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Leinengarnbleiche Klassifizierung: 338.7 UnternehmenDDC-Icon Klassifizierung: 914.92 NiederlandeDDC-Icon Klassifizierung: 676 Zellstoff- und PapierherstellungDDC-Icon oder Garnbleiche. Obzwar ich im Art. Pfeil-IconLein schon von den schlesischen Bleichereyen gehandelt habe, wo auch verschiedenes von der Garnbleiche mit vorkam, so muß ich auch der so sehr berühmten holländischen Bleichen, besonders aber der dortigen Garnbleichen gedenken, und hierzu geben mir besonders Evermann' s technologische Bemerkungen auf einer Reise durch Holland, (Freyburg und Annaberg, 1792,) Gelegenheit.

Eine halbe Stunde von Haarlem, auf der Westseite, fangen die so genannten Duinen oder Deunen an, die sich auf einmahl erheben, eine <76, 280> Stunde breit sind und sich darauf wieder an der Sie verflächen. Sie bestehen aus einer großen Kette wüster Sandhügel, die ohne Ordnung und Zusammenhang durcheinander liegen. Hinter ihnen nach Südwesten zu sieht man die lang sich wegziehende Küste von Holland und die See, und gegen Morgen blitzt über Haarlem das weite Haarlemer Meer hervor, und Amsterdam zeigt sich in einer blauen Ferne. Der Sand ist mit einer dünnen Mooslage überzogen, die wenig Festigkeit hat, und durch welche man bald hindurch tritt; auf derselben wachsen mancherley Kräuterarten, unter andern eine Sorte wilden Rosmarins, der niedrige höchstens 1 1/2 Fuß hohe Sträucher bildet, und einzelne gelbe Beeren trägt, wie auch eine hellgrüne Disiel, die einen grünen stacheligen Apfel trägt, der aber im August noch in der Blüthe war. Hin und wieder steht ein einzelnes Stiefmütterchen, allerhand kleine andere Blumen, auch die Zinnia uniflora, und der wilde so genannte Seekohl (Choux marin), den man in England in den Gärten als Gemüse zieht, und der leichten, hohlen, geschwänzten Samen trägt.

Der Sand ist mit kleinen Schnecken und Muscheln bestreuet. Das häufige Regenwasser verursacht in den Niedrigungen der Dünen zuweilen kleine stehende Gewässer, die sich nach und nach in den Sand ziehen, allein in den Bleichquellen ganz und gar keine Veränderung hervorbringen. Zwischen diesen Sandbergen, von denen die höchsten wohl zwey bis drittehalb hundert Fuß hoch seyn mögen und Haarlem, sind, wie durch Holland, Wiesen mit Gräben durchschnitten, voll Vieh, und dicht unter den Dünen liegen dann hin und wieder der Länge nach hin die Bleichereyen, die aus einem <76, 281> Wohnhause des Bleichers, den Bleichhäusern, und da herum liegenden Bleichfeldern bestehen.

Um Haarlem herum sind überhaupt acht Leinenbleichen und zehn Garnbleichen, davon keine für eigene Rechnung bleicht, sondern die Garnbleichen machen Garn für die Kanten und Bandmanufacturen, und Zwirn für die Mühlen weiß. Die Leinwandbleicher machen Leinwand aus allen Orten der Welt weiß, besonders aus Jülich, Berge, Osifrießland, Bielefeld und Schlesien, und Batiste aus Flandern, Creyfeld u. s. w. Besonders ward zur Zeit des Friedens viel für England gebleicht; der Engländer, der sehr auf weiße Leinwand sieht, verlangt gern Haarlemer Bleiche.

Auf jeder Leinwandbleiche werden ohngefähr im Jahre weiß gemacht 6000 Stück Leinwand, das Stück zu 50 Ellen, dies machen auf die acht Bleichen 48000 Stück; von jedem Stück wird im Durchschnitt verdient 5 Fl. 10 Stbr. -- Es macht also das Capital, das dadurch umgeschlagen wird, jährlich 264,000 Fl. Von Stücken, die die Breite der schlesischen und bergischen Leinwand haben, wird nur 5 Fl. 5 Stbr. bezahlt, die breiten aber, als die ostfriesischen, geben 6 Fl. Vor einigen Jahren ist ein Stück nach Spanien gesandt worden, das in der Gegend von Cambray gewebt war, und worauf 34 Fl. Bleicherlohn verdient wurde; es hielt 4 Ellen in der Breite und 75 in der Länge, und war von außerordentlicher Feinheit.

An Garn rechnet man auf jede Garnbleiche im Jahr 200 Küpen, jede Küpe zu 300 Pfund, macht 60,000 Pfund. An Milch wird jährlich ohngefähr für jede Garnbleiche verbraucht 1666 Tonnen, macht für alle zehen Bleichen 16660: <76, 282> die Tonne zu 30 Stbr. Holl. macht 24,990 Fl. im Jahr, die allein der Landmann in der Nachbarschaft verdient. Die Anlage einer Bleiche kostet an 30 bis 40,000 Fl. Die Bleicher sind fast alle Deutsche, aus Lingen, Westphalen, Osnabrück, außer einige aus Herzogenbusch. Sie verdienen sich wöchentlich 5, 7 bis 8 Fl., und gehen, wenn die Bleichzeit vorbey ist, wieder nach Hause, welches ohngefähr in die Mitte des Novembers fällt; im Monat März kommen sie wieder an. Sie wohnen in den Häusern der Bleichherrn auf den Böden; die Kost ist ihnen sonst gereicht worden, jetzt bekommen sie aber dafür außer ihrem Lohne noch täglich 1 Schilling oder 12 Stbr. Klevisch und frey Licht und Feurung. Der holländische gemeine Mann taugt zu dergleichen schweren Arbeit nicht, auch will man behaupten, daß er zu faul dazu sey.

Das eigentliche Verfahren bey diesen Garnbleichen ist folgendes: Es wird das rohe Garn in einen kupfernen Kessel, wo ohngefähr 300 Pfund (so viel als zu einer Küpe vonnöthen ist) hineingehen, eingelegt und gelaugt; zu dem Ende wird bis auf 1/3 des Kessels Wasser, das bis zur Wärme des Kochens gekommen ist, eingelassen, und ein Netz von Stricken hineingehängt, ohne vorher ein von Weidenholz geflochtenes Gitter auf den Boden zu legen, wie solches im Bergischen geschieht, weil das Netz die Stelle desselben vertritt; darüber her wird eine Lage gestampfter und gesiebter Waidasche geworfen, auf dieselbe wieder eine Lage Garn, und so Garn und Waidasche abwechselnd, bis 300 Pfund Garn und ohngefähr 60 Pfund Waidasche auf solche Weise in den Kessel eingelassen sind.

(Nach Hrn. Eversmanns Angabe werden auf ein Pfund Garn durch den ganzen Bleichproceß 5/4 <76, 283> Pfund Waidasche gerechnet, und darnach bestimmt sich der jährliche Gebrauch auf 75,000 Pfund für eine Bleiche. Die Consumtion der Asche hängt auch sehr viel vom Wetter ab; denn bey nassen Jahren, wo das Wasser die Lauge bald vom Garne abspühlt, ist der Verbrauch ansehnlicher. „Es kann seyn, [sagte zu Hrn. Eversmann ein Bleicher zu Oberveen] daß ein Regen auf einer Bleiche einen Schaden von 50 Fl. auf einmahl verursacht.)”

Das Netz wird sodann oben über dem Garne zugemacht, eine doppelte Lage Dielen darüber gelegt, und dieselben mit Gewichten beschweret. In dem Zustande muß das Garn drey Stunden stehen bleiben und gelinde kochen; sodann wird es durch Hülfe des Netzes mit einem Mahl herausgenommen, auf eine Karre gesetzt, herausgefahren, auf der Karre mit Wasser übergossen, von derselben abgeworfen, umgedreht und mit Wasseraufgießen fortgefahren, bis das, was abläuft, von dem im Garn stehenden Unrath nicht mehr gefärbt ist; es wird alsdann hingelegt, und nach dem Erkalten kommt es in die Tubben zum Büken. Hier weicht die hiesige Einrichtung schon ganz von der deutschen ab; denn, statt daß man im Bergischen, in der Grafschaft Mark und in Schlesien nur einen Bükzober hat, so sind hier vier kleinere, jeder zu 300 Pfund Garn, wovon zwey durch einen Laugenkessel (Laugenpott) und einen Büker bestritten werden.

Nach der Bergischen Manier wird das Garn, nachdem die Sortirung geschehen, in einer gewissen Quantität, je nachdem die Einrichtung der Bleiche und das Capital es erlauben, mit einer verhältnißmäßigen Menge von Pottasche, z. E 4 Cent. mit <76, 284> 60 Pfund Pottasche zwölf Stunden lang eingeweicht. Das Garn wird ganz lose zusammengedrehet, und schichtweise in einem besondern großen hölzernen Gefäße mit warmen Wasser eingeweicht, und die Pottasche ebenfalls in ein kleineres eingelegt, und mit warmen Wasser überschüttet, verschiedene Mahl umgerührt, damit sie klein werde und sich mehr mit dem Wasser vereinige, und zur Lange gemacht. In den großen Bleichkessel wird sodann auf dem Boden ein Rost oder Gitter von Weidenholz gelegt, und das Garn darauf gethan, damit es nicht unmittelbar auf dem Boden zu liegen komme. Die Lauge wird nun aufgeschüttet, und, wenn man nicht zulauget, mit Wasser verdünnet, Feuer untergemacht, und das Garn mit der Lauge 12 Stunden lang gekocht.

Zu vier Centnern Garn gehört ein Kessel von ohngefähr 700 Kannen. Beym Kochen muß man sehr dahin sehen, daß das Garn im Kessel immer mit Lauge überdeckt sey; denn steht die Lauge nicht darüber her, und es wird trocken, so bekommt es Brandflecke, die im Anfange, wenn das Garn noch grau ist, schwärzlich aussehen, auf der Bleiche aber sich in eine rostgelbe Farbe verwandeln, und nie wieder vollkommen ausgehen. Um das zu verhindern, geht oben im Kessel eine eiserne Stange quer herüber, welche fest gemacht werden kann, und das Garn auf die Art niederhält. *

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Es wäre allemahl besser, wenn die Stange von Kupfer oder einer andern Materie wäre. -- Denn es ist bekannt, daß nasse Wäsche, wenn sie nur kurze Zeit an das Eimerseil, oder an einen eisernen Nagel kommt, sogleich Eisenflecke erhält, die sehr schwer ausgehen.

Ehedem waren die Kessel von Kupfer, da man aber das Garn mit einem eisernen zugespitzten Pfeil <76, 285> herausnehmen muß, *

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Auch hiezu wäre ein hölzernes Instrument besser.

und es öfters geschah, daß das warme Kupfer damit verletzt wurde, so bedient man sich jetzt durchgängig der Kessel von Schwarzblechen.

Nach 12 Stunden wird das Garn aus dem Kessel herausgenommen, in klarem Wasser, so in einem steinernen Behälter, die Wäsche genannt, sich gesammelt hat, ausgewaschen, ausgerungen, geschüttelt, daß die Fäden nicht an einander kleben, und dann zum Büken in die Böde (Bauchzober) eingethan. Beym Ausringen muß die Vorsicht beobachtet werden, daß das Garn nicht zu trocken und auch nicht zu naß sey; denn im ersteren Falle nimmt es zu viel, im andern zu wenig Lauge an. Darauf wird es auf eine lange Bank über einander gelegt, nach einiger Zeit wieder auseinander genommen, geschüttelt, und zu halben Paaren dergestalt in die Böde gelegt, daß Faden an Faden so gleich und eben als möglich an einander zu liegen kommen.

Die Böde ist eine große hölzerne Wanne, die die Figur eines verkürzten umgekehrten Kegels hat; sie hält oben gemeiniglich 7, und unten 3 1/2 bis 4 Fuß im Durchmesser, und ist 2 1/2 Fuß hoch, und mit einem hölzernen Deckel versehen. Das Garn liegt in derselben auf einem Gitter von Weidenholz, und ist mit einem groben leinenen Laken überdeckt, der die groben Theile der Lauge zurückhält, und auf des Bükers Seite, wo die Lauge aufgeschüttet wird, ist ein doppeltes, dicht geflochtenes Gitter von Weidenholz angebracht, damit die Asche durch die Gewalt des Aufgießens nicht auf eine Seite geschoben werde.

<76, 286>

Man muß vier dergleichen Laken haben, die von verschiedener Dichtigkeit sind, da denn beym letztern Büken feinere genommen werden.

Zu einem Buk gehen 5 bis 6 Viertel Berliner Maß Holzasche, die in dem Bukkessel, (Hütten= oder Laugenpott,) von gegossenem Eisen gekocht werden. An manchen Orten wird die Asche unmittelbar über das Büklaken gethan, und im Laugenkessel nur bloß Wasser gekocht, das sodann über die Asche gegossen wird, wie es in Schlesien der Fall ist. Wenn die Lauge anfängt oben Wellen zu werfen, so wird sie mit einem Gießfaß herüber in die Böde geschüttet, da sie denn durch alles Garn durchläuft in dem unter dem Zober angebrachten steinernen Behälter sich sammlet, wieder in den Kessel hinzu gethan, der Deckel des Bükfasses aufgedeckt, und, sobald die Lauge wieder anfangen will zu sieden, das Aufgießen von neuem wiederholt, und so lange damit fortgefahren wird, als die Lauge noch einige Kraft äußert, welches denn gemeiniglich 18 Mahl in einem Buk geschehen kann. Zum Sieden oder Kochen läßt man sie nie. Die Lauge, so zuerst abfließt, wird nicht doppelt gebraucht; man läßt sie fließen, weil sie mit so vielen Unreinigkeiten aus dem Garne vermischt ist; das gilt aber nur von den vier ersten Aufgüssen, nachdem das Garn grob oder fein ist. In einem Tage werden drey Büken gemacht.

Ich komme wieder zu der holländischen Garnbleiche zurück. Die Laugenpötte sind von Kupfer, von der Größe als die bergischen, und zu einem Büken werden ohngefähr 30 Pfund Waidasche genommen, die in den Laugenkessel nur oben auffallen darf. Anfangs wird die Lauge nur bloß über das Garn hingegossen, nachher aber, wenn ein Paar <76, 287> Eimer aufgegossen sind, wird ein dickes haarnes Tuch darüber gelegt, und darauf die Lauge geschüttet. Des Tages werden 15 bis 16 dergleichen Bücken gemacht, das heißt: sie werden so viel Mahl angefüllt und ausgelegt. Die Lauge, welche unten durchläuft, wird wieder in den Laugenkessel gegossen und so von neuem damit gebükt. Ein und das nähmliche Stück Garn erhält in 14 Tagen zwey bis drey Büken.

Das, was in dem Kessel zurück bleibt von den 30 Pfund Waidasche, wovon nunmehr die beyden Bükzober von jedem Kessel genugsam gebükt worden sind, wird in große Zober oder Bottiche von eben der Art aufbewahrt, Wasser darüber gegossen und so stehen gelassen, damit die in derselben zurückgebliebenen alkalischen Theile noch aufgelöset werden können. Es wird dieses zu drey verschiedenen Mahlen wiederholet; alsdann wird erstlich die aus dem Laugenkessel kommende Asche in verschiedene Bottiche eingethan und eine Infusion darüber gemacht; hat sie eine Weile darin gestanden, so wird die herausgezogene Lauge angewendet, und es kommt neue Asche hinein, die alle in einen andern Bottich und zuletzt in den dritten geschüttet wird; kommt sie da heraus, so sammelt man sie auf einem Haufen, und sie ist alsdann ganz geschmacklos, und wird zu keinem andern Gebrauch dienlich gehalten, als auf die Wege gestreut zu werden.

Wenn das Garn seine letzte Büke bekommt, so muß die Lauge im Anfange, da das Garn in die Böde kömmt, nicht zu heiß übergegossen, sondern mit einer schwach erwärmenden Lauge angefangen, und dann nach und nach die Hitze vermehrt, und heißer aufgegossen werden; denn man hat bemerkt, je weißer das Garn wird, desto mehr Kälte nimmt <76, 288> es an. Würde nun das weiße kalte Garn mit der ersten Hitze zu heftig angegriffen, so würde es von der Lauge gelb werden.

Das Garn wird aus dem Bükzober unter den Händen der Büker weggenommen und ausgerungen, welches durch eine besonders dazu eingerichtete Maschine geschieht, und nun kommt es auf die Bleiche.

Hier wird es nicht mit Bleichstöcken, wie im Bergischen und Märkischen geschieht, aufgelegt, sondern der Bleicher nimmt die Stränge und zieht sie von einander, läuft die Schränke (Fäden, womit das Garn gefitzt ist, deren am Strange bey groben Sorten zwey, bey feinern drey sind), schnell auf, und legt es dann Strang für Strang auf dem Rasen aus, daß es mit der Linie der langen Kanäle des Bleichfeldes ohngefähr einen Winkel von 45 Grad macht. Dieser Umstand ist nicht so ganz unwesentlich, wie er zu seyn scheint, weil der Grund davon der ist, daß alles Garn das Wasser, und folglich auch die Lauge länger an sich hält, als wenn es ganz unter einem rechten Winkel mit den Kanälen läge, und weniger, als wenn es ganz parallel liegt. Es wird, wie gewöhnlich, mit leichten Gießern (Göten) gewässert, und darauf weiter auf die beschriebene Art mit Büken und Auslegen fortgefahren. Es bleibt das Garn, nachdem es mehr oder weniger fein ist, drey, vier, auch wohl fünf Tage auf dem Rasen, wobey denn auch natürlicher Weise mit auf das Wetter gesehen werden muß.

Die Bleichknechte dehnen das Garn ebenfalls nicht aus, wie die deutsche Manier ist, sondern suchen es nur so viel wie möglich aus einander zu machen, daß die Fäden nicht sehr an <76, 289> einander kleben, welches leicht zur Fäulniß Anlaß geben kann.

Auf der Bleiche empfängt der Meisterknecht das Garn von den Schultern der Knechte, die es heraustragen, nimmt es aus einander, steckt den Bleichstock durch, reihet die Faden so viel von einander, als möglich, steckt den zweiten Bleichstock alsdann auch hinein, ziehet es mit Hülfe eines Arbeiters von einander, und legt es auf den Rasen nieder. Diese Bleichstöcke müssen zum Nachtheil der Forsten aus gerissenem jungen Eichenholze seyn, daran kein Splint seyn darf, denn dieser und jedes andere Holz würde durch die beständige Nässe an zu faulen fangen und das Garn verderben.

Jetzt geht die eigentliche Arbeit der Knechte an, die das Garn mit langen hölzernen Schaufeln immer begießen müssen, sobald es beynahe trocken ist. Ein geübter Arbeiter kann mit einer solchen Schaufel über 60 Fuß weit gießen. Es geschieht dasselbe gegen einander auf beyden Seiten der Betten, (Güsse), wo das Garn auflieget; wenn also auch die eine Seite widrigen Wind hat, so ist er doch der andern günstig. Das Garn bleibt auf der Bleiche 8 bis 10 Tage liegen, nachdem das Wetter gut oder schlecht, und die Arbeit geringe oder überhäuft ist, alsdann wird es von der Bleiche abgenommen, und wieder gebückt. Jetzt sagt man erst: das Garn hat den ersten Bleichebuck bekommen; der, so vor dem Auslegen der Bleiche hergehet, wird also nicht gerechnet, wenn die Anzahl der Bücke die ein Stück Garn bekommen hat, angegeben wird. Diese Bleichbücke müssen 9, 10 bis 12 Mahl wiederholet werden, ehe es seine vollkommene Weiße erhält, je nachdem das Garn grob oder fein ist.

<76, 290>

Wenn das Garn eine gewisse Weiße erreicht hat, so kommt es in die Molken, die der benachbarte Landmann herzuführet. Zu dieser Bearbeitung ist eine besondere Anstalt bestimmt. Auf der Bleiche die Herr Eversmann sah, war es ein Theil des Bleichhauses, so mit Klinkern (eine besondere Art von Mauerziegeln) gepflastert war. An den Wänden herum befanden sich 9 tiefe Bottiche in der Flur versenkt, und in der Mitte standen 4 auf der Flur. Das Garn wird, nachdem es vorher einige Mahl durch die Molken gezogen worden, in diese Gefäße hineingebracht, darüber eine doppelte Bretterlage gelegt, und dieselbe durch Streben fest auf das Garn gepreßt. In diesem Zustande bleibt es so lange, bis die Gährung vorbey ist, das heißt bis der Schaum, der sich über den Molken, wie beym Gähren des Bieres, ansetzt, nieder geht, welches gemeiniglich 8 Tage dauert.

Hierbey muß man sich wohl in Acht nehmen, daß man nicht vor der Zeit, bis die Gährung vorbey ist, sie störet, etwa durch Rühren darin oder dergleichen; denn alsdann geht das Häutchen, welches sich auf der Oberfläche angesetzt hat, sogleich nieder, und die saure Gährung geht zur faulen über, die dem Garne höchstnachtheilig ist. Das Zimmer, wo die Gährung vorgeht, muß immer sehr warm seyn, damit sie besser von Statten gehe.

In die Molken kommt das Garn drey bis vier, auch wohl fünf bis sechs Mahl, wenn es recht weiß werden soll. Es wird erst mit Füßen hinein getreten, und dann gleich fest gepreßt, so wie es stehen bleiben muß, da denn die Molken über die Bretter hinaustreten, und ruhig stehen bleiben.

<76, 291>

Das Garn wird nach der Zeit herausgenommen, und auf die Wäsche gebracht; dies ist ein in der Erde gemachter Abschlag von Holz, am Ende der Bleiche, vor dem Bleichhause, mit einem Dache, und zweyen Schützen versehen, durch deren einen das Wasser von den Bleichgräben herein, und durch den andern das gebrauchte abgelassen wird. Denn es ist überhaupt ein nothwendiges Erforderniß bey einer guten Garnwäsche, daß das Wasser, beständig seinen Abfluß habe, und sich immer klären könne. Das Garn kann im entgegengesetzten Falle nicht gehörig gespühlt werden, und der Unrath, der aus demselben herausgekocht ist, und noch zum Theil daran hängt, setzt sich zu Boden und hängt sich wieder von neuem an, fault, wenn das Garn auf der Bleiche liegt, und verursacht Flecke und weiche Stellen.

Diese Arbeit der Garnwäsche, oder wie unsere Hausmütter auch sagen, des Garnspühlens, verrichten bey den dortigen Bleichen Weiber, die dabey in besondern Kasten liegen, welche im Vorderbrette einen Ausschnitt haben, wo sie sich mit dem Bauche hinein legen. Einen solchen Kasten stellt die PfeiliconFigur 4481 vor. Es sind diese Waschkasten sehr vortheilhaft für die Frauen, indem sie sich mehr trocken halten können, und daher verdiente solches mehr nachgeahmt zu werden, als es jetzt geschieht, denn sie sind bey weitem nicht allgemein bekannt und im Gebrauche.

Die letzte Arbeit der das Garn auf der Bleiche unterworfen wird, ist das Bläuen, das heißt: Es wird durch Wasser, worin blaue Farbe und eine Quantität spanische Seife aufgelöset ist, etliche Mahl durchgezogen, und mit den Händen ausge<76, 292>rungen, nach welchem Proceß es gepackt, gewogen, und den Kaufleuten und Fabrikanten in Harlem geschickt wird.

Was die Bleichfelder selbst betrifft, so ist bey den besten, dicht unter den Dünen, die PfeiliconFigur 4482 mit A bezeichnet sind, ein 5 Fuß breiter Graben gezogen, B. C. in welchen das Wasser hinein tritt, das aus dem Sande wie Quellen heraus kommt, wie reines Wasser schmeckt, und nicht den geringsten salzigen Geschmack, den die benachbarte See etwa bewirken könnte, an sich hat. Aus diesem Graben, in welchem auch bey der größten Dürre das Wasser gleich groß bleibt, tritt es durch kleine Schützöffnungen in andere Gräben B, D. E, F. G, H. I, K. L, M. die zwey und einen halben Fuß breit sind und die Bleiche der Länge nach durchschneiden; aus diesen wird es durch die Bleicher rechts und links auf das Garn gegossen; unten quer vor ist wieder ein breiter Graben D F H K, aus dem das Wasser bey K in das Waschhaus N gelassen werden kann, und aus diesem Behälter sind auch Röhren ins Bleichhaus O, zum Behuf der Büke gelegt. P ist eine 3 1/2 Fuß erhabene Terrasse, wo das Garn, wenn es aus den Bläuen kommt, auf Seilen, die an Pfählen befestigt sind, getrocknet wird. Der Boden zum Bleichgrunde ist eine lockere Rasenerde, mit dem schönsten kurzen Grase bewachsen, das durch die Lauge immer von neuem Wachsthum und Grüne erhält. Das Wasser ist ganz klar, hält Barsche und andere Flußfische, und erzeugt verschiedene Wasserkräuter. Die Beete des Feldes sind sehr wenig und fast gar nicht erhöhet, und 50 bis 60 Fuß breit.

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Ein Beweis, daß eine wichtige Sache der Dünenbleichen in der Vortrefflichkeit ihres Wassers besteht, erhellet daraus, daß eine halbe Stunde davon bey Haarlem zwey Bleichen angelegt sind, die mit diesen alles, bis auf das Wasser überein haben, und lange nicht so gut bleichen.

Die Waidasche wird auf einer gegossenen eisernen, oder auch einer steinernen Platte von einem Arbeiter mit einem hölzernen Schlägel zerschlagen, aber nicht ganz fein, sondern in Körnern von der Größe wie Buchweizen, welche durch ein kupfernes Sieb mit runden Löchern durchgesiebt werden. Damit aber auch diejenigen meiner Leser, welche die Waidasche nicht genau kennen, wissen, was sie sey, so füge ich diesem noch hinzu, daß sie nicht aus der Asche der Waidpflanze noch des Weidenbaumes, (sie wird auch Weidasche geschrieben,) sondern aus calcinirtem Weinhefen bestehe, und diesen Namen nur deswegen führt, weil sich die Waidfärber derselben bedienen. Wenn sie gut seyn soll, muß sie frisch und in großen Stücken seyn, auch eine grünlich weiße Farbe, und salzig bittern Geschmack haben. Das Weitere hievon wird man an seinem Orte unter Pfeil-IconWaidasche einst nachlesen können.

Pottasche wird hier zum Garnbleichen gar nicht gebraucht, und auch die Lauge von der Waidasche ist, wie man aus dem Vorigen gesehen hat, nur schwach; gekocht sieht sie grün aus.

Die Dauben (Doeven, Stäbe) der Bükküben sind norwegisches Tannenholz, welches so gesägt werden muß, daß der Schnitt mitten durchs Herz geht; und nur die Diele, in der das Herz ist, kann zu Dauben gebraucht werden; die andern aber werfen sich, oder vergehen auch bald.

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Die Maschine zum Ausringen des Garns muß noch näher beschrieben werden. Man sehe die PfeiliconFigur 4483. Eine von dünnen, pfeifenstieldicken Stricken geflochtene Matte *

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Diese Matten werden in Haarlem gemacht, und sind, wenn die Büker sie bekommen, nur ganz einfach, wie grobe Leinwand gewebt; alsdann ziehen sie aber noch zu mehrerer Festigkeit doppelte dicke Fäden der Länge nach durch. und auch vier der Quere, welche die vier Litzen ausmachen, womit man sie zusammen hakt.

wird durch den eisernen Ring a und b durchgesteckt und mit den Enden umgelegt. Auf sie wird ohngefähr 1 Cent. Garn aus der Böde gepackt und mit zwey eisernen Haken und Krampen die auf jeder Seite befindlichen Litzen c d e f zusammengehakt, und so die Matte mit dem Garn in eine Wurst zusammen gezogen. Die eiserne Krampe, oder Ring b ist in der stehenden Säule g fest; der an der gegenüber stehenden Säule macht die Achse des Tretrades F aus, welches ohngefähr 8 Fuß hoch, und von 8 zu 8 Zoll auf der Peripherie mit Handgriffen m versehen ist. Die Matte wird durch das Umdrehen dieses Rades zusammen gerungen, und es stellt sich zu dem Ende ein Arbeiter B oben, und stämmt sich mit Kopf und Schultern gegen das gepolsterte Brett C, während daß zwey andere unter ihm durch Auftreten auf die Tritte oder Handgriffe ihre Kräfte mit den Seinigen vereinigen. Unter der Matte sind zwey Bretter dergestalt gegen eiander gelegt, daß, in der Mitte durch, eine Ritze bleibt, durch welche das ausgerungene Wasser in eine Rinne d hinein, und abläuft.

Die gewaltige Kraft, welche die Leute anwenden müssen, könnte durch eine bessere Verrichtung wohl erleichtert werden. Eine solche Matte kostet 40 Fl. und hält nur ohngefähr zwey bis drey Monathe aus. Wenn sie ausgedient hat, wird sie auf dem großen Kessel, worin das Garn gekocht wird, <76, 295> unter den Deckel gelegt, um denselben besser schliessend zu machen, da sie alsdann auch noch ihre Dienste thut; sie erspart aber sehr viele Mühe, Arbeit und Zeit, die bey dem Ringen mit den Händen hingeht. *

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Unser hiesiges Ausringen des Garnes geschieht gewöhnlich mit starken Stöcken, indem zwey Frauenzimmer die dabey seyn müssen, jede einen Stock zur Hand nehmen, solchen durch das Stück oder die Strehne stecken, und nun beyde mit den Stöcken das Garn umdrehen, doch so, daß die eine rechts, und die andere links drehet, damit das Garn ganz zusammen gepreßt wird. Auf solche Weise läuft auch das Wasser heraus.

Der Zwirn wird, wenn er zum ersten Mahl gedrehet ist, und so roh auf die Bleiche kommt, etwas mehr als halb weiß gemacht, darauf wieder gedrehet oder gezwirnt, und ganz weiß gebleicht. Der mehreren Bearbeitung wegen kostet das Pfund Zwirn zu bleichen 10 Stbr. indem das Garn nur 7 Stbr. kostet, übrigens ist die Behandlung beym Bleichen die nähmliche. Im Monath März wird ausgelegt, und bis zum November hin gebleicht; das grobe Garn bleibt drey, das feine zwey Monathe auf der Bleiche.

Da unsere Hausmütter keine solche Bleichanstalten haben, als vorher beschrieben worden, so nehmen sie ihre Garnbleiche zugleich mit der Leinwandbleiche vor, und es wird nur sehr einfach damit verfahren. Das Garn wird, ehe es zur Bleiche kommt, verschiedene Mahl gekocht, und dieses Kochen geschieht auf folgende Art: Auf dem Boden eines großen Kessels wird gerades Rockenstroh gelegt, darauf eine Lage Garn, dann eine Lage Asche welche gut gesiebt ist, wieder Garn und Asche, bis der Kessel voll ist. Dies alles bedeckt man mit geradem Stroh, und die ganze Masse wird mit Feldsteinen beschweret, damit das Garn beym Kochen <76, 296> sich nicht in die Höhe werfen könne, *

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Es versteht sich von selbst, daß der Kessel voll Wasser gegossen, und wenn solches einkochen sollte, frisches dazu gegossen werden müsse. Wer es haben kann, nimmt gerue ehen das Wasser zum Kochen sowohl als zur Büke, womit es hernach gebleicht wird, weil die verschiedenen Wasserarten sich einander hinderlich seyn sollen.

In dieser Lage kocht das Garn drey Stunden. Ist es hernach im Kessel erkaltet, wird es herausgenommen, rein ausgespühlt, und auf Seilen oder Stangen getrocknet. Ist das Garn völlig trocken, so wiederholt man das Kochen auf vorbeschriebene Art, und alsdann geht es zur Bücke.

Dieses Garnbücken geschieht zugleich mit der Leinwandbücke. Man legt nähmlich das Garn im den Bückzober, oben auf die Leinwand, hierüber ein grobes Laken, (Büklaken oder Ascherlaken genannt, und auf dieses Laken schüttet man die Asche. Ist dieses geschehen, so gießet man zuerst kaltes Wasser darauf -- dann lauwarmes -- darauf heißes -- und zuletzt 4 bis 5 Mahl kochendes darauf, welches aber vor dem jedesmahligen Aufgießen abgezapft, und zum Aufgießen wieder gewärmt werden muß.

Gewöhnlich verrichten unsere Hausmütter solches am Sonnabend. Ist der Bükzober oder die Büktiene wie man im Brandenburgischen spricht, unten am Boden warm, so wird mit Büken aufgehört, der Bückzober oben gut verdeckt, und so läßt man alles bis zum Montage stehen; alsdann wird die Lauge frühe abgezapft, das Garn herausgenommen, und auf den Bleichplatz gebracht. Hier wird ein jedes Stück besonders durchs Wasser gezogen, das heißt, so wie es von der Büke kommt, wird es ins Wasser eingetaucht, und ohne es darin zu schwenken, wieder heraus gezogen, damit nur die stärkste <76, 297> Lauge davon gehe, und naß auf zwey Stangen gezogen, welche auf vier Stützen ruhen, die oben Gabeln haben, wovon zwey unter der einen Stange niedriger sind, als die beyden andern, um dadurch das Begießen zu erleichtern. Man pflückt das Garn sehr gut aus einander. Dieses Pflücken muß überhaupt auch in der Folge oft vorgenommen werden, damit das zusammengeklebte Garn nicht streifig wird.

Sobald das Garn trocken wird, begießt man es, und so fährt man bis Dienstag Abend fort. Alsdann wird es eingeweicht, und zwar in reines Wasser, worin es die Nacht über steht, wo alsdann das Wasser schon die mehresten Unreinigkeiten herauszieht, welches auch seine braune Farbe zeigt. An der Mittwoche Morgen schwenket, klopfet und spühlet man das Garn in reinem Wasser aus, darauf bleichet man es wieder bis zum Freytag Abend, wie vorher. Man weicht es nun wieder ein, und klopft es am folgenden Morgen ebenfalls so wie an der Mittwoche aus, läßt es völlig trocknen, und bringt es nach vorbeschriebener Art wieder auf die Büke.

Das wiederholt man fünf bis sechs Wochen hindurch mit dem Garne, weil aber die Leinwand nur drey bis vier Mahl gebükt wird, so muß man mit dem Garne zuletzt besondere Bücken anstellen.

Anmerkungsweise muß ich hier noch anführen, daß kein Garn gekocht, gebükt oder gebleicht werden könne, wo es nicht zuvor von den Spulen wieder herunter gebracht worden ist. Befindet das Garn sich lange auf der Spule, besonders bey denen die naß spinnen, so stockt es sehr leicht. Die Spinnerinnen haspeln oder weifen daher so bald als möglich ihr Garn ab, damit es austrockne. Man hat verschiedene Arten von <76, 298> Haspeln oder Weifen, die zum Theil ihre gewisse Größe oder Weite haben müssen; ich will aber nur die gewöhnliche Art anzeigen, und diese siehet man in der PfeiliconFigur 4484 wo der Haspel selbst mit aufgewundenem Garne, und auch der mit f bezeichnete Haspelstock zu sehen ist. Uebrigens aber sehe man Encyklopädie Th. XXII. Pfeil-IconS. 226, den Artikel Pfeil-IconHaspel.

Einen Aberglauben muß ich hiebey noch rügen, der in der gestriegelten Rockenphilosophie S. 16. fgg. angezeigt worden; nähmlich: es glauben manche Weiber, wenn sie Garn sieden, daß solches nicht anders gut weiß werden könne, wo sie nicht tapfer dabey lügen, eben so wie solches vermeintlich beym Lichtziehen geschehen müsse. Der Verfasser des angeführten Buches sagt:

Klassifizierung: 398.9 SprichwörterDDC-Icon „Wer von sieben redet, der lügt gern, und hier trift es gleich so ein, daß das siebente Capitel von Lügen handelt. Es ist dieses ein vortreffliches Mittel zum Garnsieden, daß es weiß wird, denn es kostet nicht viel, und kann jeder, wer dazu kommt, etwas beytragen, weil nach der Schrift alle Menschen Lügner sind, und der Teufel ist der Meister darunter. Nun aber ist bekannt, daß der Teufel ein Tausendkünstler ist, der aus schwarz gar leicht weiß machen kann. -- -- Wenn denn nun die Weiber bey ihrem Garnsieden, dem Teufel zu Liebe, brav Lügen sagen, wäre es denn Wunder, daß dieser ihnen wieder den Gefallen erwiese, und das Garn weiß machte; allein, weil es Lügen sind, so wollte ich bald sagen, es sey nicht wahr, daß davon das Garn weiß würde, jedoch kann es auf folgende Weise wohl eintreffen, nähmlich: man pflegt im gemeinen Sprichworte wohl zu sagen: Mit Koth wäscht man sich nicht weiß; aber hiebey muß das Sprichwort zur Lüge werden, und heißt vielmehr: Mit Koth wäscht man weiß. Denn man bedenke, wie häßlich das Garn mit der Asche zugerichtet wird, wenn es damit eingeäschert und gesotten wird, und dennoch ist die Asche das Mittel, damit das Garn <76, 299> gereiniget werde.” (Man braucht zur Weiße des „Garns ja sogar Kuhmist. --

„Ob nun aber dieses die rechte Ursache ist, warum die Weiber bey dem Garnsieden lügen, will ich so gewiß nicht behaupten, und daher noch einige Muthmaßungen mit beyfügen, nähmlich: erstlich zweifle ich nicht, es habe etwa einmahl ein Weib das andere gefragt, oder auch die Kunst aufschreiben lassen, wie man das Garn schön weiß siede; da nun die Meisterinn solcher Wissenschaft schreiben wollen; daß gute Laugen das Beste dabey thun müssen, mag sie aus Versehen den Buchstaben a in dem Wort Laugen vergessen, und nicht mit in das Wort gesetzt haben, so ist es für Lügen gelesen worden. Wenn nun die andere die Kunst mit Laugen zugleich probieret hat, und das Garn ist weiß worden, so hat sie denen Lügen die Kunst allein zugeschrieben, und ist dieses hernach zu einem Artikel ihres Glaubens gemacht worden.”

„Zum andern, kann ich selbst Zeugniß geben, daß mit gewisser Condition diejenigen Weiber, welche gut lügen können, weißer Garn machen, als die ehrlichen und aufrichtigen, nähmlich, ich erinnere mich, daß in Dresden bey einem wohlhabenden Kaufmann die Magd Garn sotte; da nun das Garn ungewöhnlich schön weiß wurde, und der Herr die künstliche Magd fragte, was sie für einen Kunstgriff hätte? anwortete sie mit einer klugen lächelnden Miene: Dieses wäre eine Wissenschaft, welche sie von einer Steuermannsfrau gelernt, und sie hätte ihr fast einen Eid schwören müssen, daß sie es niemanden weiter sagen wollte, redete demnach ferner mit ganz leiser Stimme zum Herrn: es bestände die ganze Wissenschaft darin, daß sie Asche von büchenem Holz dazu nehme, und dieses glaubte der Kaufmann; es war aber eine Lüge, denn des Tages zuvor hatte ich die Magd einen ganzen Riegel Seife schaben sehen, die sie zwischen das Garn mit eingestreuet hatte.”

Obige Erklärung, daß dieser Aberglaube von einem Schreibfehler herrühren mag, kann wohl Statt finden, indem solches nicht unmöglich ist; indessen, ich will doch auch meine Meinung sa<76, 300>gen. Man wird aus dem Anfange des Artikels Pfeil-IconLein ersehen, daß der Gebrauch der weißen Leinwand sehr alt ist, so wie auch niemand das hohe Alter der deutschen Sprache, und ihre verschiedenen Mundarten leugnen wird. Verschiedene Mundarten und Wörter sind aber schon seit Jahrhunderten in unserer hochdeutschen Sprache nicht mehr, und befinden sich hin und wieder in einigen Provinzen in der gemeinen Sprechart nur noch. Dies ist auch der Fall bey dem alten deutschen Worte Lugen, welches so viel als sehen, schauen, Achtung geben, heißt. Eben dieses Wort heißt in der Oberpfalz lauen. Es kann also in gewisser Hinsicht das Recept ganz richtig geschrieben worden seyn, wenn auch darin gestanden, daß man beym Garnsieden gut lugen, d. i. Acht geben müsse.

Eben diese Vorschrift kann schriftlich oder auch gedruckt in eine andere Provinz gekommen seyn, wo die Leser das Wort Lugen nicht gekannt, und es also für lügen verstanden haben, besonders, da in einigen niedersächsischen Gegenden auch noch immer im Platten statt lügen, leegen und lugen gesagt wird, welches altes Deutsch ist. Daher sagt Ottfried:

Vuartet ju joh harto fon forasagon luggen,
hütet euch ja sehr von prophetischen Lügen;

und es ist also hier wohl mehr auf Mißverstand des Wortes, als auf einen Schreibfehler zu rechnen. Uebrigens wird man in den Artikeln Pfeil-IconLugen und Pfeil-IconLügen ein mehreres zur Berichtigung meiner Meinung finden.

Leinengeräthe Klassifizierung: 648.1 Waschen und verwandte TätigkeitenDDC-Icon Klassifizierung: 640.4 Einzelne Aspekte der HauswirtschaftDDC-Icon , begreift alles leinene Zeug, welches zur menschlichen Bekleidung und sonst zum nöthigen Gebrauch in die Haushaltung gehört. Eine Hauswirthinn muß vom Leinengeräthe so viel Vor<76, 301>rath anschaffen, als möglich ist, damit es desto seltner und etwa des Jahres nur drey oder viermahl gewaschen werden darf. Das heißt aber nicht, daß man die Wäsche mit dem Schmutze so lange auf einander in dem Schwarzzeugkasten liegen lassen soll, wodurch sich der Schmutz einfrißt, und das Leinenzeug schwer wieder weiß zu waschen ist, sondern es ist hier die Rede von der fogenannten großen Wäsche, indem es Häuser giebt, in welchen die große Wäsche nur etwa alle halbe Jahr, oder gar alle Jahr geschieht; und in solchen Häusern ist gewöhnlich der Gebrauch, daß das am Sonnabend zusammengenommene schmutzige Zeug am Montage nur bloß in reinem Wasser ausgeklopft, getrocknet, und alsdann bis zur Wäsche aufgehoben wird. Dieses geschieht auch in kleinern Haushaltungen, und man hat vielen Vortheil davon.

Das häufige Waschen des Leinengeräthes macht nicht allein manche Hindernisse in der Hausarbeit, sondern greift, wie es natürlich ist, auch das Zeug sehr an.

Eine Hausmutter hat ferner Sorge zu tragen, daß das neue Leinenzeug zu rechter Zeit ausgebleicht und nicht verlegen werde, daß der Ort, worin das Leinengeräthe verwahret wird, nicht feucht und dumpfig sey. Auch legt man allerley trockne wohlriechende Kräuter dazwischen, wozu sich die Lavendelblüthe am besten schickt. Sie muß alles im brauchbaren Stande zu erhalten suchen, und jedem in dem Hause, was ihm davon zukommt, zur rechten Zeit geben. Ebenfalls muß sie ein ordentliches Inventarium halten, in welchem jedem leinenen Geräthe, es sey zum Haus= oder Leibesgebrauch gehörig, sein besonderer Titel und Rechnung gegen einander über stehenden Sei<76, 302>ten gegeben wird, so daß man auf der linken Seite den Empfang oder gefundenen Vorrath, z. B. erstlich der Tischtücher anführe, und gewisse Linien ziehe, in welchen der gemeinen und auch der feinen Tischtücher Länge und Breite, soviel von jedem vorhanden, eingetragen werde, *

*
Man pflegt auch wohl die Muster des Zeuges mit anzuzeichnen, damit man solches wisse, wenn etwa eins davon verloren ginge.

wobey denn auch fleißig zu bemerken, wenn solche Tisch= oder Tafeltücher durch neue zugemachte oder zugekaufte vermehret worden. Auf der andern Seite hingegen wird in Ausgabe wieder abgeschrieben, was von solchen abgenutzt, zerrissen, verloren, verschenkt, oder sonst zu anderm Gebrauche angewandt worden; worauf man am Ende des Jahres solchen Abgang von dem Empfange abzieht, und alsdann nachsieht, ob der noch vorhandene Vorrath in allen Stücken mit dem darüber gehaltenen Buche überein kömme.

Beym Waschen des Leinengeräthes muß ebenfalls ein genaues Verzeichniß desjeuigen, was in die Wäsche und auf die Bleiche gegeben wird, gemacht werden, und man besorgt alsdann, daß dasjenige, was in die Wäsche gegeben worden, richtig, wohl gewaschen und gebleicht wieder abgeliefert werde.

In Hinsicht der Güte ist das Leinengeräthe sehr verschieden; es besteht daher entweder aus der sogenannten Haus=und Rollwäsche oder Stärk= Plätt=und Bügelwäsche. Rollwäsche nennt man, was von gemeiner Leinwand gemacht, und nach dem Waschen nur durch die Rolle, Mangel (Mandel an einigen Orten) oder dergleichen mehr wieder glatt gemacht wird. Stärk= oder Bügelwäsche aber besteht in dem klaren, zarten, weißen <76, 303> leinenen oder baumwollenen Geräthe, welches man stärket und hernach plättet oder bügelt.

Wenn das Leinengeräthe oder die Wäsche von Wagenschmier, Oelschwärze und dergleichen Flecken bekommen hat, darf man solches nicht lange weglegen, damit die Flecken sich nicht zu sehr einfressen, sondern man muß folgendermaßen verfahren: Man nimmt ziemlich fette Lichtschnuppe, schmiert sie dick auf den Ort, daß der Flecken ganz damit bedeckt werde; so läßt man es einen oder zwey Tage stehen: alsdann wäscht man den Flecken von der Lichtschnuppe mit ziemlich heißem Wasser und wohl eingeschmierter Seife wieder aus. Der Flecken geht mit der Lichtschnuppe zugleich wieder aus, so daß man nichts mehr davon siehet. Hiebey ist noch zu merken, daß Butter, wenn sie auf solche Flecken geschmiert wird, die zähe Materie erweicht, so daß sich dieselbe hernach mit warmen Wasser und guter Seife auch sehr gut auswaschen läßt. Gleiche Wirkung wie die Butter hat auch das reine Baumöl.

Es ist häufig der Fall, daß die Wäsche oder das Leinengeräthe mit der Zeit gelb wird. Dieses rühret entweder vom langen Liegen her, wenn die Wäsche gar nicht gebraucht wird, oder von allzu heißem Brennen beym Waschen selbst, welcher letztere Fall bey baumwollenem Zeuge am ersten bemerkt wird. Das gelb gewordene Zeug wird aber auf folgende Art wieder weiß gemacht: Man nimmt Buttermilch, die schon einige Tage gestanden hat und fast versauert ist, diese wird in ein irdenes oder kupfernes, wohl gesäubertes Geschirre geschüttet, darin legt man die gelb angelaufene Wäsche, und läßt sie acht bis zehn Tage darin liegen. Darauf nimmt man sie heraus und <76, 304> wäscht sie mit Seife in laulichem Wasser ab, endlich aber schwenkt und spühlt man sie in reinem kaltem Wasser recht aus, und trocknet sie, wo sie alsdann zum Vergnügen weiß ist. Will man aber eine solche Weiße an dem Zeuge haben, die fast nicht übertroffen werden kann, so wiederhole man diese Procedur noch ein oder ein paar Mahl.

In den Artikeln Pfeil-IconWäsche und Pfeil-IconWaschen wird hierüber weitläuftiger gehandelt werden, zuvor aber kann man auch den Artikel Pfeil-IconLeinenwäsche nachsehen.

Leinen Handschuhe Klassifizierung: 391.04 Kleidung nach BerufsgruppenDDC-Icon Klassifizierung: 391.412 HandschuheDDC-Icon , oder leinene Handschuhe sind entweder Handschuhe von leinenem Zwirn gestrickt oder gewebt, oder es ist auch eine gewisse besondere Art von Handschuhen, deren sich die Binderinnen in der Aernte bedienen. Diese Handschuhe sind so groß als die Hand ist, von Leder, an diesem Leder sind Aermel von Leinewand gemacht, die bis zur Schulter hinauf gehen, und dort sowohl als gleich hinter der Hand festgebunden werden. Mittelst solcher leinenen Handschuhe schonen die in Hemdsärmeln gehenden Binderinnen ihre Hemden, damit diese nicht vom Strohe zerstochen werden, so wie sie überhaupt dadurch sich auch wider die Distelstiche sichern.

Leinen Kanten Klassifizierung: 687 Kleidung und AccessoiresDDC-Icon Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon , oder leinene Kanten, Spitzen, (Points, Déntelles) sind von Nesselgarn oder feinem Zwirn gewebte, oder geklöpfelte, gestochene, gestrickte Gewebe, die zum höchsten Putze der Damen, so wie auch der Herren (zu Manschetten u. d. gl.) dienen. Man hat deren schwarze und weiße. Die weißen leinenen Spitzen oder Kanten sind von verschiedener Sorte und Güte, als Points oder Dentelles d' Alençon, die ihren Nahmen von einem französischen Städtchen dieses Nahmens in der Normandie haben; es sind genähete Spitzen von verschiedener Breite, den Points de Venise ähnlich, <76, 305> und werden sehr stark zu Cour=Roben gebraucht. Points de Bruxelles, Brüsseler Spitzen, sind halb genähete und halb geklöpfelte Spitzen, sie kommen den Points de Venise etwas gleich, sind sehr zart und fein, und erhaben gearbeitet; die Points de Venise, oder venetianische Spitzen, waren genähete Spitzen, die aber jetzt nicht mehr so häufig fabricirt werden, weil die von Alençon sie übertreffen, und noch oben drein minder theuer sind. Profilirte oder grosfädige Spitzen sind eine Art brabanter Spitzen, worin die Blumen mit einem groben Faden eingezogen sind, und ein Relief formiren; sie wurden ehemals von den Damen nebst den Brüsselern zu Kopfzeugen, zu Cour=Roben und anderm Putze häufiger als jetzt gebraucht. Brabanter Spitzen sind ordinäre niederländische geklöpfelte Spitzen von verschiedener Breite, theils glatt, theils bogigt. Mignonetten sind Spitzen, worin ein flacher Faden, welcher das Dessein anzeigt, fortläuft. Man hat diese von verschiedener Breite.

Unter den geklöpfelten Spitzen oder Kanten sind die Brabantischen, die Annabergischen, Marienbergischen und Schneebergischen (aus dem chursächsischen Erzgebirge) die schönsten gewesen. Sie werden insgesamt entweder stückweise oder nach der Elle verkauft. Unter den niederländischen Spitzen schätzte man vor diesem hauptsächlich die von Valenciennes. Man findet zuweilen Garnituren von Spitzen für Frauenzimmer, die mehrere tausend Thaler zu stehen kommen. Die Mode aber ist häufig eine Tyrannin, und wenn gerade die Spitzen oder Kanten im Gange sind, so werden sie theuer bezahlt, hat man dagegen aber wieder anderes Flitterwerk als Modetracht angenommen, so leiden auch die Spitzen= und Kantenmanufactu<76, 306>ren, und man kauft alsdann wieder etwas wohlfeiler. Jetzt z. B. sind sie wieder völlig in Mode, da hingegen man vor einigen Jahren sie als altmodische Dinge betrachtete. Möglichst können sie bald wieder von einer andern Sache verdrängt werden, und müssen dann harren, bis wieder eine vornehme haushälterische Dame ihren Kantenvorrath durchsucht, sich damit putzet und im Publicum erscheinet.

Klassifizierung: 648.1 Waschen und verwandte TätigkeitenDDC-Icon Wenn die Spitzen oder Kanten schmutzig geworden, so können sie nicht als andere leinene Wäsche betrachtet und behandelt werden, sondern man wickelt sie auf ein mit Leinwand überzogenes Brett, bedeckt sie sodann wieder mit feiner Leinwand, nimmt in Wasser aufgelösete Seife, womit das bewickelte Brett naß gemacht wird, nun drückt man unter öfterm Anfeuchten der Kanten das Brett mit beyden Händen so lange, bis kein Schinutz mehr herauskommt. Das Spühlen geschieht gleich nachher mit reinem Wasser auf eben die Art. Jetzt nimmt man sie von dem Brett herunter, und sticht sie mit Nadeln auf ein Küssen, sowohl in die Häckchen als in den Fuß auf die Weise fest, daß sie fast so wie im Rahmen gespannt, sich ausbreiten. (Da dieses eine sehr mühsame Arbeit ist, so muß man jetzt, wenn man feine Spitzen nicht zu waschen versteht, 3, 4 bis 5 Groschen Waschgeld für die Elle geben, je nachdem sie fein sind.) Hierauf tunkt man eine kleine feine Bürste in gekochte Stärke, und überstreicht damit die Spitzen auf dem Küssen. Hierauf läßt man sie auf dem Küssen trocken werden, ohne sie zu plätten, und sie werden überhaupt nicht geplättet, weil solches ihnen einen zu hohen und unangenehmen Glanz giebt, der ihnen das Ansehen der Neuheit benimmt.

<76, 307>

Zu merken ist: Man würde die Spitzen durch das häufige Ausstechen zu Grunde richten, wenn man solches bey jedesmahliger Wäsche unternehmen wollte. Am besten ist daher, man übergeht einige Wäschen, und sticht sie dann wieder auf, wobey die Zäckchen und der Fuß so bleiben, wie es sich gehört. Das übrige und nähere hierüber wird man im Art. Pfeil-IconSpitzen finden.

Klassifizierung: 338.4 Sekundärer Sektor und DienstleistungssektorDDC-Icon Klassifizierung: 914.92 NiederlandeDDC-Icon Klassifizierung: 338.9 Wirtschaftsentwicklung und WirtschaftswachstumDDC-Icon Von den Haarlemer Kantenmanufacturen muß ich aber noch folgendes nach dem Eversmann anführen, da hier gewebte Kanten oder Spitzen verfertiget werden. Es ist eine der ansehnlichsten Manufacturen der Stadt Haarlem, worin man die Kanten oder Spitzen von Garn verfertiget. Als Herr Eversmann Haarlem in technologischer Hinsicht besuchte, waren drey große Fabrikanten daselbst, und außer ihnen noch zwey kleinere, welche zusammen an 200 Gotaue hatten; jedes Gotau beschäftigt an und für sich zwey Menschen -- und von den großen Fabrikanten kann man rechnen, daß jeder durch seine Fabrik in Allem an 250 Menschen Brod giebt. -- Joost Daamsen war damahls *

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Des Hrn. Eversmann technologische Bemerkungen auf einer Reise durch Holland sind 1792 herausgekommen. Man kann also noch etwas vorher rechnen.

unter allen der stärkste; seine Manufactur gebraucht Mährisch, Böhmisch und Münstrisch oder Vollgarn. Vor diesem lieferte Schlesien, und besonders Hirschberg alles Garn, das hier verbraucht wird; die Böhmen und Mähren brachten es dazumahl alles nach Schlesien, und konnten, weil sie das Packen nicht verstanden, auch wohl nicht genug Kaufleute hatten, keine directe Handlung anfangen. Von preußischer Seite soll hierauf ein Verbot ergangen seyn, daß kein Garn ausgeführt werden dürfe. --Die Holländer aber mußten Garn haben, lehrten <76, 308> daher den Böhmen das Packen, und seit der Zeit soll Schlesien ausgeschlossen seyn, und die Spedition des Garns nach Holland völlig verloren haben. *

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Eversmann, a. a. O. S. 81.

Bey diesem Handel nach Böhmen ist die Einrichtung, (füglich aber könnte ich jetzt wohl sagen: war die Einrichtung, und wer weiß, wie lange man noch so zweifelhaft reden muß!! --) daß die Gelder schon bezahlt werden müssen, sobald als die Güter nur in Nürnberg an die holländischen Spediteurs geliefert sind. Man kann sich eine Idee von dem machen, was Schlesien dadurch verloren hat, wenn man bedenkt, daß allein der vorher genannte Manufacturist, Joost Daamsen, alle Jahr an Böhmischen und Mährischen Garn 20,000 Busch verbraucht, (den Busch zu 4 Strängen gerechnet,) solches kostete ihm nach dem damahligen Preise, als Hr. Eversmann die Manufacturen besuchte, 22 1/2 Stbr. Holländ. dort auf der Stelle -- macht auf jenes Quantum die Summe von 22,500 Fl. Holl. Sonst war der Preis eines Busches nur 16 Stbr., aber durch den damahls eingefallenen Mißwachs stieg er zu dieser Höhe.

Man verarbeitet dort Sorten von Garn, wovon das Pfund 2 bis 300 Fl. kostet. Das Vollgarn kommt aus dem Münsterschen; es wird bis Zwoll oder Amersfort auf Landkarren transportirt, und kommt von da weiter zu Wasser bis Haarlem. Die dortigen Fabrikanten ziehen es auf eigne Rechnung, in welcher Absicht sie in den umliegenden Gegenden ihre Aufkäufer und Spediteurs haben. Der Fabrikant Joobst Daamsen braucht jährlich 60 bis 80,000 Stränge von diesem Garne; 14 1/2 Stränge (der Strang zu 7 -- 7 1/2 -- 8, auch 9 Loth,) kommen ihnen zu stehen 50 Stbr. Holl., macht auf 60,000 die Summe von 150,000 Fl.

<76, 309>

Das böhmische und mährische Garn wird gezwirnt und bey den Kanten zu Ketten, das Vollgarn aber zum Einschlage gebraucht; das Garn wird noch gezwirnt, zweydrähtig; wenn es von der Zwirnmühle kommt, läuft es auf, trillet sich zusammen, alsdann kommt es auf die Bleiche und wird gebleicht, von da abermahls auf die Mühlen und wieder gezwirnt, und dann zum zweiten Mahl gebleicht. Dem doppelten Bleichen ist der Vorzug des holländischen Zwirns vor dem deutschen zuzuschreiben, der darin besteht, daß er sich nicht trillet, denn an den Mühlen selbst hat Herr Eversmann keine Abweichung gegen die märkischen und bergischen bemerkt. Das erste Zwirnen geschiehet auf Mühlen von 48 Spillen, und das zweyte auf einer größern von 144 Spillen. Jede Mühle drehet ein Mensch an einer Kurbel.

Die Kanten werden auf Böden gewebt, auf Gotauen, die von 4 bis zu 22 Stück auf einmahl verfertigen können. Man erlaubte Hrn. Eversmann nicht, sie zu sehen; so wie er aber aus der Erzählung geschlossen, haben sie noch die Vollkommenheit, daß sich die fertigen Stücken nicht selbst aufwickeln. Es müssen die Arbeiter der Reinlichkeit wegen auch des Winters auf ihren großen Böden (Sälen), und ohne Ofen oder Kamin arbeiten. Eben diese bey weißen leinenen Waaren so nothwendige Reinlichkeit kann an keinem andern Ort als in Holland, wo Reinlichkeit bis ins Uebertriebene gehet, so wohlfeil bewerkstelliget werden, weil es dem Arbeiter als Holländer schon angeboren ist; und daher kommt es auch, daß andere Gegenden, die dergleichen Anstalten, bey sich zu etabliren unternehmen, nicht fortkommen. So ist z. B. zu Barmen im Bergi<76, 310>schen eine Manufactur etablirt, die die Prisen an den Hemden, woran die Manschetten befestiget werden, fabricirt; sie macht sie von eben der Güte, Feinheit, Muster und Festigkeit als die Haarlemer, allein in der Weiße kann sie diese nicht nachahmen, und das liegt meistentheils an den Kalandermaschinen, *

*
Was der Kalander oder die Kalandermaschine sey, findet man Th. XXII. der Encyklopädie, Pfeil-IconS. 374.

die hier weit reinlicher gehalten werden als dort, obgleich nicht zu läugnen ist, daß nicht auch etwas an der Säurung beym Bleichen liegt, die im Bergischen wegfällt.

Ein gewisser Jobst Damens Pieterzoon hat eine Art von leinenen Kanten herausgebracht, die sonst bey Valenciennes, und in der dortigen Gegend von Frankreich sind gemacht worden. Er hat solche in Proben, mit Beyfügung der originalen französischen dem Harlemer ökonomischen Takk *

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Eine gelehrte ökonomische Gesellschaft, die besonders Landwirthschaft, Fabrik=Manufacturwesen und Handlung zum Gegenstande ihrer Beschäftigungen genommen hat. Sie ist ein Zweig der Maatschappye der Meetenschappen, welche schon seit den 21sten May 1752. in Haarlem existirt.

vorgezeigt, und von demselben unmittelbar die goldene Medaille von 25 Dukaten überreicht erhalten. Sie werden mit dem Nahmen ökonomische Kanten belegt. Der Unterschied von ihnen liegt in der Feinheit des Einschlages, und in der Größe und Art der Zubereitung der Muster.

Leinenlumpen Klassifizierung: 676 Zellstoff- und PapierherstellungDDC-Icon Klassifizierung: 610.28 Unterstützende Techniken und Verfahren; Geräte, Ausstattung, MaterialienDDC-Icon , leinene Lumpen, oder Hadern, sind dasjenige Leinenzeug, welches durch langes Tragen oder Waschen mürbe und abgängig geworden; aber, man wirft solches dennoch in vernünftigen Wirthschaften nicht weg. Noch immer können die Lumpen in den Feldlazerethen auf vielfache Art gebraucht werden, und dann bereitet die Papier<76, 311>macherey durch einfache Mittel aus dieser, fast verächtlichen Sache, in dem Papier eine Waare, die den edelsten Gebrauch hat, und jetzt in großer Menge sowohl in Deutschland, als in andern Ländern ihren völligen Absatz hat. Es wird also der Abgang vom Leinen nach mannigfaltiger Verarbeitung, Umarbeitung, Nutzung und Abnutzung von den theils privilegirten -- theils auch nicht privilegirten Lumpensammlern, zusammen gesucht, aufgekauft, oder gegen Nadeln, schlechtes Band und Kinderspielzeuge eingetauscht, und -- seit dem Anfange des dreyzehnten Jahrhunderts zu allerley Papier umgeschaffen.

Ob nun zwar in den Artikeln Pfeil-IconPapier und Pfeil-IconPapiermühle noch ganz besonders von der Zubereitung der Lumpen gehandelt werden muß, so erfordert doch auch dieser Artikel schon, daß man im Voraus etwas davon sage. Solches ist allemahl das Ereigniß in alphabetischen Werken; indessen soll hier nichts unnützes gesagt werden, und ich will mich kurz fassen.

Das erste Papier ist nicht aus unsern gewöhnlichen leinenen Lumpen, sondern aus Baumwolle gemacht, und den Arabern ums Jahr 704 bey ihren Eroberungen in der Bucharey bekannt geworden. *

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Anleitung zur Technologie etc. von Johann Beckmann. Göttingen, 1796. S. 137.

Durch sie kam die Kunst der Verfertigung ohngefähr im 11ten Jahrhunderte aus Afrika nach Europa. Zu den ältesten europäischen Papiermühlen, von denen Nachricht vorhanden ist, gehört die bey dem Schlosse Fabriano in der Mark Ancona, deren der Jurist Bartolus ums Jahr 1340 gedacht hat, und die zu Nürnberg 1390 angelegte Mühle, wovon man die Nachricht dem Herrn von Muve zu danken hat. Die Geschichte dieser großen <76, 312> Erfindung ist vornähmlich durch eine Preisfrage der Göttingischen Societät der Wissenschaften, und hernach des Hrn. v. Meermann untersucht, aber am gründlichsten und vollständigsten von Hrn. Breitkopf bearbeitet worden.

Der starke Verbrauch des Papiers hat den Preis der Lumpen seit verschiedenen Jahren sehr erhöhet, und mit Recht verbietet man ihre Ausfuhr. In Bremen ward die Freyheit, Lumpen zu sammeln, vor einigen funfzig Jahren, für einen Dukaten, hernach für zehn Thaler, endlich für 65 Thaler in Zweydrittelstücken verpachtet. Jede der beyden Hamburgischen Papiermühlen hat zwo Bütten, und verarbeitet jährlich 3000 Centner Lumpen. Im Hannoverischen sind 34 Papiermühlen, nähmlich 7 landesherrliche und 27 Privatmühlen, unter denen die älteste die im Jahre 1538 zu Lachendorf in der Amtsvogtey Beedenbostel des Fürstenthums Lüneburg angelegte Mühle ist; jedoch sollen auch schon länger dort Papiermühlen vorhanden gewesen seyn. Den jetzigen Mühlen fehlt es nicht an Absatz, wohl aber an Lumpen, vornähmlich an den feinen.

Klassifizierung: 382 Internationaler Handel (Außenhandel)DDC-Icon Die Mühlen zu Bremervörde und Altkloster im Bremischen erhielten schon im Jahr 1622 die Begünstigung, daß alle im Lande gesammelte Lumpen nur ihnen allein verkauft werden durften; und dieses ward ihnen im Jahr 1733 bestätiget. Die Ausfuhr der Lumpen ist im Churfürstenthum Hannover den 26ten Aug. 1769 von neuem verboten, und auf die durchgehenden ist ein Zoll gelegt worden; hingegen ist der Zoll, der sonst von den inländischen Lumpen, die von einer Mühle auf eine andere gebracht wurden, erlegt ward, 1773 aufgehoben worden.

<76, 313>

In der Churmark ist die Ausfuhr der Lumpen schon 1685, hernach 1697, und 1705 verboten worden. Hierauf gründen sich manche nachherige Befehle.

Spanien überließ seine Lumpen ehemahls den Genuesern, und bezahlte diesen noch ihm Jahre 1720 für Papier 500,000 Piaster. Nachher erhielt es viel Schreibpapier aus Angoumois; ob es aber noch zur Stunde geschieht, ist nicht zu bestimmen -- weil der Krieg manches verändert.

Noch im Jahre 1658 bewiesen die Niederländer den Franzosen, daß sie diesen für zwey Millionen Papier jährlich abnehmen, und noch vor einigen 70 Jahren erhielt die Schweitz ihr Papier aus Franche=Comte. Jetzt verkauft der Holländer das seinige, wovon allein in Zaardam, außer den Weibern und Kindern, 600 Menschen leben, über ganz Europa; und seitdem die Ausführung der feinen Lumpen aus Deutschland, Böhmen, und den benachbarten Ländern gehemmt ist, läßt er daraus auf den ausländischen Mühlen Pappe machen, welche er als Waare ausführen darf, und diese läßt er in Zaardam zum feinsten Papiere umarbeiten. Die königliche Familie in Frankreich und die französischen Minister schrieben ehemahls ihre Briefe auf holländischem Papier, und die Holländer druckten noch vor nicht langer Zeit ihre Bücher, sonderlich die von kleinem Format, auf französischem Papier.

England nahm noch im Jahre 1663 aus Frankreich für 100,000 Pfund Sterlinge Papier, und außerdem noch eine große Menge aus Holland; jetzt erspart es sich, durch das Verbot, die Todten in Leinen zu kleiden, jährlich wenigstens 200,000 Pfund Lumpen.

<76, 314>

Wie die Lumpen eigentlich zubereitet werden müssen, damit Papier daraus entstehe, ist hier der Ort nicht zu beschreiben; indessen erlaube man mir noch etwas davon zu sagen. Die Lumpen worden, wenn sie von den Lumpensammlern eingebracht und gekauft werden, auf den sogenannten Haderboden, den Aufbewahrungsort derselben, geschüttet. Die erste Verarbeitung derselben ist das Sortiren. Stück für Stück gehen sie durch die Hände der Weiber, welche die feinern und gröbern Sorten, deren jede zu einer besondern Art feinern oder gröbern Papiers bestimmt ist, aus einander suchen, und in die Körbe vertheilen, zugleich auch, wenigstens bey den feinern Arten, die Näthe auftrennen, und die Faden herausziehen.

Jede Sorte der Lumpen wird alsdann gröblich zerstückt, und dies am vortheilhaftesten mit Hülfe einer Maschine, der Lumpenschneider genannt, welche vom Wasser getrieben wird, und sich in der obern Etage der Mühle befindet. Die Lumpen werden hier zwischen zwey Messern zerschnitten, von welchem das untere fest liegt, das obere aber auf= und abwärts gezogen wird, so daß sich beyde wie die zwey Klingen einer Scheere, beym Auf= und Zuthun derselben berühren. Hinter den Messern befindet sich ein nach vorwärts eingeneigter Kasten, worein die Lumpen geworfen werden, und zu Ende desselben, dicht hinter den Messern, eine Walze, welche im Umdrehen die Lumpen allmählig zwischen die Messer schiebt. Die zerschnittenen Lumpen fallen in einen Trichter, durch eine Oeffnung des Fußbodens in das untere Stockwerk, und hier über ein schräg liegendes in zitternder Bewegung sich befindendes Gitter weg, wodurch sie zugleich von vielem Staube und Unrath befreyet werden, welcher durch das Gitter fällt.

<76, 315>

Dort, wo man noch keine Lumpenschneider hat, werden die Lumpen mit einem breiten Beile auf einem großen Blocke oder Klotze, so wie sie die Schlächter haben, kurz gehackt. Dies Geschäfte verrichten gewöhnlich Tagelöhner, und ich besinne mich, daß vor etwa 30 Jahren ein Tagelöhner durch solches Lumpenhacken, wie man es nennt, nach seiner Art recht glücklich wurde: Er zog unter den Lumpen einen leinenen Kittel hervor, und, so wie er ihn kurz hauen will, merkt er, daß das Beil vorne, wo die Knöpfe gesessen haben, nicht durchhauen will. Er untersucht die Sache, und findet, daß der ehemalige Besitzer des Kittels auf beyden Seiten unter den Knöpfen, von oben bis unten, Ducaten und Pistolen dichte an einander eingenähet hatte. -- Furchtsam entdeckt er dies dem Papiermüller, allein dieser, nun verstorbene edle Mann sagte: Alle Schätze, die er in den Lumpen außer der Materie selbst, fände, gehörten ihm; also nahm er diesen Fund, und kaufte sich dafür ein kleines Häuschen, und blieb ein treuer Arbeiter in dieser Papiermühle, als Lumpenhacker, bis die Landesregierung eine Aenderung mit derselben machte, die Mühle von neuem repariren, und auch einen Lumpenschneider anlegen ließ.

In verschiedenen Papiermühlen hält man es für nöthig, zur Bearbeitung feiner Papiere und Erleichterung der folgenden Arbeiten, die Lumpen, ehe sie weiter bearbeitet werden, zu einem schwachen Grade der Fäulniß zu bringen; allein die Erfahrung lehrt erstlich im holländischen und verschiedenen deutschen Papiermanufacturen, daß ohnedies feines Papier bereitet werden kann, und zweitens entspringen daraus mancherley Nachtheile. Man erhält aus angefaulten Lumpen kein ganz vollkommen wei<76, 316>ßes, auch weniger ungleicheres und mürberes Papier.

Wenn aber je eine Kunst oder ein Handwerk existirt, das bisher ganz in Mißbräuchen ersäuft war, (vielleicht hin und wieder auch noch ist --) so ist es gewiß die der Papiermacher; denn, nebst allen den gewöhnlichen, verderblichen Mißbräuchen, womit beynahe jedes Handwerk überladen ist, findet man bey den Papiermüllern, zum Ueberfluß noch eine Menge anderer, die in Absicht der Papiermanufacturen von den nachtheiligsten Folgen sind. Man sah auch dies schon lange ein, man entwarf 1731 in den Preußischen Staaten ein General=Handwerkspatent, und nach den General=Zunftartikeln von 1739 wurden in Schlesien vor zwey Jahren wenigstens die Lehrbraten untersagt.

Schon im Jahre 1400 entwarfen selbst die Papiermacher in Franken, Schwaben und Baiern ein Project zu einer Handwerksordnung, um dadurch die Abstellung der sie zu Grunde richtenden Mißbräuche zu bewirken; dieses Project wurde aber leider dem Kaiser nicht zur Confirmation überreicht. Zu wünschen wäre, daß der für die Churmark Brandenburg im Jahre 1745 gemachte Entwurf einer Papiermüllerverordnung, nur mit einigen Verbesserungen, die unsern jetzigen Zeiten angemessen wären, sowohl hier als in allen übrigen Provinzen Deutschlands zu besondern, unabänderlichen Verordnungen erhoben würden. *

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Man sehe auch: Schrebers Sammlungen verschiedener Schriften etc. 15ter Th. S. 114.

Wenn nun auf diese Art die die Meister selbst so sehr drückenden Mißbräuche getilgt würden, so dürfte aber auch wohl noch nöthig seyn, den Meistern oder Herrn, wie man sie nennen will, eine Ordnung vorzuschreiben, die sie bey Verfertigung <76, 317> des Papiers nothwendig befolgen müßten. Daß ein Mangel an zweckmäßigen Verordnungen im deutschen Reiche über diesen Gegenstand vorhanden sey -- oder daß zweckmäßige Verordnungen nicht beobachtet werden -- davon überzeugt uns das viele schlechte und doch theure Papier, womit wir überhäuft werden. Es könnte daher nicht schaden, wenn ein weitläuftiges Edict entworfen würde, in welchem zugleich alle Vegetabilien, welche statt der Lumpen zu Papier gebraucht werden können, angezeigt, und deren zweckmäßige Bearbeitung gezeigt würden. Für den Absatz des Papiers sorgt gewiß die schreibselige Welt hinlänglich.

Schon im Anfange dieses Theiles, Pfeil-IconS. 22 fgg. habe ich von den Pflanzen gehandelt, welche statt des Leines zu einem Gespinnste zubereitet, oder mit dem Flachse vortheilhaft vermischt werden können. Alle Pflanzen, welche einen flachsartigen Faden geben, dienen auch zum Papier; es giebt aber deren noch mehrere, die gerade sich nicht zu Leinwand qualificiren, indessen doch recht gut zum Papiere, weil dieses keine langen Faden gebraucht; und über diese Materie verdienen nachgelesen zu werden: Vom Papier, den vor der Erfindung derselben üblich gewesenen Schreibmassen und sonstigen Schreibmaterialien, von Georg Friedrich Wehrs, Halle 1789. Und dessen Supplemente zu diesem Werke. Hannover 1790. Wie auch: Grundsätze der Fabrikpolicey, besonders in Hinsicht auf Deutschland, entworfen von Fr. Ph. Freyh. von Künsberg. Wei mar 1792.

Es ist aber nothwendig, hier noch etwas über die Pflanzen zu sagen, welche statt der Lumpen zum Papier gebraucht werden. Einige dieser sind im Art. Pfeil-IconLein, Pfeil-IconS. 22 fgg. schon angeführt, allein, da sie in Bezug auf das Papier und in der Stelle der <76, 318> leinenen Lumpen eintreten, so ists auch nothwendig, hier davon zu reden, und denen, die dieses Fach zum Besten des allgemeinen Wesens betreiben, Gelegenheit zum weitern Nachdenken zu geben.

Aus Lumpen Papier zu machen, ist heut zu Tage eine bekannte Kunst. Hätte man wohl eine mehr gemeinere Sache anwenden können, als die alten Ueberbleibsel von unsern Kleidungen und abgenutztem Leinenzeuge, die zu nichts weiter gebraucht werden können, und deren Menge sich alle Tage erneuert? Hätte man wohl eine mehr einfache Arbeit aussindig machen können, als die Stampfung der Lumpen, vermittelst der Mühlen? Man erstaunet, wenn man bemerkt, daß diese Arbeit dergestalt schnell von statten gehet, daß fünf Arbeiter in einer Mühle ganz bequem das nöthige Papier zu der unaufhörlichen Arbeit von dreytausend Schreibern verschaffen können.

Es giebt indessen außer dem Papier noch eine Menge von Dingen, auf welche wir schreiben können, und die auch wirklich in verschiedenen Zeiten, und bey verschiedenen Völkern der Welt, statt desselben, gedienet haben. Wir finden die zu diesem Gebrauche dienlichen Materialien in allen drey Reichen der Natur, und es giebt z. B. Tafeln von Bley, Kupfer, Schiefer, Elfenbein und Wachs etc. Die Eingeweide oder das Fell von verschiedenen Thieren, die Faden vieler Pflanzen, Tücher von Leinwand oder Baumwolle etc., die verschiedentlich dazu gebraucht werden. Besonders aber liefert das Pflanzenreich den meisten Stoff zu dem Schreiben, und wir finden schon in den ältesten Zeiten, daß viele Völker sich hierzu die Rinde von Bäumen ausgesucht, andere aber Blätter von Palmbäumen zu diesem Gebrauche genommen haben. Die Römer und Griechen machten das Papier von den Faden <76, 319> einer ägyptischen Wasserpflanze, Papyrus Syriaca & Siciliana genannt. Von dessen Bereitung s. den Schauplatz der Künste und Handwerker 1 B. 1762. S. 303.

Der P. du Halde und andere Schriftsteller lehren uns, daß das sinesische Papier ohne Unterschied aus verschiedenen Arten von Pflanzen gemacht wird. Kämpfer und Seba in seiner Schatzkammer der natürlichen Geschichte unterrichten uns, daß das Papier in Japan aus der zweyten Rinde eines Maulbeerbaumes gemacht wird. Herr de la Loubere sagt, daß die Siameser aus alten Lumpen von baumwollenem Zeuge, oder aus der Rinde eines Baumes, der in diesem Lande Toncoë heißt, verfertigen. Flacourt beschreibt die Art, mit welcher die Einwohner zu Madagascar das ihrige aus einer Art von Pappeln machen, die sie Avo nennen. Endlich erzählen alle Reisende sowohl von Ostindien, als von Amerika auf eine überzeugende Art die Vortheile, mit welcher man den Palmbaum zu verschiedenen Geweben nutzet, und ohne Zweifel würde es leicht seyn, auch Papier daraus zu machen.

Die meisten Pflanzen scheinen aus nichts, als aus in der Länge liegenden langen Zasern zu bestehen, die mehr oder weniger dichte auf einander liegen, und deren Zwischenräume mit einer andern Substanz ausgefüllet sind. Von dieser Art sind diejenigen, welche die Kräuterkenner in die Classe der palmartigen, der grasartigen, der lilienartigen und der flachsartigen setzen.

Die Classe der palmartigen ist eine von denenjenigen, welche den Ost= und Westindianern am meisten zu ihrer Kleidung, zum Seilwerk, zu Segeln der Schiffe, und zu anderem häuslichen Gebrauche gedienet hat. Fast alle Theile dieser Bäume <76, 320> sind hierzu angewendet worden, ob man schon nicht ohne Unterschied alle Theile ebendesselben Baumes genommen hat. Diese Völker haben von dem Palmbaum, der bey ihnen wächset, dasjenige erwählet, was er zu ihren Absichten und Arbeiten am dienlichsten hatte. In dem einen hat man die erste Frucht des Palmbaums erwählet, die vor der Blüte vorhergehet, und die rechte Frucht umgiebt, ehe sie reif wird, oder diejenige, welche die jungen Blätter unterstützet. An andern hat man das rauhe Wesen genommen, welches die Frucht umgiebt. An andern Arten von Palmbäumen hat man die jungen und zarten Blätter erwählet: und wieder bey andern hat man endlich die Rinde vorgezogen.

Von dem Cocosbaume hat man die Frucht, die äußere Schale derselben, die Blätter und die Rinde, nach dem Berichte der Reisenden, darzu genommen. Rumphius in seiner Geschichte der Pflanzen von Amboina sagt eben dieses von dem sogenannten Calapa. Der Pinanga, der wilde Lontarus, der Tecum, der Hacum, der Wanga, welches andere Arten der Palmbäume sind, liefern in ihren Blättern einen mehr oder weniger feinen Faden, dessen sich diese Völker bedienen, um Gewebe daraus zu machen. Sie haben sogar die Blätter des Hacum und des Soribi zubereitet, um sich derselben anstatt des Papieres zu bedienen.

Wenn man der Pflanzenhistorie des Ray glauben darf, so schließet der Cocos in seinem Kern ein Buch Papier von funfzig bis sechszig Blättern in sich, auf welche man schreiben kann. Es hat mit diesem Papiere des Cocosbaumes eben die Bewandtniß, als mit demjenigen, das man mitten in einer Frucht in Peru findet, davon Herr Frezier in seiner Reise nach dem Südmeer redet. Dieses will wahrscheinlich soviel sagen, daß der Kern des <76, 321> Palmbaums, und das Fleisch dieser Frucht sich bequem in Blätter von einander absondern läßt. Die schönen künstlichen Blumen, die man aus Sina bringet, werden von einer Art eines Fliederbaumes gemacht, und man hat Bücher gesehen, die aus der Wurzel einer Art von Pappeln gemacht sind, wozu keine andere Arbeit erfordert wird, als daß sie in Blätter von einander abgesondert, und mit Geschicklichkeit getrocknet werden. Man hat zu eben diesem Gebrauch den Musa oder das große indianische Rohr, das man auch Adamsfeige nennet, angewendet, wegen der erstaunlichen Größe seiner Blätter, davon ein jedes zureicht, einen Menschen einzuwickeln, wie sie dann in der That zum Begräbniß der Todten gebraucht werden.

Die lilienartige Classe schließet die Aloë und die Yucca in sich, Pflanzen, die voller Fäden und Zasern, und sehr geschickt zum Papiermachen sind. Man hat aus der Aloe den durch seine Eigenschaft, daß er sich nicht ausdehnen läßt, und durch die gemachten physicalischen Versuche bekannten Faden gemacht. Der P. du Tertre (Hist. nat. des Antilles) beschreibt die Art, wie man aus der Pflanze diesen Faden herausziehet. Hans Sloane in dem Verzeichniß der Pflanzen von Jamaica, redet auch von diesen Aloen, und seine zweyte Art ist diejenige, die Caspar Bauhin in seinem Pinax p. 20. die eilfte Art der Papierpflanze nennet.

Clusius in seinem Tractat von ausländischen Pflanzen redet von einem aus einer Baumrinde gemachten Knauel Zwirn oder Faden, welcher nach der Meinung des Sloane gleichfalls eben dieselbe Aloe ist. Johann Bauhin (Historie der Pflanzen) schreibet den Clusius aus, und sagt, daß dieser Zwirn sehr fein und weiß sey.

<76, 322>

Die dritte Gattung von Aloe des Sloane, welche jedoch eine wahre Sorte von Yucca ist, hat Lätius Seite 645 unter dem Namen einer schönen Gattung Hanf oder Flachs bekannt gemacht, welcher der Seide nahe kommen soll.

Der Bambus oder das Bamboesrohr, dessen sich die Chineser bedienen, ist auch eine Pflanze, die eben zu dieser Classe gehöret. Er heißet bey Johann Bauhin Baumrohr.

Die Birke, die unter die Classe dieser Pflanzen gehöret, deren Blumen in sogenannten Kätzchen oder Lämmerchen bestehen, wie die Haselstauden und Weiden, ist eine von den ersten Bäumen gewesen, dessen Rinde zum Schreiben gedienet hat. Unter der Benennung der Rinde muß man, wie es scheinet, allezeit die innere Lage, die unter der äußersten dicken Rinde liegt, und holzigt zu werden bestimmet ist, verstehen, welche innere Rinde allezeit Liber genannt worden ist.

Rumphius beschreibet zwey Bäume mit den vorhin gedachten Kätzchen oder Lämmerchen, die er zahmen Gnemon und wilden Gnemon nennet. Seinen Nachrichten zufolge, ziehen die Bewohner der Insel Amboina einen Faden aus der Rinde der Zweige, welche sie ein wenig schlagen. Dieser Faden dienet ihnen Netze daraus zu machen, welche sie in einem gewissen Saft kochen lassen, damit sie mehr dauerhafter werden, und der Fäulniß weniger unterworfen seyn mögen.

Der Maulbeerbaum, der Hanf und die Nessel gehören zu einer Classe der Pflanzen, deren Blüthen unvollständig sind. Alle diese Pflanzen sind auch zum Papiermachen gebraucht worden.

Kämpfer in dem Verzeichniß der Pflanzen aus Japan redet von einer Pflanze, der man vielleicht den Namen des weißen Hanfes würde geben <76, 323> können, die aber dieser Schriftsteller, die große gemeine Nessel, welche rechte und völlige Blüthen träget, nennet, und welche starke Fäden giebt, die zur Verfertigung der Leinwand und zu andern Arbeiten geschickt sind.

Kämpfer und Seba nennen denjenigen Baum, wovon das Japanische Papier gemacht wird, einen Maulbeerbaum oder Papyrus, und die Frucht dieses Baumes ist in der That dem vom Maulbeerbaum ähnlich. Der P. du Halde Tom. 2. S. 212. sagt, daß eben der Maulbeerbaum, dessen Blätter die Chineser zur Nahrung der Seidenwürmer gebrauchen, Zweige treibe, deren Rinde diene Papier davon zu machen, welches stark genug sey, die gewöhnlichen Sonnenschirme oder Parasols damit zu überziehen.

Man kann hierher auch eine Pflanze rechnen, die die Japoneser zum Papiermachen gebrauchen, deren Classe, wozu sie gehöret, man in dem Berichte des Kämpfers nicht genau erkennen kann; er nennet sie Papierpflanze, die sich auf die Erde legt, welche Milch giebt, deren Blätter scharf sind, und die eine gute Rinde zum Papier hat.

Herr Guetard setzet auch in diese Classe einen Baum, von welchem Seba T. 2. tab.. 168. redet, mit breiten, langen, abgekürzten, glänzenden Blättern, die den Blättern des Lorbeerbaumes ähnlich sehen, dessen innere Rinde sich als feines Leinen ausdehnen läßt, wie das zum Nesseltuch. Dieser Baum heißt Lagetto. Die Völker, bey welchen er wächset, machen davon Kleider.

Die Classe der Pappeln giebt ebenfalls Pflanzen zum Papiere her. Alle Mahotssträuche in den antillischen Inseln geben lange gehechelte Haare, so zu dem Seilwerk geschickt sind. Der Herr Sloane in seinem Verzeichniß der Pflan<76, 324>zen auf der Insel Jamaica redet von zweyen Pappeln, die diese Eigenschaft haben. Die eine ist ein Pappelbaum von denjenigen, die an den Ufern des Meeres wachsen, mit runden, kleinen, scharfen und unterhalb weißen Blättern, welche eine gelbe Blüthe hat, und deren Rinde gesponnen werden kann. Dieses ist ein von P. du Tertre sogenannter Mahot. Die andere ist eine Baumpappel mit runden Blättern, welche eine große Blume von hellrother Farbe hat, die der Lilienblume ähnlich ist, deren Rinde gleichfalls Fäden giebet. Mit einem Wort, die Baumwolle, wovon man so großen Gebrauch zum Papier gemacht hat, ist eine Pappelpflanze. Man hat aus Baumwolle Papier gemacht: sollte man nicht auch von der Wolle der Weiden Gebrauch machen können, wann ihre Kätzchen, wovon bisweilen die Erde ganz bedeckt ist, mit Fleiß gesammlet würden?

Der Linagrostis, womit die magern Wiesen bisweilen ganz angefüllet sind, liefert gleichfalls ein dergleichen rauhes Wesen, womit nicht undienlich seyn würde, einen Versuch zu machen, sowohl als mit der sogenannten Eselsmilch, dem sogenannten Trompetenholz, und mit einer Menge anderer Pflanzen. Wenigstens geben Plinius und die meisten Botanisten vor, daß man sich der Wolle gewisser Disteln bedienet habe, Zeuge daraus zu machen.

Unabhängig von den Classen der Pflanzen, wovon jetzt geredet worden ist, haben der Flachs, die Linde, die Hagbuche, und selbst die Disteln, ob sie gleich in andere Classen gesetzt werden, gleichfalls die Eigenschaft Papier zu bilden.

Wir übergehen viele andere Arten von Pflanzen mit Stillschweigen, weil die Einsammlung solcher Materialien zwey und mehrmal theurer, als die besten Lumpen zu stehen kämen. Sollte die <76, 325> brauchbare Materie von dergleichen Pflanzen in Menge gewonnen werden, so müßten solche ordentlich cultivirt werden, welches aber wiederum und vielleicht sehr beträchtliche Kosten verursachen würde.

Der Herr von Reaumur ist der Meynung, daß das Holz, welches verfaulte, ebenfalls zum Papiermachen gebraucht werden könnte. In der That hat nicht die Auflösung, die der Hanf erlitten hat, wenn er geröstet, gesponnen, und zu sehr vielenmalen gebleichet worden ist, wenn er in der Faulbütte gegohren hat, und viele Stunden lang gestampfet worden ist, einige Aehnlichkeit und Gemeinschaft mit dem Holze, welches, indem es verfaulet, aufgelöset wird? Man dürfte nicht den allerletzten Grad der Fäulniß abwarten; man hat zum Papier eines Grades der Auflösung nöthig, der die Pflanze noch nicht der Verbindung ihres ganzen Zusammenhanges beraubet. Die Wespen verstehen das Holz sehr wohl auszusuchen, welches zu demjenigen Grade geschickt ist, ihre Pappe zu formiren. In der That scheinen die äußern Theile eines Wespennestes gleichsam von Papier oder Pappe zu seyn, und es geschiehet doch mit verfaultem und auf ihre Art zubereitetem Holze, daß sie im Stande sind, dasselbe zu verfertigen. Siehe Mem. über die Insecten Tom. 6.

Der Herr von Justi will diesen Gedanken des Herrn von Reaumur von Anwendung des verfaulten Holzes zum Papiermachen, nicht beystimmen; er spricht: die Fäulung vernichtet vollends alle Fäserchen des Holzes, und keine Materie kann zum Papiermachen geschickt seyn, die nicht Fäserchen hat. Wenn die Wespen ihre Nester daraus machen, so ist erstlich zwischen den <76, 326> Nestern und dem Papiere ein entsetzlicher Unterschied: und die Haltbarkeit dieser Nester kommt nicht auf das faule Holz, sondern auf den klebrichten Saft an, womit sie dasselbe gleichsam zusammen leimen.

Von den Papierbäumen und ihrer Behandlung ist auch noch folgendes anzuführen.

Der Avo befindet sich auf der Insel Madagascar: man spinnet aus dessen Bast ein Garn, und webet daraus einen Zeug, der sehr leicht, an Lindigkeit der Seide gleichet, aber nicht stark ist.

Aus der Rinde des Kadsi, einer Art des Maulbeerbaumes, verfertigen die Japaneser ihr Papier. Wenn nämlich die Blätter desselben im Christmonat abgefallen sind, so schneidet man die Schößlinge des Kadsi, welche sehr dick sind, in der Länge von etwa drey Schuhen ab; hierauf werden sie in Büschel zusammen gebunden, und mit Asche in Wasser abgekochet. Wären sie vor allzu langer Zeit schon abgeschnitten, folglich seit dem dürre geworden; so läßt man sie in vorbesagter Lauge vier und zwanzig Stunden lang weichen. Die Büschel müssen recht feste gebunden seyn, und wenn sie in den Kessel kommen, wohl zugedecket werden.

Hier kochen sie so lange, bis die Stecken einen halben Zoll breit Holz von ihrer Rinde entblößt zeigen. Sodann nimmt man sie aus dem Wasser, läßt sie an der Luft trocknen, spaltet sie nach der Länge, und schälet die Rinde völlig ab. Das unnütze wirft man weg. Hernach wird die Rinde getrocknet, gereiniget, und drey bis vier Stunden lang in Wasser geweichet.

Sobald sie weich genug ist, schabet man sie mit einem Messer, und sondert zugleich die alte <76, 327> jährige Rinde von der jüngern und dünnern ab. Die erste giebt das beste Papier, die zweyte giebt eines, das zwar schwärzer, sonst aber eben so gut ist, Wäre vielleicht eine noch ältere, als jährige Rinde vorhanden, so leget man sie besonders, und machet ein gröberes Papier daraus, als aus den übrigen beyden Gattungen.

Sind alle diese Rinden völlig gereiniget, so werden sie noch einmal in dem Kessel gekochet: doch nimmt man diesesmal weniger Asche darzu, als das vorigemal, und rühret sie während des Kochens mit einem Rohr beständig um, gießet auch zuweilen frische Lauge zu, doch nicht mehr als so viel nöthig ist, damit nicht allzuviel wegdampfe, sondern der Abgang ersetzt werde. Das Kochen währet so lange, bis die Materie dünne genug ist, und sich bey dem Berühren mit einem Finger von einander giebt, wie etwa Werg oder ein anderes faseriges Wesen.

Zu bemerken ist hiebey, daß die Lauge, die man darzu gebrauchet, auf folgende Weise gemacht wird. Man leget zwey Hölzer kreuzweise über einen Kessel, leget Stroh darüber, und schüttet angefeuchtete Asche darauf. Hernach gießet man heißes Wasser darüber, welches die salzigen Theilchen aus der Asche auflöset, und durch das Stroh mit sich in den Kessel führet, folglich die verlangte Lauge abgiebt.

Ist die Rinde zum zweytenmal gekochet; so wird sie geschwemmet. Hierzu ist nun große Aufmerksamkeit nöthig. Wäre sie nicht sattsam geschwemmet, so würde das Papier zu grob: schwemmet man sie zu viel, so wird das Papier zwar zart und weiß, allein es schlägt durch. Gemeiniglich geschiehet das Abschwemmen in einem Flusse. Man tauchet die Rinde in einer Wanne oder <76, 328> in einem Siebe ins Wasser, und rühret sie mit der Hand so lange in einem herum, bis sie das Ansehen eines wollichten Wesens oder sanfter Flocken gewinnet. Soll das Papier höchst fein werden, so wäscht man sie zum drittenmal, oder wickelt sie vielmehr in ein Tuch, und läßt sie im Wasser weichen.

Gleichfalls sondert man alle Knoten, grobes Wesen, und was etwa sonst darunter gekommen seyn möchte, sorgfältig davon ab. Dieser Abgang wird nebst der gröbsten Rinde zu schlechtem Papier bey Seite gelegt. Man läßt folglich in dieser Werkstätte nicht das geringste umkommen.

Ist der Zeug so oft, als es nöthig, geschwemmet, so wird er auf eine hölzerne glatte und dicke Tafel geleget, und von zwey Menschen mit Stecken so lange geschlagen, bis er die verlangte Feinheit bekommt. In diesem Zustande gleicht er dem Papiere, das man so lange ins Wasser geleget hätte, bis es zu einem flüssigen Brey geworden wäre. Hernach wird der Zeug in eine Kufe geschüttet, und ein klebrichtes Leimwasser von Reiß und der Oveinwurzel *

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Alcea radice viscola, flore ephemero magno puniceo.

darüber gegossen. Der Ovein ist ein Stäudchen, daß die besagte Eigenschaft hat.

Alles dieses wird mit einem glatten und dünnen Rohre wohl durcheinander gerühret, damit der Zeug das Leimwasser desto besser in sich ziehe, welches am besten in einer schmalen Kufe geschiehet, aus welcher man hernach den Zeug in eine größere, und den in unsern Papiermühlen ähnliche, schüttet. Aus dieser zweyten Kufe wird hernach ein Bogen nach dem andern in einer Forme von Binsen geschöpfet.

<76, 329>

Damit nun die Bogen trocknen, so leget man sie auf einem Tische, darüber eine doppelte Matte gebreitet ist, in Stöße übereinander, und allemahl zwischen zwey Bogen ein Rohr, das an beyden Enden hervorraget, und dazu dienet, daß man beliebigen Falles einen nach dem andern aufheben kann. Ueber jeden Stoß decket man ein sehr dünnes Bret, von eben der Größe und Gestalt als die Bogen sind, und leget anfänglich nur ein ganz leichtes Gewichte darauf, damit die noch feuchten Bogen nicht zu feste auf einander gedrucket werden. Hernach vermehret man das Gewichte, um das überflüssige Wasser aus ihnen zu pressen.

Den folgenden Tag nimmt man durch Hülfe des untergelegten Rohres einen Bogen nach dem andern weg, und breitet sie mit der flachen Hand auf lange und rauhe Bretter, woran sie wegen der noch in ihnen befindlichen Feuchtigkeit leicht kleben bleiben. Hernach stellet man sie an die Sonne: sind die Bogen ganz trocken, so leget man sie auf einander, und beschneidet sie rings herum, worauf sie völlig fertig sind.

Dieses Papier bekommt seine Weiße von dem Reißwasser, seine Festigkeit aber von dem leimähnlichen Wesen, das in besagtem Reiß= und Oveinwasser sich befindet. Das Reißwasser wird in einem irdenen Topfe gemacht, der aber nicht glasurt seyn darf. In diesem läßt man die Reißkörner im Wasser weichen, schüttelt hernach den Topf anfänglich ganz gelinde, nachgehends immer stärker, und gießt endlich frisches Wasser hinein. Hierauf wird alles durch ein leinenes Tuch geschlagen. Was nach dem Abtropfen in dem Tuche bleibt, das kommt von neuem in den Topf, und wird auf die vorige Weise behandelt, welches so oft geschiehet, bis nichts klebrichtes mehr im Reiße zurück ist. Der Japanische <76, 330> schicket sich zu diesem Gebrauch deswegen am besten, weil er der weißeste und größeste in ganz Asien ist.

Das Wasser von der Oveinwurzel, das man zu jenem gießt, wird gleichfalls mit vieler Sorgfalt bereitet. Man schneidet die Wurzel in kleine Stücke, stößt sie, und wirft sie in frisches Wasser, darin sie nur über Nacht liegen dürfen; so ist es zu einem so starken Leimwasser geworden, als es seyn sollte: nur muß man es vorher durch ein leinenes Tuch seigen.

Unterdessen erfordert eine Jahreszeit immer eine größere Menge Leimwasser, als die andere. Also muß man zum Beyspiele im Sommer mehr als sonst nehmen, weil die Wärme dieses leimähnliche Wesen auflöset, und allzuflüssig macht: nebst dem würde auch allzuviel Leimwasser das Papier allzu locker, gleichwie hingegen allzu wenig Wasser es zu dichte, ungleich und spröde machen. Ist ein Fehler vorgegangen, so merket man ihn gleich bey dem Aufheben der ersten Bogen, es ist ihm aber nicht mehr zu helfen.

Weil die Oveinwurzel zu mancher Zeit, besonders aber zu Anfang des Sommers, nicht wohl zu bekommen ist; so nimmt man ein gewisses kriechendes Stäudchen, Sana Radsura genannt, zu Hülfe; indem seine Blätter ebenfalls einen Leim von sich geben, welcher dem von der Oveinstaude ziemlich ähnlich, wiewohl dennoch schlechter ist.

Wahrscheinlich ist diese Beschreibung deutlich genug: wenn wir aber hierin Versuche machen wollten, so würde man nicht nöthig haben, dem japanischen Verfahren pünctlich nachzugehen. Wenn erst die Zweige in ein genugsam zartes und weiches faseriges Wesen bearbeitet wären; so würde man ferner auf unsere Art Papier daraus machen können. Unsere Art <76, 331> zu verfahren ist hierin viel bequemer und vortheilhafter.

Man kann mit dem Herrn von Justi behaupten (s. dessen öconomische Schriften 2 B.) daß es uns an Holzarten nicht fehlen würde, die zu dem Papiermachen eben so gut gebraucht werden könnten, als die Zweige des Kadsibaumes. Unsere weißen Maulbeerbäume würden hierzu eben so geschickt seyn. Es ist bekannt, daß sie ein sehr zähes und zaseriges Holz und Schale haben, und man glaubt sogar, daß eben diese Eigenschaft des Maulbeerbaumes die Seidenwürmer, indem seine Blätter ihnen ihre Nahrung abgeben, in den Stand setzet, die Seide zu spinnen.

Da die weißen Maulbeerbäume ohnedies, wenn sie in guter Ordnung erhalten werden sollen, um desto besser zur Nahrung der Seidenwürmer zu dienen, alle drey Jahre des größten Theils ihrer Zweige beraubet werden müssen, so würden diese abgehauenen Zweige, ohne Nachtheil des Seidenbaues zum Papiermachen angewendet werden können.

Die Schale oder der Bast von verschiedenen Arten der zähen Weiden, besonders der sogenannten Bachweiden, würde wahrscheinlicher Weise gleichfalls zu dem Papiermachen zu gebrauchen seyn; dieser Bast bestehet bekanntermaßen aus nichts, als sehr zähen und zarten Fäserchen, die, wenn sie auf japanische Art zubereitet würden, vermuthlich ein gutes Papier aus sich machen ließen.

Eben so würden sich verschiedene andere Baumarten finden, die eine zähe Schale haben, und die folglich zu diesem Endzweck brauchbar seyn würden.

Man hat nicht zu befürchten, daß dieses zu einer neuen Verwüstung des Holzes Anlaß geben würde; da wir ohnedies schon über den großen Verbrauch der Baumrinde zu der Gerberlohe zu klagen Ursache haben, und auf Mittel denken <76, 332> müssen, etwas anders zu Gerbung des Leders ausfindig zu machen.

Es werden jährlich eine große Menge von Weiden und andern Holzweigen zu Körben, Horden, Flechten, Kannen etc. verbrauchet. Bey den meisten von diesen Arbeitern werden die Zweige ohnedies geschälet; und alle diese Arbeiter würden es um desto mehr thun, wenn sie mit der Schale einen kleinen Gewinnst zu machen müßten. Diese Schale ist zeither weggeworfen worden, oder sie hat nur eine geringe Feuerung abgegeben. Sie würde viel nutzbarer gebraucht werden, wenn sie zu dem Papiermachen dienlich werden könnte.

Auch unter den Staudengewächsen dürften sich einige finden, welche zu diesem Endzweck genutzet werden könnten. Die schwedische Academie der Wissenschaften hat schon in ihren Schriften bemerket, daß die Hopfenranken in Schweden gebraucht werden, um eine Art des Flachses daraus zu machen. Wenn wir in unsern Gegenden nicht nöthig haben auf diesen kleinen Vortheil aufmerksam zu seyn, da wir überflüssigen Flachs erzeugen können; so würden ohne Zweifel diese Hopfenranken zum Papiermachen gebrauchet werden können. Aus einer Materie, woraus Flachs gemacht werden kann, muß auch allemal Papier zu verfertigen seyn. Die Frage ist nur, ob es ohne große Kosten und mühsame oder langwierige Bearbeitung zu bewerkstelligen stehet. Und dieses müssen die Versuche ergeben.

Es haben sich einige Gelehrte die Mühe gegeben, aus Brennnesseln eine Art Flachs zu machen, und ihre Versuche sind nicht ohne Erfolg gewesen, ohngeachtet noch allemahl die Frage übrig bleibet, ob es mit Nutzen geschehen kann? Die Bemühung, ein anderes Gewächs ausfindig zu machen, <76, 333> um Flachs zur Spinnerey daraus zuzubereiten, ist wohl ziemlich vergeblich. Der gemeine aus Leinsamen zu erzeugende Flachs ist wohl hierzu am allerbequemsten und vortheilhaftesten. Vielleicht aber sind die Brennnesseln und andere dergleichen Gewächse, die viel und zarte Zäserchen haben, zum Papiermachen brauchbarer, wenn man eine gute und kurze Bearbeitungsart erfinden kann.

Es dürfte uns also nicht an Materialien ermangeln, woraus auch, außer den Lumpen, Papier gemacht werden könnte. Es wäre zu wünschen, daß ein fleißiger, aufmerksamer und verständiger Papiermacher auf dergleichen Materialien Betracht nehmen, und mit denselben Versuche anstellen möchte. *

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In der Frankfurter Zeitung des Jahres 1763. sub Nro. 127., befindet sich folgende nützliche Anzeige: „Es habe jemand in Sachsen einen Preis von zehn Rthlr. für denjenigen Papiermacher ausgeboten, welcher bis zum Montag der zweyten Woche nächstkommender Michaelismesse, das erste und beste Stück papier abgeben wird, welches von Bast der Maulbeerbäume oder Weiden, aus Brennnesseln, oder Hopfenranken, oder aus einem andern zu dergleichen Arbeit noch unbekannten Gewächse, statt der Lumpen, die bey dem siebenjährigen Kriege so rar worden sind, verfertiget seyn wird.„

Es ist gar kein Zweifel, daß diese Versuche vollkommen gelingen werden. Man hat schon ehemals in denen beliebten Breslauer Sammlungen verschiedene Versuche beschrieben, die mit dergleichen Materien gemacht worden sind, und einen guten Erfolg gezeiget haben. Allein der Fehler unserer Europäer besteht hauptsächlich darin, daß wenn auch fleißige und geschickte Männer dergleichen nützliche Versuche und Erfindungen machen, solche doch gar bald wieder in Vergessenheit gerathen. Die Schriften, worin dieselben beschrieben worden, kommen ungemein selten in die Hände der Arbeiter <76, 334> und Handwerker, die sie nutzen könnten. Wenn also derjenige, der solche Versuche gemacht hat, nicht selbst die Veranstaltung treffen kann, sie im Großen auszuüben, wozu er oftmalen entweder gar nicht geneigt ist, oder die Kosten nicht bestreiten kann; so ist niemand, der sie ausübet, und sie kommen also dem gemeinen Wesen nicht im geringsten zu Nutzen.

Ohnfehlbar wäre es die Sache aller weisen Regierungen, auf dergleichen nützliche Versuche und Erfindungen aufmerksam zu seyn, und es durch ihre Vorsorge und Anstalten in die Wege zu richten, daß sie dem Nahrungsstande zum Nutzen kämen. Allein, oft sind auch solche Versuche manchen Ministern und Staatsbedienten eben so unbekannt, als sie den Handwerkern sind, die sie nutzen könnten. Denn, nicht jeder Minister der Bücher liest, hat die Zeit, zu nützlichen Anstalten für den Nahrungsstand daraus Anleitungen zu nehmen, da es theils nicht sein Fach ist --theils er auch nicht alle Gewalt in Händen hat, ein gutes Project auszuführen.

Die Japaner machen auch Papier von einem dicken Baume, der Canschy heißt, sie verfahren mit der Zubereitung auf vorige Weise. *

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s. Schauplatz der Künste und Handwerker 1. B. von der Kunst Papier zu machen.

Heut zu Tage wird das gewöhnliche Papier von Sina aus der zweyten Rinde des Bambus gemacht, die man in einen flüssigen Teig durch ein langes Zerreiben verdünnet hat. Es ist eben sowohl als das unsrige geleimet, um zu verhindern, daß es nicht fließe, und man bereitet es gleichfalls mit Alaune zu. *

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Ibid. p. 459.

<76, 335>

Es giebt daselbst auch ein Papier, welches aus dem inwendigen zarten Häutchen des Chu-ku oder Ku-chi besteht, und von eben diesem Baume ist dergleichen Papier Ku-chu genannt worden. Wenn man die Zweige davon abhauet, so schälet sich die Rinde leicht in Riemen, als so viel Bänder ab. Die Blätter dieses Baumes haben eine große Aehnlichkeit mit den Blättern des wilden Maulbeerbaumes, allein die Frucht hat mehr Aehnlichkeit mit der Feige. Diese Frucht wächset aus den Zweigen ohne irgend einen Stiel hervor. Wenn sie vor ihrer völligen Reife abgebrochen wird, so giebt die Wunde einen milchfarbigen Saft als die Feige. Mit einem Wort, dieser Baum hat so viele Gleichheit mit dem Feigen= und Maulbeerbaum, daß er für eine Art von einem Maulbeerfeigenbaum oder Adamsfeigenbaum gehalten werden kann: inzwischen gleichet er dem Erdbeerbaum noch mehr, welcher eine Art von Meerkirschenbaum von mittelmäßiger Größe ist, dessen Rinde weich, weiß und glänzend ist, aber im Sommer sich spaltet, weil ihm die Feuchtigkeit fehlet. Der Cuchu wie der Meerkirschenbaum wächset auf den Gebirgen und in steinigtem Erdreiche. s. du Halde.

In Brasilien ist ein Bäumlein von der Größe und Gestalt wie ein Citronenbaum, unter den Namen Bixa, Achiott, Urucu, Changuarica, Pamaqua, bekannt. Es hat grünfärbiges und rauhes Laub, wie die Ulmenbäume. Die Rinde, Stamm und Zweige sind rothgelb, und das Holz ist weiß und stachelig. Es trägt große blasse purpurfarbene Blumen wie Rosen. Die Früchte sind in viereckigen Hülsen, als grüne Mandeln. Die darin liegenden carmoisinrothen Körner sind wie die Weinbeerkörner, aber viel runder, und geben die schönste Zinnoberfarbe, wenn man sie nur mit einem Was<76, 336>ser abreibet. Man machet auch Kugeln und Tafeln aus solchen Körnern, welche viele Jahre dauern, und nach Europa gebracht werden. Die Wurzel ist von starkem und gutem Geschmack, und dienet den Indianern statt des Saffrans. Die Wilden halten sehr viel auf diesen Baum, und pflanzen ihn um ihre Wohnungen. Er bleibet das ganze Jahr hindurch grün, und trägt seine Frucht im Frühjahr: und um diese Zeit pflegen sie ihn des Holzes wegen, abzuhauen, als mit welchem man Feuer schlagen kann, wie mit einem Feuerstein. Aus der Rinde drehen sie Seile, welche stärker sind, als die von Hanf.

Der Dounekajah-Gauhad ist ein indianisches strauchiges Gewächs, dessen Blätter zwey Finger breit, und 6 Fuß lang, an beyden Seiten mit Dornen besetzet sind. Diese Blätter werden in Indien zu Decken, die Wurzel aber zu Stricken gebraucht. Die Knospe blühet in unterschiedenen Büscheln von Blumen auf, die weiß sind, und sich gleich einem Federbusche ausbreiten.

Die Ensada oder Enzada, eine Art indianischer Feigenbäume, hat eine Rinde, woraus die Einwohner einen Zeug zur Kleidung zu bereiten wissen, s. die Abh. von Wäldern, so aus einem Baum entspringen, im 2ten Bande S. 275.

Der Hanfbaum findet sich an den Ufern der Flüsse und morastigen Gegenden längs der westlichen Küste von Africa. Derselbe ist mittelmäßig hoch, und scheinet eine Art des americanischen Mahot zu seyn. Das Holz ist locker, und die Blätter sind breit und dünne. Die Rinde, welche faserig, und leicht abzusondern ist, dienet gut, Lücken bey dem Kalfatern der Schiffe zu verstopfen: man stößt sie in dieser Absicht, die Aestchen abzusondern, und leget sie statt des Theers in Palmöl, wel<76, 337>ches mit lebendigem Kalke vermenget wird, ihm die nöthige Dichte zu geben.

Der Mathobaum zeigt sich auf der americanischen Landenge, und ist von der Stärke einer Esche: es findet sich aber noch eine andere Art, die nicht so stark, und viel gemeiner ist, welche an denen feuchten Orten wächst. Ihre Rinde ist so klar, wie der Canevas. Wenn man ein Stück davon nehmen will, so zerreißt sie sich fadenweise, bis oben hinauf an den Stamm: diese Faden sind so dünne, aber so stark, daß man allerhand Seile und Thauwerk daraus machet. Die Indianer machen auch Netze davon, um die großen Fische damit zu fangen.

Aus den Wurzeln des Magney, eines Baumes in Neuspanien, (den wir in Zukunft zu beschreiben vorhaben) werden starke und dicke Seile gemacht, mit dessen Blättern deckt man die Häuser, und spinnet daraus schönes Garn zur Kleidung.

Den Matombebaum trifft man überall im Königreich Loango an, und er ist gleich vorigem von großem Nutzen: er giebt guten Wein, der aber nicht so stark als der Palmwein ist: die Aeste dienen zu Dachsparren und Latten bey den Häusern, und zu Spannbetten. Die Blätter halten, wenn sie statt der Ziegel gebrauchet werden, den stärksten Regen auf: und aller Zeug, den man in Loango trägt, wird aus solchen gemacht.

Endlich findet sich auf der Insel Madagascar ein Bäumlein, unter dem Namen Try, welches angeritzt, einen Milchsaft giebt, aus seinem Bast kann ein Faden gesponnen, und ein Gewand gewebet werden, welches weicher als Baumwolle, aber nicht so stark ist, und auch dieser dienet füglich statt der Lumpen, zur Papiermacherey.

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