, kaum zu begreifen ist. Auch muß man Sorge tragen, daß die Bretter weder von neuen Eichen= noch Büchenholze seyn, welches gar viele Flecken in die Leinewand, eben als wenn alle Arten der Steine an dieselbe, entweder im Kübel oder auf dem Felde geleget wären, bringen würde. Die Leinewand muß auf diese Weise wenigstens acht und vierzig Stunden in der Milch bleiben. Einige lassen sie darin drey Tage und drey Nächte, und finden, daß ihre Leinewand dadurch desto besser wird. Nachher wird sie aus der Milch genommen und wohl begossen, damit diese darin nicht <76, 505> betrockene. Wenn die Milch durch das Begießen gänzlich heraus gebracht ist, spühlet man die Leinwand, und wäschet sie gut mit Seifenschaum. Das nächste, was man nun vornimmt, ist, daß die Leinwand, so wie sie aus dem Seifenschaum kömmt, wieder gebeuchet, und, wenn dieses geschehen, ohne weiteres Spühlen auf dem Bleichplatze ausgebreitet wird. Hier muß sie zwey Tage und zwey Nächte an der Luft bleiben, und den Tag über, so oft sie zum Bleichen ausgeleget wird, beständig begossen werden. Diese Behandlung muß sechs, sieben oder acht Mahl nach einander wiederholet werden, bis man merke, daß die Lemwand die begehrte Weiße bekommen; das ist, man muß sie einmilchen, nachher bleichen, dann eins ums andere einseifen und beuchen, bis die Leinwand so geworden, wie man sie haben will. Denn es ist wegen der Verschiedenheit der Leinwand, wie oben angemerket worden, ohnmöglich, eine gewisse Regel davon fest zu setzen. Jedennoch muß man allezeit in Acht nehmen, daß, so oft man beuchet, solches zwölf Stunden lang geschehe; in welcher Zeit von der Lauge beständig und nach und nach etwas in den Kübel gegossen werden muß; weil sonst die Leinwand, besonders wenn die Lauge heiß wird, leicht verbrannt werden könnte. Auch ist noch als eine beständige Regel anzumerken, daß die Leinwand, wenn sie in die Milch gestecket werden soll, vollkommen trocken sey. Wenn man die Leinwand zum letzten Mahl eingemilchet, muß sie ganz sauber gewaschen, und eine Stunde lang in warmes Wasser gethan werden. Hernach wird dies Wasser abgezapfet, und etwas wärmeres aufgegossen, worin die Leinewand gleichfalls eine Stunde lang bleibt. Zuletzt wird dieses Wasser auch abgelassen, und zum dritten Mahl noch wärmeres, denn das vorige, aufgegossen, doch so, daß man das letzte Wasser nicht kochen lasse. Auch darf dieses letzte Einweichen eben nicht über eine halbe Stunde dauren. Ist dieses geschehen, so nimmt man die Leinwand aus dem Kübel, spühlet und windet sie gut aus, damit sie gänzlich von Lauge, Milch und Seife gesäubert werde, und leichter die Stärke und das Blau annehmen möge, als welche Behandlung nun zunächst folget.

Es ist wegen der Verschiedenheit der Leinwand unmöglich eine gewisse Regel für die Zubereitung <76, 506> der Stärke vorzuschreiben, womit man die Leinwand bereitet. Denn da feinere Leinwand eine dickere und festere Stärke als gröbere erfordert, so ist es nothwendig, daß der Bleicher schon einige Erfahrung und Kenntniß hierin habe. Eine jede Wäscherinn verstehet Stärke zu machen, und kann dieselbe zum Aufputz ihrer Wäsche zubereiten. Aber die Bleicherstärke ist nicht so dick als jene. Man machet dieselbe auf folgende Art: Man fülle den Kessel, worin man Stärke machen will, etwa drey Viertel mit Wasser an. Wenn dieses kochet, gießet man so viel in Wasser aufgelösete Stärke dazu, bis der Kessel voll ist, rühret sie beständig um, damit sie nicht anbrenne, und lasset sie ohngefähr eine halbe Stunde kochen. Alsdann nimmt man sie vom Feuer, gießet sie mit so viel warmen Wasser, als zu der Leinwand, die man bereiten will, nöthig scheinet, in ein anderes Gefäß über, und sorget, daß es wohl gerühret, die Klöße der Stärke zerrieben, und alles gleich dicke und eben werde. Ist dieses geschehen, rühret man so viel Blaupulver, als hinlänglich, der Leinwand nach Begehren entweder eine höhere oder schwächere Farbe zu geben, mit anderem Wasser ein, und vermischet die Stärke damit. Auf diese Art kann man die Stärke dicker oder dünner machen, wie man es für die Leinwand am zuträglichsten findet. Man muß sich nie des Indigo oder Steinblau bedienen, indem es eine schmutzige dunkele Farbe giebet.

Wenn solchergestalt das Wasser zum Stärken und Blauen fertig ist, thut man die Leinwand hinein, und wenn sie wohl darin durchgeweichet, muß sie heraus genommen, fest ausgewunden, und auf dem Bleichplatze ausgebreitet werden, damit sie trockene. Man wird fast durchgehends finden, daß sich an einigen Stellen der Leinwand das Blau mehr gesetzet, als an anderen. Sollte dieses geschehen seyn, so reibet man die blauen Stellen mit einem sauberen in Wasser getunkten Stück Leinwand, bis sie mit den übrigen einerlei Farbe bekommen. Ist nun die Leinwand wohl gestärket und blau gemachet, auch ganz trocken geworden, so ist nichts mehr übrig, als daß sie zum Verkaufe zusammen geleget werde.

Ich muß noch, ehe ich schließe, ein paar Worte von der Zubereitung der beym Leinwandbeuchen dien<76, 507>lichen Lauge hinzufügen. Es ist oben schon erinnert worden, daß die beste bisher bekannte Aschen, Holzaschen und Cassoup seyn. Jedoch, es ist unmöglich, hier eine solche Regel anzugeben, die jemand, der vom Bleichen nicht das geringste weiß, in den Stand setzen sollte, solches ohne Erfahrung zu verrichten Aber diejenigen, so vorläufig mit dieser Arbeit umgegangen, werden folgende Anleitungen überaus nützlich finden. Die Cassoup und die Holzasche müssen jede besonders zu Pulver gemachet, und zu jedem Oxhoft kochenden Wassers funfzehn bis sechszehn Pfund, entweder Cassoup oder Holzaschen, welches von beyden man zur Lauge gewählet, geschüttet werden. Hat die Asche eine halbe Stunde lang mit dem Wasser gekochet, so ziehet man das Feuer unter der Pfanne zurück, damit die Lauge sich setzen möge; welches nicht geschehen würde, wenn das Feuer darunter bliebe. Hat die Lauge sich gesetzet, gießt man sie behende von der Asche ab, und hebt sie in einer Tonne zum künftigen Gebrauche besonders auf. Hierauf gießt man eben so viel Wasser als zuvor in die Pfanne, und macht es damit, wie gesagt worden, indem man zuletzt die gesetzte Lauge in eine andere Tonne, die noch einmal so groß als die erste ist, gießet, in dem die zweyte und dritte Lauge gemischet werden müssen. Mit der dritten Lauge verhält es sich eben, wie mit den beyden vorhergehenden. Die beyden letztern Laugen werden nach Maaßgabe strenger gemacht, indem man dazu mehr oder weniger von der ersten gießet. Jedoch muß man wohl merken, daß bey einer zu schwachen Lauge keine große Gefahr sey, weil man durch wiederhohlte Beuche den Mangel derselben ersetzen kann. Ist aber die Lauge zu strenge, so wird sie alles zerfressen und verderben. Diese drey Laugen werden nicht alle Kraft aus der Asche ziehen, und muß man sie deswegen nachher aus der Pfanne nehmen, und in eine Tonne mit Wasser thun, auch alles mischen, und durch einander rühren, und nachdem es vier und zwanzig Stunden gestanden, das Wasser ablassen. Man wiederhohlet solches so lange, bis man noch einige Kraft in der Asche zu seyn vermerket. Diese Laugen dienen sonderlich, um mit den strengern vermischet zu werden, je nachdem man gewahr wird, daß die Leinwand der begehrten Farbe immer näher komme. Diese Asche, woraus alle Lauge heraus <76, 508> gezogen, ist zum Düngen für mageres Land überaus bequem zu gebrauchen.

Es ist ein großer Unterschied zwischen Cassoup und Holzasche. Die erste hat eine rauhe und scharfe Eigenschaft, und ist deswegen zur ersten Beuche sehr geschickt, ehe die Leinwand in die Milch kömmt; er durchdringet sie mehr als die andere. Nach der Behandlung mit Milch aber ist die Holzasche am besten, weil sie sowohl die Leinwand von ihrem Schmutze reiniget, als auch dieselbe durch das öhlichte Wesen, so sie besitzet, stärket Sollte die Cassoup alsdann statt jener gebrauchet werden, würde sie die Leinewand zu dünne machen, oder die Kraft schwächen, weswegen man jedes derselben zu rechter Zeit gebrauchen muß. Denn nichts ist, was dem guten Glauben so thätig Vortheil schaft, und den Handel befördert, als die ehrliche und gewissenhafte Wahrnehmung der Pflicht eines Handelsmannes.

Sollte man Cossoup nicht haben können, so kann man sich statt dessen der Holzaschen oder Pottasche bedienem. Auch ist es Anmerkungswerth, daß Asche von allerley Holz oder Pflanzen, besonders von Farrenkraute, zum Leinwandbleichen von großen Nutzen sey.

Im Lande Kehdingen im Herzogthume Bremen aber gehet man ganz von der gewöhnlichen Bleich= und Beuchart ab, die wir bisher gesehen haben. Man bedient sich dort des Rindvieh= und Schafmistes zum Beuchen, welches ich oben schon berühret, und hierüber hat der Herr Prediger Pratje in seinen Landwirthschaftlichen Erfahrungen etc. im 1sten Quartal S. 361 fgg. eine umständliche Beschreibung eingerückt, wie folget.

Es sind verschiedene Methoden zu bleichen bekannt, die mehresten aber sind der Absicht wirklich hinderlich, machen das Leinen mürbe und erfordern viele Zeit.

Kaum werden die, welche das Leinen, nachdem es von der Beuche genommen worden, auszuspühlen und auszuklopfen pflegen, glauben, daß dieses gerade der Weg sey, um das Bleichen des Leinens zu verzögern. Und doch ist nichts gewissers, als dieses. Die Lauge, die ihre Kraft in der Beuche an dem <76, 509> Leinen beweiset, die ist ihm auch auf der Bleiche noch vortheilhaft. Der Einwurf, den man von den Flecken vielleicht hernehmen könnte, die sich in dem Leinen befinden, das nicht völlig ausgelauget ist, beruhet bloß auf Vorurtheilen, und wird durch das folgende völlig gehoben werden.

Einige schmieren das Leinen, ehe es auf die Beuche geleget wird, mit brauner Seife. Ein schlechtes Verfahren! Denn das Leinen muß einige Stunden in der Seife liegen und der Augenschein lehret, daß es gelber wieder aus der Beuche kommt, als es hineingelegt worden, ob gleich die Seife bereits gebleichtes Leinen von dem Schmutze reiniget, zu geschweigen, daß die Schärfe des Seifenwassers das Leinen, wenn es lange darin lieget, sehr angreifet und mürbe machet. Ich läugne nicht, daß es mit der Zeit doch weiß werde. Denn was die Beuche mit Seife verdorben, das wird in der Bleiche wieder gut gemacht. Und dieses geschiehet so ofte, bis das Leinen die gehörige Weiße erhalten hat.

Auf einigen öffentlichen Bleichen giebt man gar Kalk unter die Asche, mit welcher man beuchet. Ein Verfahren, das durch ein öffentliches Verboth verdiente gehindert zu werden. Denn dergestalt gebeuchtes Leinen, wird zwar sehr weiß, allein der Kalk durchfrißt das Leinen dergestalt, das man oft in der ersten Wäsche, schon Löcher darin antrift, wenigstens wird man mit Kalk gebeuchtes Leinen nur eine kurze Zeit nutzen können. Das Uebelste ist, daß man nach dieser schädlichen und an den mehresten Orten üblichen Methode, bis acht Wochen warten muß, ehe das Leinen völlig weiß ist.

Ein jeder wird die Methode als die beste erkennen müssen, nach welcher das Leinen am geschwindesten weiß und am wenigsten angegriffen wird. Diesem Grundsatze, der überall anerkant wird, zufolge, hat man in dem 4ten Stücke, dieser Landwirthschaftlichen Erfahrungen die Methode mit Recht verworfen, nach welcher man acht Wochen zum Bleichen nöthig hat, und einen Vorschlag eingerückt, nach welchem nur vier Wochen erfordert werden. *

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Hiervon wird weiter unten noch gehandelt werden.

Es ist wahr, dies ist nur die Hälfte der Zeit. Indessen ist doch vier Wochen noch sehr lange, und <76, 510> überdem hat die vorgeschlagene Methode noch einige Fehler, deren ich vorhin erwähnet.

Hier im Kehdingschen, hat man eine Art zu bleichen, die bekannt gemacht zu werden verdienet, und allen an andern Orten üblichen, den Vorzug streitig machet. Denn nach der hiesigen Methode zu bleichen, wird man nicht nur vorzüglich starkes Leinen von der Bleiche zurücke nehmen; sondern man ist auch in vierzehn, und zuweilen in acht Tagen, mit der Bleiche meistens fertig. Ich sage meistens. Denn es ist bekannt genung, daß es bey dem Bleichen sehr auf gutes Wetter ankomme. Regnet es anhaltend: so währet es freylich länger. Allein dies geschiehet alsdann auch bey jeder andern Art zu bleichen.

Man bereitet das Leinen auf eine gedoppelte Art zur Bleiche vor.

Einige stecken das Leinen eine Nacht in warmes Wasser, waschen es am Morgen heraus und beuchen es, wie nachmals folget, wenn es vorher getrocknet.

Andere bereiten es auf eine andere Art zur Bleiche und finden selbige vorzüglicher. Diese Vorbereitung des Leines ist eine schmutzige Arbeit, und freylich nicht für die Hände der Schönen, die nur der Dufte wohlriechender Wasser, aus den Falten eines Stutzers gewohnt sind. Doch was lieget daran, wenn man nur bey der Arbeit braucht die Aufsicht zu haben und das Leinen weiß wird?

Man nimmt warmes Wasser, oder macht eine gute Lauge. Diese bereitet man hierselbst von Bohnenstroh=Asche, die zu der Lauge sehr gut ist, ob gleich die Büchen=Asche, wenn man sie haben kann, ihr vorzuziehen. Ich will hier nicht bestimmen, wie viel Asche zu einer gewissen Anzahl Ellen nöthig sey, um daraus eine gute Lauge zu ziehen. Dies ist eine Sache, die denen, die mit solchen Arbeiten umgehen, aus der Erfahrung bekannt ist Jedermann weiß, daß eine gute Lauge einen starken salzigen Geschmack haben muß. Sollte man aber aus Noth gar schlechte Stroh=Asche nehmen müssen, als welche gleichfalls zum Bleichen kann gebraucht werden: so muß man doppelt so viel nehmen, als sonst von Bohnen=Asche zu einer guten Lauge nöthig ist.

<76, 511>

In diese warme Lauge oder Wasser giebt man einen guten Theil s. v. frischen Kuhmist, der wenigstens nicht zu sehr mit Stroh vermenget ist, und rühret beydes stark durch einander. Alsdann steckt man das Leinen in diese Lauge, und decket das Gefäß zweymal vier und zwanzig Stunden gut zu. Es entstehet eine Gährung. Nach Verlauf erwähnter zweymal vier und zwanzig Stunden, wird das Leinen heraus genommen, und ohne zu spühlen, auf die Bleiche geleget. So oft es eben trocken werden will, muß man es mit fließendem oder stille stehendem, nur nicht Brunnenwasser begiessen. Dieses macht zwar viele Arbeit, aber die Kürze der Zeit, die das Leinen braucht gebleicht zu werden, hält uns völlig schadlos. Es wird kaum nöthig seyn, zu erinnern, daß die Schleifen des Leinens gut verwahret seyn müssen, damit es feste und eben liege, auch daß, während der Bleiche, man beständig den folgenden Tag, die andere Seite oben lege.

Wenn das Leinen auf der Bleiche ist: so hat man genau darauf zu achten, ob durch das fleißige Begießen die Lauge völlig heraus sey. Wenn der Thau des Nachts auf das Leinen gefallen: so wird man, wenn es gebeucht gewesen, da, wo noch Lauge ist, Flecken gewahr werden.

Ist die Lauge völlig heraus, welches nach zwey höchstens drey Tagen geschehen seyn wird: so wiederhohle man das oben beschriebene Verfahren, und mache entweder eine frische Lauge mit Kuhmist, oder gebrauche die alte Lauge wieder.

Wenn das Leinen wiederum zwey Tage gelegen, und so oft es eben trocknen wollen, begossen worden, so, daß die Lauge völlig heraus gebracht: steckt man es eine Nacht in warmes Wasser. Am Morgen klopft man es mit reinem Wasser aus, und legt es, ohne zu begiessen, auf die Bleiche, damit es trockene.

Mit Verwunderung wird man alsdann schon sehen, wie sehr es gebleichet, mehr als bey, in andern Gegenden üblichen Methoden in vierzehn Tagen.

Jetzt kann man anfangen zu beuchen, entweder kalt oder heiß, oder abwechselnd, je nachdem die übrigen Geschäfte die Zeit dazu verstatten. Will man kalt beuchen: so gießet man des Morgens kaltes Wasser auf die Asche, unter welche Stroh geleget worden, zapft sie am Abend ab, steckt in diese Lauge das Leinen, und lässet es die Nacht stehen. Wie man heiß beuche, <76, 512> ist zu bekannt, als daß ich nöthig hätte, es anzuführen. Das eine will ich nur hierbey noch erinnern, daß es dem Leinen sehr vortheilhaft ist, wenn man unter der Asche, sowohl bey der kalten als heissen Beuche einen guten Theil zerriebenen s. v. Schaafs=Koth giebet.

Das Leinen wird mit der Lauge hinausgeleget. Stets, einen Tag um den andern, muß man die Beuche auf eben beschriebene Art wiederholen, und das Leinen, welches ich nochmals erinnere, begießen; so oft es nur eben trocken ist, weil es sonst fleckigt wird, von der Lauge, die darin verbrennet. Nicht jede Witterung ist zum Bleichen vortheilhaft und das Wetter, das andere als erwünscht achten, ist uns schädlich. Grosse Hitze und schwühle Luft ist uns sehr hinderlich. Denn lieget das Leinen bey einer solchen Witterung, auf langem Grase: so verbrennt die Lauge darin und wird gelb. Man kann diesem Uebel dadurch vorkommen, daß man das Gras einige Wochen vorher abmähen lässet, ehe man hinaus leget, und mit dem Begießen nicht säumet. Ist aber diese Vorsicht nicht gebrauchet und das Leinen wirklich gelb geworden: so wird man den Schaden wieder gut machen, wenn man das Leinen einen Tag über in Buttermilch oder Waddik steckt.

In andern Gegenden, wo man andere Arten zu bleichen hat, freuet man sich, wenn es viel regnet. Denn man hat alsdann die Mühe des Begießens nicht. Wir aber betrüben uns, wenn wir eine Regenwolke über unserer Bleiche schweben sehen. Wir eilen sogleich das Leinen aufzunehmen. Denn regnete es stark, oder anhaltend: so würde die Lauge auf einmal herausgehen und die eben geschehene Beuche wäre ohne sonderlichen Nutzen. Während des Regens stecken wir das Leinen in die aufbewahrte Lauge. Hat dieses geschehen müssen: so warten wir, mit der folgenden Beuche einen Tag länger, bis die Lauge durch das öftere Begießen heraus gebracht ist. Will man endlich zu bleichen aufhören; so wäscht man das Leinen, wie gewöhnlich auf. Ich muß noch einer besondern Art, im Winter zu bleichen gedenken, die hier gebräuchlich ist. Selbst habe ich damit noch keinen Versuch gemacht. Allein die Erfahrungen anderer, sind hiervon so häufig, daß ich kein Bedenken tragen würde, ihn im Fall der Noth anzustellen. Doch ist diese Methode, <76, 513> im großen schwer und vielleicht nur alsdann anzuwenden, wenn es etwa am Zwirn fehlete.

Man machet eine starke Lauge, auf vorhin gemeldete Art, steckt das Garn hinein, und kochet es auch wohl damit auf. Den Topf mit dem Garn und der Lauge, setzet man die Nacht unter den Ofen. Am Morgen giebt man Schnee zu den Garn in den Topf, nachdem die Lauge abgegossen. Dieses wiederhohlet man verschiedentlich, wäschet auch zuweilen das Garn mit Seifenwasser und Lauge und leget es auch wohl zu Zeiten, bey gutem Wetter, auf den Schnee oder Anger.

Herr Hahn zu Hannover hat in dem hannoverischen Magazin von 1774. Col. 417 fgg. seine Grundsätze über die Schädlichkeit oder Unschädlichkeit des Kalkes und der Pottasche beym Bleichen eingerückt, und er zeigt, daß beydes unter gehöriger Vorsicht mit Nutzen gebraucht werden könne. Was er darüber sagt, ist folgendes.

In den alten Reichspolizeygesetzen wird der Indig wegen seiner fressenden Eigenschaften eine Teufelsfarbe genannt, und selbst noch Colbert wollte dessen Gebrauch ohne Waid, obwohl aus einer andern irrigen Ursache, nicht gestatten, Seit der Zeit muß wohl die Natur des Indigs sich gänzlich verändert haben, weil man jetzt nichts fressendes an ihm zu finden weiß. Alles, was man gegenwärtig bey ihm zu erinnern hat, ist, daß er zum Leidwesen aller Fabrikaten und Färber nicht wohlfeiler werden will.

Fast allenthalben ist das Bleichen der Leinwand und des leinenen Garns mit Kalk, Pottasche, gebrannten Muschelschalen etc. bey Strafe verboten, weil das Linnen damit mürbe gemacht und der Käufer betrogen werde. Sollte es denn aber wohl unumstößlich gewiß seyn, daß alles Bleichen mit Kalk und überhaupt mit Beizen, die stärker sind, wie die Lauge aus der Holzasche dem Linnen nachtheilig ist? Sollte es damit nicht über kurz oder lang, wie mit dem Indig gehen?

<76, 514>

Der Bauer, sagt man, legt das Linnen acht und mehrere Tage in Kalkgruben, die mit Wasser angefüllt sind, oder er legt das Linnen oder Garn in Bükfässer, streuet Lage um Lage Kalk dazwischen, gießt heißes Wasser darauf und läßt es solchergestalt eine Zeitlang beizen, oder er vermischt mit der Asche eine beträchtliche Menge Kalk, und büket mit dieser Lauge die Leinwand, welche Art zu bleichen aller Erfahrung nach das Linnen verdirbt und mürbe macht. Was hier behauptet wird, bezweifle ich nicht, ich will sogar zugeben, daß man auf diese Weise Ankerthaue mürbe machen kann, allein alles das beweiset nicht, daß der Kalk bey dem Linnenbleichen schlechterdings schädlich ist. Wenn irgendwo die Brauer dreymal so viel Wasser bey dem Brauen des Bieres zugießen, wie die gerechte Proportion verstattet, so trinket das Publicum schlechtes Bier, aber man wird wohl nicht daraus folgern wollen, daß das Wasser bey dem Bierbrauen nachtheilig sey und nothwendig schlechtes Bier gebe. Wenn man Wolle in einer gesättigten Pottaschen=Auflösung eine hinlängliche Zeit kochen läßt, so wird sie solchergestalt zersetzt, daß auch nicht eine Spur davon übrig bleibt; so bald aber die Pottasche verhältnißmäßig gebraucht und eine gewisse Zeit beobachtet wird, so bleibt die Wolle unbeschädigt.

So lange man nicht durch Versuche entschieden hat, daß der Kalk, die Pottasche und andere heftige Beizen dem leinenen Faden unter allen thunlichen Proportionen und Behandlungen in der Bleiche nachtheilig sind, und seine Dauerhaftigkeit vermindern, so lange behauptet man eine allgemeine Schädlichkeit dieser Beizen bey dem Linnenbleichen ohne hinreichenden Grund. Man muß zum Beyspiel, um mich deutlicher zu erklären, ein Pfund Leinwand mit zwey, mit anderthalb, mit einem, mit drey Viertel, einem halben, einem Viertel, einem Achtel und einem Sechszehntel Pfunde Kalk oder Pottasche etc. gebeizt haben, man muß diese Proportionen wiederum mit verschiedentlich proportionirten Zusätzen von Büchen=von Tannen=von Waidasche etc. versetzt haben, man muß die Behandlungen bey dem Büken und Bleichen auf mannigfaltige Weise verändert haben, man muß mit den Laugen alle Grade der Wärme vom Laulichen bis zum Sieden versucht haben, man <76, 515> muß verschiedene Mittel, wodurch die Kräfte des Kalkes etc. gebunden werden können, zugesetzt haben, man muß endlich verschiedene Wasser probirt und ihre Bestandtheile untersucht und überhaupt alle diese Versuche mit der größten Sorgfalt und Genauigkeit angestellt haben, ehe man von einer allgemeinen Schädlichkeit des Kalkes bey dem Linnenbleichen zutreffend urtheilen kann; bis dahin habe ich aber nicht gehört noch gelesen, daß jemals dergleichen vollständige Bleichversuche gemacht worden wären, mithin gründet man sich lediglich auf die nachtheilige Wirkung, die dann und wann bey dem von Bauerfrauen mit Kalk vorgenommenen Bleichen wahrgenommen worden. Die größte Geschicklichkeit eines Schönfärbers besteht darin daß er mittelst des Geruches deurtheilen kann, ob eine Waidküpe das rechte Maaß von Kalk erhalten hat. Drey bis vier Pfund Kalk mehr oder weniger in einer Küpe von zwey bis dreyhundert Eimern Wasser verursachen unfehlbar, daß sie umschlägt oder doch nur mit Mühe wieder hergestellt wird. So sehr kann es bey dem Gebrauch des Kalkes auf eine genau abgemessene Proportion ankommen. Es ist nicht glaublich, daß derjenige, der die ersten Waidküpen angesetzt, dieses Ebenmaaß sogleich getroffen hat, sondern sie sind gewiß, mit den Färbern zu reden, durchgegangen. Hätte man zu der Zeit bey diesen mißlungenen Küpenansätzen den Schluß gemacht, der Kalk sey dabey schädlich, so würde man vielleicht noch lange Zeit diese vortheilhafte Färberey entbehren müssen.

Ich kann es daher nicht für erwiesen halten, daß der Kalk bey dem Linnenbleichen schlechterdings und ohne Ausnahme schädlich sey, vielmehr bin ich überzeugt, daß selbiger und noch heftigere Beizmittel, wenn sie in gehöriger Proportion gebraucht werden, und die Zeit dabey sorgfältig abgemessen wird, der Leinwand nicht allein nicht nachtheilig sind, sondern daß auch der größten Wahrscheinlichkeit nach ein und anderes dieser ätzenden Mittel sogar ein vorzügliches und ungleich vortheilhafteres Bleichmittel, wie die Holzasche ist, abgeben kann.

Die Leinwand und das leinene Garn wird von den Schwarzfärbern aus einer Küpe blau gefärbt, die gewöhnlich, was die eigentlich wirkenden Materialien anlangt, aus gleichen Theilen Indig, Kalk, <76, 516> Pottasche, grünen Vitriol und in einigen Färbereyen aus etwas rothem Hüttenrauch oder Arsenik besteht. Hier werden mehrere sehr heftige und ätzende Mittel mit einander verbunden, gleichwohl ist durch die Erfahrung bekannt, daß das blaugefärbte Linnen oder Garn, ohnerachtet es wiederholt in die Küpe gebracht wird, damit die Farbe desto besser durchdringen könne, so wenig beschädigt als mürbe gemacht wird. Man kann ein halbes, ein Viertel Pfund und noch weniger Linnen oder Garn durch die Küpe ziehen, und mithin die ganzen Kräfte von einigen Pfunden der obigen Ingredienzien auf dasselbe wirken lassen, ohne daß es nachtheilig ist. Ich weiß, daß mit dem Vitriol und der Pottasche durch die Verbindung eine wesentliche Veränderung vorgeht, allein der Kalk behält seine natürliche Wirksamkeit. Wenn gelbe oder mit Cochenille rothgefärbte Zeuge in eine Küpe gebracht werden, ehe die Kräfte des Kalkes etwas erschöpft sind, so werden diese Farben von dem Kalk leicht angegriffen und beschädigt. Selbst bey der blauen Farbe macht es eine Verschiedenheit, ob eine Waidküpe, aus welcher das Linnen ebenfalls unbeschädigt gefärbt wird, nach der Sprache der Färber scharf oder süß ist, das heißt, ob der Kalk noch sehr wirksam ist oder nicht.

Man beizet das leinene Garn, um es nachher roth zu färben, mit Sonde, Arsenik, Kalk und einigen andern Zusätzen, allein es wird nicht mürbe, wenn bey dieser Vorbereitung gehörige Vorsicht gebraucht worden.

Ich könnte noch mehrere Fälle anführen, worin die Leinwand unschädlich gebeizet wird, allein jene, die ein jeder Färber bestätigen kann, zeigen schon zur Genüge, daß der Kalk und andere heftige Beizen dem leinenen Faden nicht schlechterdings und unter allen Proportionen nachtheilig sind.

Die Baumwolle kann in einer Seifensiederlauge wiederholt gekocht werden, ohne daß sie mürbe wird. Die Laugen müssen so scharf seyn, daß sie mit den Säuren nicht mehr aufbrausen, wenn man eine Verminderung des Zusammenhanges der Fasern der Baumwolle wahrnehmen will. Man hat Beizen, wodurch die Baumwolle innerhalb vier Tagen im Sommer und Winter, bey gutem und schlechtem Wetter und selbst auf dem Schnee, unschädlich gebleicht und <76, 517> zu dem möglichsten Grade der Weiße gebracht wird. Was ich so eben sage, ist nicht etwa ein Versuch, der erst gemacht werden soll, sondern wer will, kann zu Hameln die Beweise davon im Großen sehen. So die Baumwolle als der Flachs sind Produkte des Pflanzenreiches. Ihre Bestandtheile sind einander sehr ähnlich und der vorzüglichste Unterschied dieser vegetabilischen Körper besteht in dem Zusammenhange der Theile, der bey dem Flachse noch fester als in der Baumwolle ist. Beyde verhalten sich in der Färberey gleich. So schwer es ist, dauerhafte Farben auf die Baumwolle zu bringen, so schwer, ja fast noch schwerer ist es auch bey dem Flachse; die Farben aber, die die erstere anfallen, sind auch bey dem letztern wirksam. Bey beyden kann einerley Ansud, einerley Beize, wiewohl diese Vorbereitungen bey dem Flachse seiner mehrern innern Festigkeit wegen dann und wann etwas wirksamer seyn müssen, Statt finden. Man darf nur mit Kanefas, dessen Kette bekanntlich aus leinenem und der Einschlag aus baumwollenem Garne besteht, Farbe=Versuche machen, um sich hiervon zu überzeugen. Warum nun bey dem Bleichen der Flachs sich anders, wie die Baumwolle, verhalten und keine heftige Beizen vertragen sollte, davon wüßte ich keinen Grund zu finden; es wird vielmehr bey der Zusammenhaltung der angeführten Umstände höchst wahrscheinlich, daß durch ein oder anderes Beizmittel, das heftiger und wirksamer ist, wie die Holzaschenlauge, die Leinwand gleich der Baumwolle geschwinder und weit weißer, wie gewöhnlich, gebleicht werden kann, ohne daß sie dadurch mürbe gemacht wird.

Der Flachsbau und die Linnenweberey ist bey uns eines der hauptsächlichsten und natürlichsten Gewerbe. Die Bleiche erhöht den Werth des Linnens merklich und erleichtert und befördert seinen Absatz, allein Sachkundige werden nicht in Abrede stellen, daß die mehrsten unsrer Bleichen einer großen Verbesserung fähig sind. Wenn hin und wieder die Leinwand auch zu einem ziemlichen Grade der Weiße gebracht wird, so wird doch dazu eine Zeit von vielen Wochen und eine vielmalige mühsame Behandlung erfordert. Gemeiniglich ist der Bewegungsgrund bey Anlegung einer Bleiche, daß man auf diese Weise den Anger oder die Wiese höher und vortheilhafter, wie sonst, nutzen kann, ohne daß man sich um die Beschaffenheit des <76, 518> Wassers bekümmert, gleichwohl wissen doch schon die Wäscherinnen, daß das Wasser auf die Wäsche und Bleiche des leinenen Zeuges einen gar großen Einfluß hat. Sehr selten wird auf solchen Bleichen die eigentliche Absicht erreicht. Wenn das Wasser nicht so beschaffen ist, daß es der Beize in den zarten Röhren des Flachses nachgehen und sie wieder heraustreiben kann, oder gar solche Bestandtheile bey sich führt, die mit der Beize eine Art von Farbe hervorbringen können, so wird man nimmer eine vollkommene Weiße der Leinwand zu erwarten haben.

Es wäre daher zu wünschen, daß Männer, die genugsame chymische Kenntniß, Geduld, Zeit und Gelegenheit dazu haben, sich ein patriotisches Geschäfte daraus machen möchten, mit dem Bleichen der Leinwand und des leinenen Garnes häufige Versuche anzustellen, und das, was sie Nützliches entdecken, bekannt zu machen. Ein glücklicher Erfolg ihrer Arbeit würde ein solldes Beförderungsmittel des Linnengewerbes seyn, und wahrscheinlich würden auch diese Bemühungen nicht vergeblich angewandt werden. Ich kann versichern, daß eine unschädliche und sehr wohlfeile Bleiche erfunden ist, vermöge welcher die Leinwand in zwölf bis sechszehn Tagen zu einem sehr hohen und vorzüglichen Grade der Weiße gebracht wird.

Was ich bisher noch von Verbesserungen der Linnenbleichen gehört und gelesen habe, läuft allemal auf eine Nachahmung der Harlemmer Bleichen hinaus. Wenn diese Verbesserer das durchgeseihete Salzwasser aus den Dünen mitbringen und uns die erfoderliche Menge Milch anweisen könnten, so wären ihre Vorschläge vortrefflich, obwohl sich denn doch auch in Ansehung der Wirkungen der Milch um Harlem und um Soltau noch ein unerwarteter Unterschied hervorthun möchte.

Nachricht von der Art Leinwand zu bleichen, ohne sie zu begießen. Diese Methode findet bey einigen vielen Beyfall, und ich will sie daher auch hier ertheilen.

Es ist sowohl auf den kleinen, als großen Bleichen üblich, daß das Leinen täglich begossen, und dieses durch Arbeitsleute den ganzen Tag <76, 519> verrichtet, mithin das Bleichen kostbar werde. Diese Art zu bleichen dauert 8 Wochen und darüber, bevor das Leinen zur gehörigen Weiße gebracht wird. Selbige kann indessen verbessert, und das Leinen in 4 Wochen völlig gebleichet, und das Begießen ersparet werden.

Nemlich das tägliche Begießen geschiehet deswegen, damit die Lauge, welche beym Abspühlen und Klopfen des Leinens nicht rein heraus gekommen, durch stetiges Begießen heraus geschaffet werde. Scheinet nun die Sonne stark auf das begossene Leinen, so setzet sich die Lauge darin feste, und verlängert das Bleichen, anstatt daß der Sonnenschein solche befördert.

Diesem Fehler wird abgeholfen, wenn das gebükte Leinen in einen grossen Zuber mit Wasser, oder in ein Schiff geworfen, mit den Füssen getreten, das trübe Wasser abgegossen, frisches wieder darauf gegeben, und so lange damit fortgefahren wird, bis solches so klar darauf stehet, als es darauf gekommen.

Zur Probe nimmt man alsdann etwas vom Leinen in den Mund, und schmecket, ob noch Lauge darin stecke. Schmecket es rein, wie das Wasser, so ist es gut, sonst muß wieder Wasser darauf gegossen, und abgekläret werden, bis der reine Geschmack sich findet.

Nach diesem Abspühlen wird das Leinen gewöhnlicher Maßen auf das Gras gezogen, und bleibt die eine Seite zwey Tage liegen, sodann wird die andere Seite oben gekehret, und bleibt auch zwey Tage liegen, nach diesen vier Tagen wird es aufgenommen und gebüket, und darauf mit dem Auslaugen und Abspühlen, und Niederlegen verfahren, wie eben beschrieben worden.

<76, 520>

Nur muß zum Austreten kein Brunnen=sondern fließendes oder stillestehendes Wasser aus Behältern genommen werden.

Die Sonne mag übrigens so heiß scheinen, wie es die Jahreszeit mit sich bringet, so geschiehet kein Begießen, sondern bleibt ohne Wartung liegen, und wird nur feste verwahret, damit der Wind das Leinen nicht aus der Ordnung bringe.

Das Leinen, welches auf diese Art zurecht gemacht worden, wird dauerhafter befunden werden, als dasjenige, welches acht Wochen lang und darüber auf der Bleiche durch das gewöhnliche Begießen dem Wetter ausgesetzet gewesen. Von dem Büken selbst will ich den Verlauf hieher setzen, und wie mit sechshundert einfachen Ellen Leinwand zu verfahren, anzeigen, weil diese Bükart von andern etwas verschieden ist.

Zu dieser Parthey werden im Hannoverischen zur ersten Büke drey Himbten gute Büchen Asche genommen, und wie gewöhnlich damit verfahren, hierauf vorgemeldeter Maßen ausgelauget, und vier Tage an die Erde geleget. Nach dieser ersten Büke werden

Zweytens drey Pfund schwarze Seife in warmen Wasser dünne geschlagen, die sechs hundert Ellen trockenes Leinen damit durchgeknetet, und mit dieser Nässe auf die Büke geleget, wiederum drey Himbten Asche genommen, gebüket, ausgelauget, und an die Erde gebracht, wie vorhin erwähnet worden. Hierauf verfähret man

Drittens, wie bey der zweyten Büke, und darauf ist in diesen drey Sätzen das Leinen so weiß, daß solches

Viertens acht Tage lang in die Molke, oder noch besser in Buttermilch geleget werden kann, <76, 521> und wird täglich einmal mit den Händen umgerieben, und darauf im Wasser rein ausgetreten, getrocknet, und

Fünftens mit zwey Himbten Asche wieder, jedoch ohne Seife gebüket, ausgelauget, vier Tage an die Erde gezogen, und sodann mit etwas blauer Stärke gezieret, womit die Bleiche völlig geschlossen wird.

Auf grobes Leinen wird ein Drittheil Asche und Seife mehr, als auf feines Leinen, gegeben.

Seit 50 Jahren hat bereits Jemand die Bleiche jährlich angezeigter Maßen tractiren lassen und nie einen Fehler daran gefunden.

Zu Zelle wird schon seit vielen Jahren das Leinen ohne Begießen gebleichet es sey denn, daß man an den Tagen, da es die Nacht vorher gebüket worden, es nöthig findet, dasselbe nach dem Auswaschen noch zu begießen, damit die sämmtliche Lauge herauskomme. Weil man aber daselbst weniges Rindvieh und folglich nicht viele Molken und Buttermilch hat, so kann man den dasigen großen Bleichen damit auch nicht so, wie zu Harlem zu statten kommen, und das Leinen pflegt daher acht Wochen auf der Bleiche zu liegen.

Wo Bäche vorhanden sind, ließen sich mit wenigen Kosten leichte Stampfmühlen, wie die Weißgärber= und Walkmühlen sind, anlegen, welche Mühlen durch die leichten Stampfen das Auslaugen des Leinens verrichten, und immer frisches Wasser in den Kump, wie beym Auswalken, bringen könnten, indem in einer Stunde sich auf diese Art viel Leinen auslaugen liesse. In Schlesien sollen sich dergleichen Mühlen finden. Eine dergleichen, die zum Waschen gebraucht wird, ist wirklich vor Düsseldorf auf dem Kloster der Peres a la Trappe vorhanden.

<76, 522>

Diejenigen Werke und Abhandlungen, in welchen das Bleichen des Flachses und der Leinwand besonders beschrieben ist, sollen hier erfolgen, und da ich schon verschiedene davon beyläufig angeführt habe, die aber manchem Leser dort nicht so auffallen möchten, so habe ich sie hier, um dieser Anzeige mehr Vollständigkeit zu geben, auch zwischen gerückt. Vom Flachs besonders, um ihn fein und weiß zu machen, handeln folgende Schriften:

Cederhielm, Art, den Flachs fein und weiß zu machen; in den Abhandlungen der schwedischen Akademie, 10 B. S. 157.

Versuch, Flachs und Leinwand auf eine andere Art, als durchs Bleichen, weiß zu machen. Oekonomischphysische Abhandlungen 11 Theil, S. 691.

Von verschiedenen Arten den Flachs zu bleichen, weich und fein zu machen. Göttinger Polizey=Nachrichten, 1755. S. 177. In Justi' s ökonom. Schriften, 1 Theil, S. 76.

Von der Leinwandbleiche handeln besonders folgende Schriften:

Von dem Alterthum und der ehemahligen Verfassung der Chemnitzer Bleichen. Samml. vermischter Nachrichten zur sächsischen Geschichte. 1 Th. V.

Anmerkungen über die Art, bunte Cattune und Leinwand an der Sonne zu bleichen. Journ. oec. 1760. Juill. p. 300. Vorrath auserlesener Aufsätze, 2 Stück, S. 401.

Anweisung feines Garn und Leinwand zu bleichen. Bremisches Magazin 1 B. III. St. n. 66.

Aufsatz von Bleichen; in Pfingstens Farbenmaterialien, 1789. Nr. 3.

Umständliche Beschreibung des ganzen Verfahrens bey dem Bleichen. Hamburgisches Magazin, 17 Th. 369.

Bleichart zu Haarlem. Hilds Handelszeitung, Gotha 1784, 43. Aus dem Journ. oec. Fev. 1751. In der Jenaischen Sammlung, Tom. 1. S. 340. Allgemeines Magazin, 3 Th. S. 356. Leipziger Sammlungen III. 269.

<76, 523>

Von dem Bleichen des Leinengarns und der Leinwand. In den ökonomisch physikalischen Abhandlungen Tom. III. S. 495.

Bleichen der Leinwand, insonderheit was die Anwendung des Kalkes dabey betrifft. Hilds Handelszeitung, 1790. S. 251.

Chemisches Handbuch, oder Anweisung mit der dephlogistisirten Salzsäure vollkommen weiß, geschwind, sicher und wohlfeil zu bleichen, nebst einer kurzen Anweisung, wie man sich dieses Mittels bey dem gewöhnlichen Waschen mit Vortheil bedienen könne, 1793. 8. Leipzig. Voß.

Eversmanns Beschreibung des Haarlemer Bleichen, in seinen technologischen Bemerkungen auf einer Reise durch Holland, 1792.

Chemische Untersuchung des Bleichens der Leinwand; in den ökonomisch phys. Abhandl. 4 Th. S. 140. 255.

A. Eason, von dem Nutzen der Säure beym Leinwandbleichen. Abhandl. der Gesellschaft zu Manchester. 2 Th. Leipzig 1788. 13.

Umständliche Nachricht von dem vortheilhaften Bleichen der Leinwand, des Garns, des Zwirns in Salisburg in Liefland, von Hrn. v. Engelhardt. Im 3ten Bande der Auswahl ökonomischer Abhandlungen der Gesellschaft zu Petersburg. N. Ausgabe. 167 -- 176. S.

Einige Verbesserungen bey der Kunst, Leinengarn zu bleichen. Schwed. acad. Abhandl. 3 Th. S. 314.

Entdeckung des Betruges, wenn beym Bleichen der Leinwand Kalk angewendet worden. Leipz. Intellienzblatt. 1781 S. 194.

Farbe und Bleichbuch (vollständiges,) 4 Bände. Ulm 1779.

Gründlicher Unterricht der sogenannten Hausmannischen Bleiche, wie in kurzer Zeit Cattune und baumwollenes Garn, Flachs, Leinwand, Zwirn und Hanfgespinnste gebleicht werden können, aus dem Original des Hrn. Scheelens, nebst einem Kupferstich der dazu erforderlichen Maschine. Zur allgemeinen Bekanntmachung und Nutzen des Publikums, von C. G. Weinlich. Berlin 1792. Auszug und Abbildung in Hilds Handelszeitung 1793, 5, 6 und 7tes Stück.

<76, 524>

Harlemanns Gedanken von Bleichen in Seen und Wasser. Schwed. Abhandl. 10 Th. S. 55. Schwed. ökon. Wochenblatt. 2 Th. S. 481.

Leinwandsbleiche und Appretur vom Hrn. Hasenclever in Landshut. Hilds Handelszeitung 1793. S. 211.

Franc. Home Experiments on bleaching, Edinb. 1756.

-- Trad de l' Anglois par Mr. Larcher. tit. Essai sur le blanchement de Toiles. a Paris 1762. 12. 412 S.

-- ins Deutsche übersetzt, Leipzig 1777. 8. 1 Alphabet.

Jungs Lehrbuch der Fabrikwissenschaft, 1 Th. Cap. 5 Abschn.

v. Justi Abhandlung von der Waidasche, auf welche es in dem holländischen Bleichen am meisten ankommt. Göttingische Polizeynachrichten 1756. n. 2. und dessen ökonomische Schriften. 1 B. S. 81.

Leinwand in sieben oder acht Tagen zu bleichen. Wittenb. Wochenblatt, 1 B. S. 151.

Manier de blanchir des Toiles. Journ. oecon. 1759. Dec. 540.

Manier de blanchir le fil et le toiles de Lin. Nouv. Oec. Tom. 23. p. 70. physik. ökonom. Patriot. 3 Th. S. 385.

Manier das feinste Garn und Leinenzeug zu bleichen, wie es in England gebräuchlich ist. Neues Hamburgisches Magazin, 110 St. S. 140.

J. A. Milz Nachricht von der Art, ohne Begießen Leinen zu bleichen. Braunschweigische landwirthschaftliche Gesellschaft. 1. Samml. S. 102.

Nachricht wegen des Leinenbleichens in den Städten Bielefeld und Herford. In den Hannoverischen nützlichen Sammlungen, 1757. 3 St.

C. L. N. (Neuenhahn) Versuch, Flachs und Leinwand auf eine andere Art, als durch das Bleichen, weiß zu machen; in ökonom. physik. Abhandl. Th. XI. S. 69 -- 718.

Chr. Fr. Reuß, von den Körpern, welche zum Weißmachen der Leinwand dienen; in den Beschäftigungen der berliner naturforschenden Gesellschaft, 2 B. S. 35.

Joh. Roman, Art Leinenzeug so weiß, als holländisches, zu bleichen. Schwed. academ. Abhandl. 3 Th. S. 314.

<76, 525>

Rüssigs Lehrbuch der Technologie. S. 195.

Schedel, über das Bleichen der Leinwand, in seinen Ephem. der Handlung, 1784 n. 11. Jan.

Anleitung vermittelst der dephlogistisirten Salzsäure in jeder Jahrszeit vollkommen weiß, geschwinde und wohlfeil zu bleichen. Nebst Anweisung, wie man dieses Mittel, bey gewöhnlichen Waschen, beym Cattundruck, in der Färberey, und beym Papiermachen, mit Nutzen anwenden kann, von Dr. Joh. Gottl. Tenner. Mit 9 Kupfern. gr. 8. Leipzig. 1793.

Hilds Handelszeitung, 1793. S. 277. 2te Aufl. 1794.

Ueber die dephlogistisirte Salzsäure und ihre Anwendung zum Bleichen der Leinwande und Garne, zu Wiederherstellung beschmutzter Kupferstiche und Bücher, zu Herausbringung der Dintenflecke und Vernichtung aller Farben, und zu verschiedenen andern nützlichen Unternehmungen. Zwey Abhandlungen in den Pariser Annalen der Chymie. Aus dem Französ. übersetzt. Wien, von Kurzbeck. 1790. 8. 4 Bogen. A. D. Bibl. CXIV. 159.

Ueber das Leinwandbleichen der gemeinen Leute. Leipziger Intelligenzbl. 1783. S. 98.

Verfahren, Leinwand und dergleichen mit Kastanienwasser zu bleichen; steht in der Uebersetzung Marcardier vom Hanfe, 1763. 98 Seiten; auch Hannov. Magaz. 1767. 24 St.

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